Arbeitsmarkt im Kreis Lippe: Arbeitslosigkeit gestiegen

Lippe. Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Kreis Lippe steht im Juli nach wie vor ganz im Zeichen der Pandemie, und in Verbindung mit der saisonüblichen Sommerflaute. Heinz Thiele, Leiter der Detmolder Arbeitsagentur, erläutert: „In den vergangenen Wochen erhielten zahlreiche junge Leute ihre Ausbildungszertifikate und Schüler an Berufsfachschulen ihre Abschlusszeugnisse. Für diese Personengruppe endet damit die Ausbildung und nicht jeder junge Mensch hat im direkten An-schluss gleich eine Arbeitsstelle oder eine schulische Alternative. Für die Übergangszeit melden sich die Berufseinsteiger arbeitslos. Diese Personen erhöhen die Arbeitslosigkeit zusätzlich zu dem durch Corona bedingten Anstieg. Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit der Arbeitsagentur liegt derzeit bei der Ausbildungsstellenvermittlung. Wer noch auf der Suche nach einer Ausbildung ist, aber noch keinen Lehrvertrag in der Tasche hat, sollte Kontakt mit der Berufsberatung aufnehmen. Es können noch immer kurzfristig Ausbildungsstellen vermittelt werden oder es lässt sich eine sinnvolle Alternative erarbeiten,“ so der Agenturchef.

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Lippe im Juli 2020 gestiegen. Insgesamt waren 12.939 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormonates sind dies 320 Personen oder 2,5 Prozent mehr. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 2.057 Personen bzw. 18,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt im Juli 2020 6,9 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 5,9 Prozent (+1,0 Prozentpunkte).

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung – SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 4.728 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat erhöht um 332 Personen bzw. 7,6 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Erhöhung um 1.492 Personen oder 46,1 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung – SGB II

In der Grundsicherung sind zwölf Arbeitslose weniger als im Vormonat und 565 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies minus 0,1 Prozent zum Vormonat bzw. plus 7,4 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 8.211 Personen und damit 63,5 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.

Jugendarbeitslosigkeit

1.586 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Lippe unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 157 weniger und im gleichen Monat des Vorjahres 222 weniger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf plus 11,0 Prozent zum vorherigen Monat bzw. plus 16,3 Prozent im Vorjahresvergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gestiegen (plus 40 Personen oder plus 1,1 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 579 Arbeitslose mehr (17,8 Prozent). Insgesamt sind 3.831 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Lippe betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Lippe im Berichtsmonat gestiegen. 4.829 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 91,0 Prozent (4.392 Personen) zur Grundsicherung. Verglichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 113 Langzeitarbeitslose mehr. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 290 Personen.

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 447 Stellen gemeldet (plus 74 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 2.103 offene Stellen, 65 mehr als im Vormonat und 493 weniger als im Vorjahresmonat.

Ausbildungsmarkt

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober vergangenen Jahres meldeten sich im Bezirk der Agentur für Arbeit Detmold 2.989 Bewerber für Berufsausbildungsstellen, das waren 5,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich gab es 2.027 Meldungen für Berufsausbildungsstellen, das entspricht einem Minus von 4,7 Prozent. Ende Juli waren 687 Bewerber noch unversorgt und 561 Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es mehr unversorgte Bewerber für Berufsausbildungsstellen (plus 4,7 Prozent), die Zahl der unbesetzten Berufsausbildungsstellen war ebenfalls größer (plus 5,6 Prozent). Agenturchef Thiele betont, dass die Detmolder Arbeitsagentur auch für junge Menschen zahlreiche Förderinstrumente zur Verfügung hat. „Wer sich bei unserer Berufsberatung meldet, wird auch eine Perspektive erhalten.“

DER ARBEITSMARKT IN OSTWESTFALEN-LIPPE

Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen in Ostwestfalen-Lippe aufgrund der Corona-Krise weiter gestiegen. So stieg in unserer Region die Zahl der Menschen ohne Arbeit im Vergleich zum Juni 2020 um 2,8 Prozent auf 74.799 Personen. Das sind insgesamt 2.034 Arbeitslose mehr.
Im Juli 2019 waren noch 26,2 Prozent oder 15.518 Menschen weniger ohne Arbeit registriert. Damit gibt es im Jahresvergleich einen sehr deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe.
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat betrifft aufgrund der der-zeitigen Krise alle Personengruppen.
Die Zahl der offenen Stellen, die von den Jobcentern und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden konnten, lag im Juli auf einem deutlich geringeren Niveau. Der Bestand lag mit 16.400 freien Stellen um 4.802 Stellen niedriger als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig sank die Zahl der von den Arbeitgebern in der Region gemeldeten neuen Stellen im Juli im Ver-gleich zum Vorjahresmonat um 866 Stellen.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Agenturbezirk Paderborn (6,0 Prozent), gefolgt von den Bezirken Herford (6,4 Prozent), Bielefeld (6,9 Prozent) und Detmold (6,9 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent.