Heute werden noch weitere Sturmböen erwartet

Leere Bahnsteige, abgesagte Flüge, genervte Eltern: «Sabine» hat das öffentliche Leben in NRW am Montag kräftig durcheinandergebracht. Das Orkantief ist zwar überstanden, doch auch am Dienstag bleibt es stürmisch.

Orkantief «Sabine» hat Nordrhein-Westfalen weniger heftig getroffen als befürchtet. Dennoch mussten Rettungskräfte von Sonntag auf Montag zu als 7100 Einsätzen ausrücken – 13 Menschen wurden verletzt. Fast 22 000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen seien auf den Beinen gewesen, teilte das NRW-Innenministerium am Montag mit. Hinzu kamen noch fast 3000 Einsätze der Polizei.

Ein wechselhaftes Schauerwetter und Sturmböen bis Windstärke neun können das Bundesland auch heute noch durcheinanderwirbeln, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Essen. «Der Wind wird punktuell wieder auffrischen», sagte ein Sprecher, auch wenn er insgesamt zurückgehe.

Ein 17-Jähriger wurde in Paderborn von einem herabfallenden Ast am Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt. Sechs weitere Menschen wurden schwer, sechs leicht verletzt. Unter den Verletzten vier Rettungskräfte.

Im Kreis Lippe musste ein Zug mit 150 Passagieren evakuiert werden, der von einem umstürzenden Baum getroffen worden war. Autos und Häuser wurden beschädigt. In einigen Gemeinden kam es zu Stromausfällen.

Die Einsatzkräfte im Kreis Lippe absolvierten rund 160 Sturm-Einsätze. Insgesamt rückten etwa 400 Einsatzkräfte aus. Im Kreis Unna wurden weit über 200 Einsätze abgespult mit mehr als 600 Helfern von Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk abgearbeitet.

In Spenge im Kreis Herford wirbelte eine Sturmböe einen leeren Swimmingpool in die Luft. Teile des Pools schlugen in ein Haus ein und zerstörten Fensterscheiben. Im Kreis Höxter konnten Anwohner ein außer Kontrolle geratenes Trampolin einfangen und sichern.

Am Montagvormittag kam der Bahnverkehr nach der Orkannacht wieder in Gang und auch die Autobahnen waren wieder weitgehend frei. «Sabine war wohl doch nur ein Sabinchen», schrieb die Stadt Solingen in ihrer Bilanz.

Der Landesbetrieb Wald und Holz warnte Spaziergänger und Freizeitsportler davor, die Wälder in NRW zu betreten. «Die bis Dienstag erwarteten Windgeschwindigkeiten reichen weiterhin aus, in den angeschlagenen Wäldern Bäume zu entwurzeln und schwere Äste herabstürzen zu lassen», hieß es.

Vor logistischen Problemen standen am Montagmorgen Eltern von Schul- und Kindergartenkindern. Etliche Städte hatten den Unterricht an ihren Schulen ausfallen lassen. Auch viele Kindertagesstätten blieben ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

Die höchste Windgeschwindigkeit in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht auf Montag auf dem Kahlen Asten (842 Meter) gemessen. Einer Grafik auf Kachelmannwetter.de zufolge war dort eine Orkanböe 137 Stundenkilometer schnell. Dies entspricht Windstärke 12. Orkanartige Böen wurden demnach unter anderem in Wuppertal (111 km/h), Aachen und Werl (beide 106 km/h) registriert. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge soll der Wind am Mittwoch weiter nachlassen.