Regisseur Oliver Reese erzählt die Geschichte des ewigen Trommlers ganz aus der Perspektive der Hauptfigur.

Mittwoch, 26. September, 19.30 Uhr, Theater Gütersloh –

Noch kaum geboren, erkennt Oskar Matzerath die Welt als universales Desaster – und lehnt sie ab. Einzig die von seiner Mutter versprochene Blechtrommel eröffnet ihm eine akzeptable Überlebensperspektive: die Existenzform als Trommler, ein groteskes Künstlerdasein. So beschließt Oskar an seinem dritten Geburtstag, nicht mehr zu wachsen, sondern zu beobachten und zu trommeln. Aus der Froschperspektive schildert er das Aufziehen des faschistischen Denkens und Handelns, berichtet von Ehebruch und Pogromnacht, verknüpft Privatgeschichte mit Zeitgeschichte. Er ist Zeuge, zugleich Außenseiter wie Beteiligter einer Welt, in welcher ein Zivilisationsbruch wie der Holocaust möglich ist.
Nicht schuldig, aber verantwortlich für das Grauen, das in deutschem Namen begangen wurde, hat Günter Grass sich zeitlebens gefühlt. „Die Blechtrommel“ ist auch ein Versuch, die Mechanismen der eigenen Verführung durchsichtig zu machen. Der Text gilt bis heute als Meilenstein der deutschen Nachkriegsliteratur.