Lemgo, 10. Juni 2021. Um 20.33 Uhr war es dann offiziell: Durch einen Start-Ziel-Sieg über den Bergischen HC hat der TBV Lemgo Lippe eindrucksvoll den zehnten Heimsieg eingefahren. Wie jüngst in Nordhorn wirkte der TBV nach dem Pokalerfolg auch auf eigener Platte sichtlich befreit, sah sich beim 31:23 (17:12) früh auf der Siegerstraße – und bleibt auf der Euphorie-Welle. „Uns spielt gerade in die Karten, dass wir alle drei Tage spielen und gar nicht groß darüber nachdenken können, was wir erreicht haben“, konstatierte Florian Kehrmann nach Spielende, nachträglich beeindruckt von der Unterstützung: „Die 500 haben sich angefühlt wie 5000.“

Der TBV bleibt in Feierlaune, auch das Spiel gegen den Bergischen HC konnte gewonnen werden.


Der Ablauf eines denkwürdigen Abends: Während Lemgos Pokalhelden für ihr 33. Meisterschaftsspiel anschwitzten, waren die Augen der 500 TBV-Anhänger zeitweise auf die Anzeigetafeln gerichtet, auf denen ein Zusammenschnitt der sensationellen Pokalszenen mit Kommentar zu sehen war. Erstmals ließ dieser so schmerzlich vermisste 8. Mann lautstark von sich hören, als die Siegerbilder aus Hamburg in der Phoenix Contact-Arena über den Blöcken H und C zu sehen waren. Ein erster Gänsehautmoment ließ nicht lange auf sich warten, als TBV-Kapitän Andrej Kogut mit der Trophäe in den Händen unter Jubel und stehenden Ovationen die Mannschaft aufs Feld führte.


Keine Minute war gespielt, als Bjarki Már Elísson den ersten Strafwurf zu seinem 200. Saisontor und zur 1:0-Führung nutzte – und postwendend nach einem erfolgreichen Gegenstoß abermals jubelnd abdrehen durfte. Nachdem die Gäste aus dem Bergischen Land ausgeglichen hatten, erhöhten die Lipper zusehends die Schlagzahl: Marcel Timm, ein Doppelpack von Andreas Cederholm und Bobby Schagen vollendeten bis zur 7. Minute einen 4:0-Lauf. Unterdessen musste Kogut mit lädiertem Finger vorzeitig runter. Die Löwen, die mit den wendigen Lippern immer wieder Probleme hatten, bissen jedoch zurück. Als sie sich durch das 6:5 wieder in Schlagdistanz sahen, antwortete Cederholm mit seinem dritten Treffer gekonnt per Aufsetzer.


Nach einer Viertelstunde war der Pokalsieger wieder auf vier davon: Die Treffer von Isaias Guardiola und Elísson zwangen BHC-Coach Sebastian Hinze zur ersten Auszeit. Als der TBV ab der 23. Minute in Unterzahl war, parierte Peter Johannesson kurz darauf stark gegen BHC-Flügelflitzer Jeffrey Boomhouwer. Mit seiner bis dato sechsten Parade hatte auch Lemgos schwedischer Keeper gehörigen Anteil daran, dass seine Mitspieler die Führung aufrecht- und wieder auf 13:9 ausbauen konnten. Stark auch, wie Frederik Simak nach schöner Einzelaktion den Ball an Keeper Tomas Mrkva vorbeizwirbelte. Auch die Zeitstrafe gegen Gedeón Guardiola warf die nun wieder zielstrebigeren Lipper nicht aus der Bahn. Der TBV bekam das forcierte Kreisspiel der Solinger besser in den Griff, kam ein ums andere Mal in den Block – und stahl sich kurz vor der Pause durch Elísson mit 16:12 davon. Quasi mit dem Pausengong markierte Dani Baijens mit seinem zweiten Tor die höchste Führung des ersten Durchgangs.

Die Löwen waren unter Zugzwang, gingen auf schnelle Abschlüsse – doch der Gastgeber zeigte sich von Beginn an hellwach und läutete auch den zweiten Durchgang ein.

Erst der Block von Jonathan Carlsbogård, dann der Gegenstoß, das Foul, der Siebenmeter: 18:12 durch Elísson. Dann verzückte der zur Halbzeit eingewechselte Lukas Zerbe die TBV-Anhänger gleich dreifach, als er zunächst ein sehenswertes Anspiel von Carlsbogård, dann im Zusammenspiel mit Baijens und zu guter Letzt per Gegenstoß zum 23:15 jeweils abgezockt einnetzte. Und als dann Lemgos schwedischer Spielmacher mit der Nummer 9 erstmals selbst traf, bedeutete dies die erstmals höchste Führung des Abends – 24:15. Zugegeben, Spannung kam nun zwar nicht mehr auf. Doch weil der TBV einfach nicht lockerließ, hielt er das Unterhaltungslevel für das ohnehin schon enthusiastische Publikum hoch. Als der gerade erst unter großem Beifall eingewechselte Finn Zecher gleich mal dem heranstürmenden Boomhouwer das Tor verwehrte, wurde die Phoenix Contact-Arena kurzerhand zum Tollhaus. Dies ereignete sich in der 52. Minute – und die Lipper lagen nach wie vor höchst komfortabel mit 29:20 vorn.


Der TBV hielt den BHC bis zum Schluss eindrucksvoll auf Abstand. Noch waren zwei Minuten zu spielen, als sich die Zuschauer erhoben und eifrig den zehnten Heimsieg beklatschten. Als dieser dann auch offiziell zu Buche stand, demonstrierten die Pokalhelden auch nach Spielende ihre Klasse, als sie lauthals „Pokalsieger“-Gesänge anstimmten. Was zur Krönung eines wahrhaftigen Bilderbuchabends nicht fehlen durfte: die Humba, angeführt von Alexander Reimann.


TBV-Trainer Florian Kehrmann zum Spiel: „Als Trainer hat man nach einem Pokalsieg etwas Bauchschmerzen. Man versucht, fokussiert zu bleiben und wartet immer darauf, dass es irgendwann umschlägt. Gerade in der ersten Halbzeit hatten wir, wenn es wichtig wurde, diese Ballgewinne, um das Spiel in unsere Richtung zu lenken. Das Allerschönste ist, dass Spieler aus dem zweiten Glied reinkommen und auch ihre Aufgabe erfüllen. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir das schlechteste Überzahlspiel der ganzen Saison hatten, wird das normalerweise bestraft. Es läuft momentan einfach. Jetzt kommt die schwerste Aufgabe: Wir fahren als Favorit nach Coburg. Wir wollen jeden Punkt noch haben, dafür tun wir alles.“


TBV Lemgo Lippe: Johannesson (11 Paraden), Zecher (1 Parade); Elísson (7/3), I. Guardiola (3), Simak (5), Carlsbogård (1), Schagen (2), Timm (3), Hangstein, Zerbe (5), G. Guardiola, Cederholm (3), Geis, Reimann, Baijens (2)