Bewegung an ehemaliger Reinigung am Wall

Zur Analyse werden vorab technische Geräte eingesetzt.

Sanierung des mit Giftstoffen kontaminierten Areals in Lemgo steht an –

Lemgo. Bürgermeister Reiner Austermann brachte es am Montag in der Ratssitzung gleich auf den Punkt. Er sprach von einer langwierigen Sachlage ohne politischen Hintergrund, aber auch ohne einen noch existierenden Schuldigen. Der Fall ist vor 1973 passiert, also schon sehr alt und liegt mittlerweile in 5 bis 12 Meter Tiefe.

Die Rede ist von der ehemaligen Reinigung am Wall und deren giftigen Belastungen im Erdreich. Die chemische Reinigung hat in ihrer Betriebszeit zwischen 1909 und 2003 leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe in den Untergrund freigesetzt. Neben dem eigentlichen Betriebsstandort ist ein rund 100 Meter langes Teilstück des sogenannten alten Wallkanals betroffen, über den bis in die 1970er Jahre die Entwässerung des Standorts erfolgt ist. Der Wallkanal ist im Bereich des verlandeten alten Wallgrabens verlegt, der Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung der Stadt Lemgo war.

Die Untersuchungen des Untergrunds haben gezeigt, dass sich überwiegende Teile der Bodenverunreinigung in der Zone des sogenannten Hochflutlehms befinden, der sich vermutlich durch die Verlandung des alten Wallgrabens gebildet hat und der bis in eine Tiefe von rund vier Metern unter der Geländeoberkante anzutreffen ist. Weitere Schadstoff-Anteile sind auch in tieferen Bodenschichten zu finden. Untersuchungen des Grundwassers haben gezeigt, dass vom Standort eine Verunreinigung des Grundwassers ausgeht, die sich in südwestliche Richtung erstreckt.

Die Anwohner wurden bereits von künftigen Beeinträchtigungen durch Sperrungen, Umleitungen einschließlich größerer Baumfällarbeiten informiert. Auch ein Teil des Slavertorwalls wird zur Lagerung der notwendigen Geräte benötigt und somit nicht für die Allgemeinheit nutzbar sein.

Die Sanierung wird in drei Zonen eingeteilt und abgearbeitet:

Zone 1: Zunächst kommt der Rückbau von Teilgebäuden bzw. der Abriss der ehemaligen chemischen Reinigung und Austausch des verunreinigten Bodens. Das geschieht durch Großlochbohrungen von immerhin 1,5 Meter Durchmesser und 5 Meter Tiefe. Der verunreinigte Boden wird in luftdichten Containern entsorgt, entstehende riesige Löcher werden mit sauberem Boden aufgefüllt. Die Ausschreibungen für diese Arbeiten erfolgen noch dieses Jahr, die Ausführung der Arbeiten soll ab Anfang 2020 erfolgen.

Zone 2 und 3 wird sich über einen längeren Zeitraum von etwa drei Jahren hinziehen. Die sogenannte in-situ chemische Oxidation wird angewandt. Es wird ein spezielles Mittel in das Grundwasser eingeführt und so werden eventuelle Schadstoffe in ungefährliche Bestandteile wie Kohlendioxid zerlegt. Vorab wird die Wirksamkeit dieser Maßnahme in einem Feldversuch geprüft. Das Verfahren sieht eine Stimulierung des mikrobiellen Schadstoffabbaus vor. So wird im Vorfeld ein Grundwassermodell erstellt, mit dem im Anschluss die ergänzende Grundwasserreinigung geschieht und weiteres Abströmen von chlorierten Lösungsmitteln verhindert werden soll.