Ein Herz für alte Obstsorten

Iris Klein und Ulf Wüstenbecker vor einem kürzlich angepflanzten Obstbaum.

Im Kalletal entsteht eine neue Streuobstwiese –

Kalletal. Auf einem elterlichen Grundstück im Südholz zwischen Kalletal Hohenhausen und Talle entsteht eine Streuobstwiese. Im letzten Jahr wurden Iris Klein und Ulf Wüstenbecker schon mehr als 60 alte Obstsorten angepflanzt. Die beiden haben sich für alte Obstsorten entschieden, die meist sehr robust sind und zudem nach Untersuchungen der Hochschulen Geisenheim und Lemgo einen 3 bis 4 Mal so hohen Anteil an gesundheitsfördernden Polyphenolen aufweisen im Vergleich zu Supermarktsorten wie Elstar, Gala oder Pink Lady und damit auch für Apfelallergiker verträglich sind. In diesem Jahr kommen nun weitere Raritäten dazu. Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo hat von einem Obstfreund aus Bayern Edelreiser der seltenen Sorten Gascoynes Scharlachroter, Gallowaypepping, Deutscher Goldpepping und Purpurroter Wintercousinot besorgt. Die Veredlungen auf Hochstamm wurden von der Baumschule Eikermann vorgenommen. Der Purpurrote Wintercousinot galt lange Zeit als verschollen. Nun sind Iris Klein und Ulf Wüstenbecker gespannt, ob es sich um die echte Sorte handelt, deren Äpfel laut alter Literatur im Unterschied zu einem vielfach angebotenen Herbstcousinot auf dem Naturlager bis zum Juni des Folgejahres halten sollen. Weitere jetzt gepflanzte Sorten haben herrliche Namen wie Doppelter Prinzenapfel, Weigelts Zinszahler, Bödikers Goldrenette und Sertürners Renette. Der Mutterbaum der Sertürners Renette stand ehemals im Garten des berühmten Apothekers Friedrich Sertürner in Hameln, dem Entdecker des Morphins. Weitere Raritäten sollen in den nächsten Jahren folgen um so auch zum Erhalt alter Sorten beizutragen.
Das Ziel des Projekts ist es neben dem Erhalt alter Sorten Obst und Apfelsaft in BIO-Qualität zu erzeugen. Auf den Einsatz von Chemie wird verzichtet. Im Rahmen eines ökologischen Konzeptes nach dem Vorbild der Streuobstwiese des BUND Lemgo werden Nützlinge gefördert um Schädlinge in Grenzen zu halten. Dazu wurden im März 2017 bereits 10 der vom BUND Lemgo konzipierten Großraumnistkästen für Vögel an den Pflanzpfählen angebracht. Es dauerte nur eine Woche bis die ersten schon angenommen wurden. Blau- und Kohlmeisen sowie Feldsperlingen haben 8 Nistkästen besiedelt. Eine Ansitzstange für Greifvögel und 2 Steinkauzröhren gehören ebenso dazu. Greifvögel und Steinkäuze sind wertvolle Helfer bei der Bekämpfung von Wühl- und Feldmäusen. Als Unterschlupf für Igel und Mauswiesel gibt es Holzstapel. Letztendlich ist eine Streuobstwiese auch ein Projekt zum Erhalt eines Lebensraumes mit vielen Tier- und Pflanzenarten. Daher hat Ulf Wüstenbecker auch eine eigene Internetseite aufgebaut auf der es Informationen zu allen Sorten, den gesammelten Erfahrungen und zur Entwicklung gibt. Sie lautet https://www.streuobstwiese-kalletal.de/