Achtung Liebesfalle!

Wenn die Liebe im Internet zuschläg, werden bei vielen Menschen Gefühle geweckt, die aber auch zu schmerzhaften Erfahrungen führen können.

„Wie konnte ich nur so blind sein?“ – Auch in Lippe gibt es Opfer von „Romance Scamming“ –

Kreis Lippe. Von „Romance Scamming“ oder auch „Liebesbetrug“ hat bald jeder schon einmal gehört. Fremde Frauen und Männer gaukeln ihren Opfern im Internet die große Liebe vor. Ihr Ziel: den Betroffenen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Über solche Fälle hört man meist nur im Fernsehen oder liest darüber – aber auch bei uns in Lippe sind etliche Bürger schon auf diese Masche hereingefallen. Die lippische Polizei warnt daher ausdrücklich davor. Aber wie erkennt man den Liebeskasper?

Alles beginnt harmlos, mit einem kurzen Chat oder einer netten eMail. Die Spitzbuben suchen gezielt auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken nach einsamen und gutgläubigen Opfern. Eine einfache Chat-Einladung dient oft als Erstkontakt. Um interessant zu wirken, erfinden die Betrüger ungewöhnliche Lebensgeschichten und machen einen äußerst seriösen Eindruck – immerhin ziehen sie die Masche nicht zum ersten Mal erfolgreich ab.
Obwohl das Thema des Liebesbetrugs seit Jahren aktuell ist, fallen immer wieder Opfer auf die Täter rein, ihre Einsamkeit wird schamlos ausgenutzt. Dabei sind die Betrogenen nicht mal auf den Kopf gefallen. Ein Beispiel bietet eine der reichsten Frauen Deutschlands – Susanne Klatten. Vor Jahren fiel sie auf einen Mann herein und verlor dabei Millionen. Ganz per Zufall kennengelernt gaukelte er ihr die große Liebe vor, es folgten großzügige Geschenke, später versuchte er sie mit intimen Fotos zu erpressen. Doch die verheiratete Klatten hat sich lieber peinlich ihrem Mann und der Öffentlichkeit gestellt, ihn verklagt, statt den Erpressungen nachzugeben. Richtig so.
Die Zahl der Betrugsfälle lässt sich nur schwer genau beziffern. In der Kriminalstatistik werden sie als Betrugsdelikt gezählt, hinzu kommt eine große Dunkelziffer. Im vergangenen Jahr wurden über 100 solcher Fälle in NRW erfasst, diese Zahl sei aber nicht aussagekräftig, wie die Polizei betont. Es sind weit mehr. Die Opfer schämen sich zu sehr um zur Polizei zu gehen, in anderen Fällen werden sie erpresst – etwa durch freizügige Fotos, die sie dem Betrüger selbst geschickt haben. Am meisten haben die Opfer in Nachhinein mit sich selbst und der Frage „Wie konnte ich nur so blöd sein?“ zu kämpfen.
Das Vorgehen der Kriminellen gleicht sich fast immer. Sie schaffen es, sich im Leben der Opfer unverzichtbar zu machen. Eine liebevolle Mail schon vor dem Zähneputzen, ein liebes Telefonat in der Mittagspause und abends wird stundenlang telefoniert oder gechattet. Oft grenzen sich die Betrogenen dadurch selbst von Familie und Freunden ab. Zu Beginn ist Geld überhaupt kein Thema. Es geht um Familie, Beruf, um die gemeinsame Zukunft. Aber schon bald folgt eine herzzerreißende Geschichte über Schwierigkeiten, verstorbene Ehepartner oder kranke Kinder mit hohen Kosten sind keine Seltenheit. Dann geht es ans Eingemachte: der unbekannte Geliebte muss aus beruflichen oder familiären Gründen verreisen – irgendwo fern ins Ausland. Allerdings nichts ohne das Versprechen, die neue Liebe auf dem laufenden zu halten.
Das tun sie auch. Schon bald gibt es die ersten Schwierigkeiten. Ob ein Überfall, gestohlene Pässe oder ein Krankenhausaufenthalt nach einem Autounfall: die Opfer werden gebeten, per Bargeldtransfer schnell mal auszuhelfen. In den bitterlichen Mails wird die Liebe zum Opfer stark hervorgehoben. Um den Druck zu erhöhen, wird das Opfer auch von einem „Arzt“, einem „Polizisten“ oder einem „Angehörigen“ angerufen – Hauptsache glaubwürdig!
Gerne haben es die Scammer auf Ausweispapiere abgesehen. Sie bitten um Kopien vom Pass/Reisepass, um ein gemeinsames Konto eröffnen zu können. So können die Ausweise leicht gefälscht werden. Die Maschen und Hintergründe der Betrüger sind kreativ und durchdacht – sie alle zu nennen ist kaum möglich.

Die typischen Profile…

… der Männer:
Sie geben sich gerne als Ingenieure, Architekten, Tierärzte oder Soldaten aus. Auf ihren Profilbildern sind meist attraktive, weiße Personen zu sehen – diese Bilder sind allerdings gestohlen. Auch wenn der Mann vorgibt in Amerika oder im osteuropäischen Ausland zu leben, hält er sich wahrscheinlich in Westafrika auf. Davon merken die Opfer allerdings nichts, denn die Betrüger sprechen perfektes Englisch oder benutzen sehr teure Übersetzungs-Tools.

… der Frauen:

Die Scammer-Frauen sind meist Krankenschwester, Ärztin, Lehrerin oder Geschäftsfrau jeder Art. Auch ihre Profilbilder sind äußerst attraktiv. Diese wurden jedoch ebenfalls gestohlen, oder gezielt für ihre Masche aufgenommen. Das erkennt man daran, dass das Outfit auf den Bildern immer gleich ist und lediglich die Posen variieren. Viele von ihnen geben sich als Russinnen aus – sie können aber sehr wohl auch als Südamerika, Thailand, Afrika oder Europa stammen. Sie beherrschen die Englische, und manchmal auch die Deutsche, Sprache perfekt.