Legal, Illegal, Scheißegal?!

Packungsweise Damenbinden liegen in Lieme an der Straße Trifte zwischen Dorf und Industriegebiet. Stellt sich die Frage: packt sich da jemand die Tücher zehnfach in die Hose um sich der Binden in netter Gesellschaft gleich aus dem Auto zu entledigen oder nimmt die Person die Dinger geplant von zu Hause zwecks Entsorgung mit? Beides geht gar nicht.

Ist Ihr Müll auch dabei? –

Lippe/Lemgo. Ein Kühlschrank steht neben dem Glascontainer, Tüten von Fastfoodketten zieren den Straßenrand oder die Tankstelle über Nacht, der Einweggrill kokelt im Park vor sich hin und leere Flaschen treiben im Bach oder liegen massenweise auf Verkehrsinseln. Bilder, die nach Großstadt klingen – dabei findet man sie im sonst so ordentlichen Lippe. Deutschland gibt sich umweltfreundlich und innovativ beim Thema Müllentsorgung und Umweltschutz. Doch scheint das richtige Entsorgen von Abfällen etliche Zeitgenossen immer wieder an ihre geistigen Grenzen zu treiben. Kann man beim Thema der Mülltrennung in manchen Fällen noch die Unwissenheit vorschieben, hat sich diese Ausrede aber spätestens dann erschöpft, wenn Müll einfach an öffentlichen Plätzen landet.
Jeder weiß, dass Müll nicht auf die Straße gehört. Wer seinen Schrott trotzdem einfach in die Gegend wirft, ist nicht unwissend, doof oder nur bequem, sondern ein Egoist, dem weder seine Region noch die Umwelt oder die Belange anderer Menschen am Herzen liegen. Dieses Problem findet sich bundesweit und auch in Lippe. Sperrige Geräte und Möbel werden gerne in Wäldern und auf Parkplätzen abgelagert, Müll aus dem Auto einfach an der Ampel auf die Straße geworfen. Das sind keine Unachtsamkeiten wie sie beim Trennen von Müll hin und wieder vorkommen. Hier wird mit Vorsatz gehandelt und der Schaden an Umwelt und öffentlicher Kasse einfach in Kauf genommen.

Auch bei uns gibt es immer wieder Hotspots der Vermüllung. Zum Beispiel wurde das Gelände rund um den alten REWE am Steinweg immer wieder als Abladeplatz für Müll missbraucht. Auch machen immer wieder Facebooknutzer auf die teilweise chaotischen Zustände aufmerksam. So wurden zuletzt auf dem Wiembecker Berg ausgedientes Kinderspielzeug, ein Rasenmäher und Säcke mit Hausmüll vorgefunden. Die Grillhütte in Brake wurde in diesem Frühjahr auch bereits mindestens einmal von Vandalen heimgesucht und voller Müll zurückgelassen. Die Ränder der größeren Straßen gleichen zu jeder Jahreszeit einer Müllhalde. Besonders an Ampeln und Kreuzungen scheint es ein beliebtes Spiel zu sein, den Unrat aus dem eigenen Auto zu entfernen und möglichst viel davon an den Straßenrändern zu verteilen. Die Folgen der idiotischen Entsorgung sind nicht zu übersehen.

Diesen Zustand der Schützenhütte in Brake teile eine aufgebrachte Anwohnerin au facebook.

Werden beispielsweise Plastikverpackungen am Straßenrand entsorgt, werden diese oft bei Mäharbeiten geschreddert und Teile davon können sich als Mikroplastik in unserem Ökosystem wiederfinden. Im Wald abgelegter Grünschnitt kann Pflanzenarten in den Wald bringen, die dort nicht hingehören und Schaden anrichten. Aus Elektrogeräten können giftige Bestandteile austreten und in das Grundwasser gelangen. Auch Computer und Mobiltelefone enthalten giftige Stoffe, die den Boden verseuchen können. Weggeworfene Essensreste ziehen Tiere an, die davon fressen. Ratten fühlen sich in der Nähe von wilden Müllkippen heimisch. Dass vermüllte Plätze schlecht aussehen und die Lebensqualität in den Bereichen einschränken, versteht sich eigentlich von selber. Herr der Lage zu werden ist schwierig, schließlich fallen die Übeltaten oft nicht sofort auf, da häufig schlecht einzusehende Stellen gewählt werden. Interessant ist hierbei auch, dass die Vermüllung von Plätzen oft einem bestimmten Prinzip folgt: fängt erst einmal jemand an, an einer bestimmten Stelle Müll abzuladen, fühlen sich schnell andere dazu animiert genau an derselben Stelle noch mehr Müll zu hinterlassen. Als würde hier eine Art der Legitimation durch die anderen erfolgen. Dies lässt sich auch beobachten, wenn Sperrmüll zu früh an die Straße gestellt wird. Auch hier fühlen sich dann oft andere animiert noch etwas dazu zu stellen. In manchen Fällen bleibt dann alles an dem Sperrmüllbesteller hängen oder es bleiben die Dinge zurück, die nicht angemeldet wurden.

Um gegen die sichtbaren Auswirkungen der Vermüllung vorzugehen, gibt es in Lippe seit einigen Jahren den Frühjahrsputz. Jedes Jahr im Frühling schließen sich Sportvereine, Schulklassen, Gruppen und Organisationen zusammen, um den ganzen Müll von Idioten wieder einzusammeln. Eine sehr lobenswerte Aktion, die dabei hilft, Stadt und Land in einem schönen Zustand zu bewahren, Umweltgefahren zu verringern und die Kosten für die Beseitigung illegal abgelegter Abfälle zu drosseln. Letztlich zeigt sich auch hier, dass es immer wieder die engagierten Menschen sind, die dabei helfen die Folgen der Ignoranz einiger weniger möglichst gering zu halten. Kinder lernen hier bereits von klein auf wie man mit Müll richtig umgeht.

Übrigens ist die Anmeldung von Sperrmüll für die ersten zwei Kubikmeter kostenlos, Termine werden normalerweise innerhalb von zwei bis vier Wochen vergeben. Wem das nicht schnell genug geht, kann seinen Sperrmüll auch selber zu den entsprechenden Stellen bringen. Das ist ebenfalls kostenlos und die Gegenstände müssen nur nach Detmold zur AGA GmbH gefahren werden. Im Schutz der Nacht in den Wald zu fahren ist nicht weniger aufwendig. Die illegale Entsorgung kann des Weiteren als Ordnungswidrigkeit, in schweren Fällen auch als Straftat geahndet werden. Hier werden dann schnell Bußgeldsummen im drei- bis vierstelligen Bereich fällig – zu Recht!