Siegerehrung! Ganz oben auf dem Treppchen, die Lemgoerin Viktoria Ahaus.

San Antonio/Texas/USA. Mit den Worten “Viktoria, by today you are a Honorary Member of the Texas Pentathlon Team” wurde der Lemgoerin Viktoria Ahaus nach einer „goldenen“ Woche bei den ‚U.S.-National/Open Championships‘ eine außergewöhnliche Ehre, die erste Ehrenmitgliedschaft einer deutschen Fünfkämpferin im Texas-Pentathlon-Team, zuteil. Vorausgegangen war eine Wettkampfwoche bei den U.S.-Meisterschaften im Modernen Fünfkampf, in San Antonio, Texas, USA, in der die gerade erst 18-Jährige Abiturientin des Engelbert-Kämpfer-Gymnasiums sich gleich in vier U.S.-Meisterschaftswettkämpfen nicht nur der starken Konkurrenz sondern auch den ungewohnten, extremen klimatischen Bedingungen (38° C, Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit) stellte.


„Wollte diese
große Chance nutzen!“


Nur wenige Tage nach ihrer letzten Abiturprüfung machte sich die Lipperin auf ins ferne Texas, um sich dort ihrer bisher größten sportlichen Herausforderung zu stellen. Die vorherige große Doppelbelastung, – Vorbereitung sowohl auf Abitur wie auch die U.S. Open – , wich sofort der Begeisterung, erstmalig im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ angekommen zu sein. Diese Einschätzung sollte sich für Viktoria Ahaus bestätigen. Äußerst mutig hatte sich Viktoria Ahaus für alle vier Championships-Wettkämpfe registrieren lassen. „Ich wusste um das Risiko der zu erwartenden Wettkampfbelastung durch vier Wettkämpfe binnen acht Tagen, den wesentlich härteren Wettkampfbedingungen dort und der extremem Hitze. Und natürlich weiß man, man trifft auf top-motivierte gute Fünfkämpfer aus allen Teilen der USA, die zu fighten wissen. Aber ich wollte diese große Chance, bei den U.S. Open dabei sein zu dürfen, unbedingt nutzen und war bereit alles zu geben“, so Ahaus. Für die 18-Jährige und einzige deutsche Teilnehmerin ging es gleich in den Hauptwettkampf, die U.S. Championships der Senioren (über 21 Jahre), wo sie auf die Top-U.S.- Athletinnen traf, für die diese Meisterschaft ein Teil ihrer Qualifikation für World Cups und auch bereits Olmypia 2020 bedeuteten. Nach einem furiosen Start, dem 2. Platz im Fechten, ging es für Ahaus in die schwierige zweite Disziplin, das Springreiten. Wie im Fünfkampf üblich: fremdes Pferd, 20 Minuten Eingewöhnung, vier Testsprünge, dann ging es in einen Springparcours der es in sich hatte, gestaltet von einer mexikanischen Reiterlegende.


Furioser Sprint


Den fehlerfreien und mit maximal möglicher Punktzahl absolvierten Platz 2 – Ritt der Lemgoerin quittierten die Zuschauer mit respektvollem Applaus, nachdem vorher einige Reiterinnen mit großen Problemen zu kämpfen hatten. Bereits zwei Stunden später das kräftezehrende Schwimmen über die 200m Freistil-Distanz, im Campus-Hallenbad der Universität UIW San Antonio, die eine Woche lang auch alle Teilnehmer der Meisterschaften beherbergte. Auf dem hervorragenden Startplatz 4 ging es für Ahaus in die finale Disziplin, dem “LaserRun“, der Biathlonähnlichen Disziplin aus Laufen (4 x 800m ) und Schießen ( Pistole / 4 x auf 5 Treffer), der bei sengender Hitze und schwieriger Geländestrecke den Athleten alles abforderte. Bis kurz vor Schluss Hochspannung für die Zuschauer durch ständig wechselnde Positionen der Läuferinnen. Ahaus, in der letzten 800m Runde auf Platz 5, setzte 150 m vor dem Ziel mit einem furiosen Sprint alles auf eine Karte und lief vor begeistertem Publikum auf Rang 4, direkt hinter den drei älteren US-Spitzen-Athletinnen. Diese Top-Platzierung bedeutete gleichzeitig den sensationellen Platz 1 und die Goldmedaille in der Juniorenwertung (unter 21 Jahre).


Nach nur kurzer Regeneration am nächsten Morgen dann gleich der Start für die „Mixed Relay“ Meistershaft, einer männlich/weiblich gemischten Staffel, in der die 18-Jährige Lemgoerin mit der Nr. 5 der männlichen US-Rangliste, dem 21-lährigen World-Cup-Teilnehmer, Alex Guzman (Florida), an den Start ging.
In dem äußerst spannenden Mixed-Staffel-Format absolvieren beide Teammitglieder jeweils die Hälfte der Aufgaben/Distanzen. Mit nur einer einzigen Niederlage im Fechten sorgte Ahaus gleich zu Beginn für einen grandiosen Auftakt für ihr Team, das nach Top-Leistungen in den weiteren Disziplinen, die Führung nicht mehr aus der Hand gab und sich mit der Goldmedaille belohnte.


„Das war
Gänsehaut pur!“


Nach einem Ruhetag und vier wertvollen Tagen Trainingscamp mit den US-Fünfkämpfern und Top-Trainern vom US-Olympiastützpunkt Colorado-Springs, galt es für die junge Lemgoerin nun die US-Championships ihrer Altersklasse (unter 19 Jahre), zu bestreiten, bei der sie auf ausgeruhte „U.S.-Girls“ traf, die sich ausschließlich auf diese U19-Wettkämpfe (Staffel und Einzel) konzentriert hatten. Doch für die junge Deutsche aus OWL lief es weiter gut. Im Staffelteam mit der gleichaltrigen Colby Orcutt (Washington D.C.) spielte sie erneut ihre Stärken aus und führte als Schlussläuferin ihr Team zu Sieg und Goldmedaille. Den großen Abschluss der achttägigen U.S.-Championships bildete die U-19- Einzelmeisterschaft gleich am nächsten Tag, bei der es dann bei tropischen Temperaturen nochmals über die vollen Distanzen in allen Disziplinen ging. Nach bereits drei Meisterschaftswettkämpfen stellte die junge Ostwestfälin nochmals ihr Leistungsvermögen und ihre Wettkampfhärte unter Beweis. Erneut war es ihre sehr starke Fechtleistung, die ihr eine gute Ausgansposition verschaffte. Starke „U.S.-Fünfkampf-Girls“ im Nacken, konnte Ahaus dennoch den Vorsprung halten und in der letzten Disziplin, dem sog. „LaserRun“ (Laufen/ Schießen), mit den besten Schieß- und Laufzeiten die „Nervenschlacht“ für sich entscheiden. Mit einem souveränen Vorsprung lief sie ins Ziel und ihrer vierten Goldmedaille entgegen. „Es war so außerordentlich berührend und unglaublich, wie die Zuschauer mich, die Fremde, immer wieder anfeuerten. Ich wurde förmlich getragen von dieser Welle der Zuneigung und Fairness. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Das war Gänsehaut pur!“, so Viktoria Ahaus.