Akutes Geschäftsrisiko durch Fachkräftemangel in Lippe

Mangel gefährdet Wettbewerbsfähigkeit –

Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Lippe beruht vor allem auf ihrem qualifizierten Fachpersonal. Eine ausreichende Verfügbarkeit von Fachkräften auf allen Qualifikationsstufen ist somit für eine dauerhafte wirtschaftliche Entwicklung entscheidend. Schon heute, das zeigen die IHK-Konjunkturumfragen, sieht jedes dritte Unternehmen in Lippe im Fachkräftemangel ein akutes Geschäftsrisiko.
Schon jetzt ist der Mangel an Fachkräften beträchtlich – wie der IHK-Fachkräftemonitor zeigt: Im Jahr 2019 fehlen in Lippe 490 Akademiker, 5.400 ausgebildete Fachkräfte („Gesellen“) sowie 1.900 betrieblich weitergebildete Fachleute (Meister, Techniker, Fachkaufleute, Bachelor Professional oder Master Professional). Zwar wird die Fachkräftenachfrage auch künftig mit dem konjunkturellen Verlauf auf und ab schwanken. Dennoch wird es auch in Schwächephasen – wie bereits in der Vergangenheit – nicht mehr zu Fachkräfteüberschüssen kommen. Erfreulich ist, dass der Ausbau der Hochschulen Früchte getragen hat. Das Akademikerangebot ist von 2010 bis 2019 um fast 16 Prozent gestiegen. Trotzdem reicht ihre Zahl nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.

Das Angebot an beruflich qualifizierten Fachkräften hat 2019 auf einen Schrumpfkurs umgeschwenkt: Zwischen 2019 und 2030 wird es um 20.900 Fachleute beziehungsweise über 23 Prozent weiter abnehmen. Werden nicht alsbald die Weichen für die Erschließung zusätzlicher Fachkräftepotenziale gestellt, wird die demografische Keule unerbittlich zuschlagen: Der Fachkräfteengpass wird in der Spitze bis auf 14.000 Personen (2030) ansteigen. Insbesondere das Angebot an Meistern, Fachwirten, Technikern, Betriebswirten und Fachkaufleuten (nichtakademisch ausgebildete Fachkräfte mit hoher Qualifikation) wird mit bis zu 23 Prozent deutlich hinter der Nachfrage zurückbleiben.
Hinzu kommt, dass die Fachkräfte nicht nur zunehmend knapper, sondern auch immer älter werden. Das Durchschnittsalter wird von heute 45,2 Jahren auf 47,7 Jahre (2030) steigen. Die hiesigen Betriebe stehen daher vor der großen Herausforderung, auch mit alternden Belegschaften innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Politik ist somit gefordert, die Rahmenbedingungen für die Erschließung zusätzlicher Fachkräftepotenziale zu optimieren. Dazu zählt die Verbesserung der Berufs- und Studienorientierung, ein bedarfsgerechtes Angebot hochschulischer Studiengänge, die Erhöhung und Flexibilisierung des Renteneintrittsalters sowie der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuung. Trotz der großen Zahl von Flüchtlingen, von denen die meisten erst noch qualifiziert werden müssen, bleibt ein Wechsel in der Einwanderungspolitik hin zu einer Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte unverzichtbar. Geschieht hingegen nicht genug, so wird der heimischen Wirtschaft nichts anderes übrigbleiben, als einen Teil ihrer Aktivitäten in Länder mit ausreichendem Fachkräfteangebot zu verlagern oder im internationalen Wettbewerb kürzer zu treten. Es drohen dadurch Wertschöpfungsverluste.