Lemgo: Belasteter Boden an der ehemaligen chemischen Reinigung wird ausgetauscht

Am 18.01.2021 beginnt mit dem Austausch des belasteten Bodens am Standort der ehemaligen chemischen Reinigung an der Neuen Torstraße/Alter Wallkanal in Lemgo eine entscheidende Phase der Sanierung.

Lemgo. Die Sanierung des Standortes der ehemaligen chemischen Reinigung an der Neuen Torstraße/Alter Wallkanal in Lemgo geht voran: Am 18.01.2021 beginnt mit dem Austausch des belasteten Bodens eine entscheidende Phase der Bodensanierung. Durchgeführt werden die Arbeiten im Auftrag des AAV – Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (Maßnahmenträger) in enger Abstimmung mit dem Kreis Lippe sowie Straßen und Entwässerung Lemgo.
Innerhalb von rund 8 Wochen werden auf dem Areal etwa 190 Bohrungen mit einem Durchmesser von 1,5 Metern durchgeführt. Die Tiefe der Bohrungen liegt zwischen 4 und 7 Metern, wobei rund 4.000 Tonnen belasteter Boden ausgebohrt und die so entstandenen Bohrlöcher direkt wieder mit unbelastetem Material verfüllt werden. Zur Emissionsminderung wird die Bodenluft beim Bohrvorgang abgesaugt und über Aktivkohle gereinigt. Die Arbeiten werden laufend gutachterlich begleitet. Für den bei den Bauarbeiten und dem damit verbundenen LKW-Verkehr nicht zu vermeidenden Baulärm bitten wir um Verständnis bei den Anliegern.
Um zu verhindern, dass sich durch die Bodensanierungsarbeiten gelöste Schadstoffe im Grundwasser weiter ausbreiten, wurden zwei Brunnen errichtet, über die eine Wasserhaltung erfolgt. Das bei den Arbeiten anfallende verunreinigte Wasser wird vor Ort gereinigt und anschließend sauber in die Kanalisation abgeleitet.

Was bisher geschah

Am 26.10.2020 starteten die Arbeiten zur Sanierung des Bodens an der ehemaligen chemischen Reinigung in der Neuen Torstraße. Zunächst erfolgte der Abriss von 2 Teilgebäuden. Dafür ist der Slavertor-Wall in diesem Bereich für die Zeit der Baustelle bis Frühjahr 2021 gesperrt. Für Fußgänger und Radfahrer sind für die Zeit der Sperrung Umleitungen eingerichtet und ausgeschildert.

Was passiert danach?

Nach Abschluss der Bohrarbeiten im Frühjahr 2021 wird die Geländeoberfläche wiederhergestellt. Anschließend werden am Slavertor-Wall neue Bäume gepflanzt. Der Wall wird dann wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Arbeits- und Anwohnerschutz

Bei den angrenzenden Gebäuden erfolgte eine Beweissicherung und während der Bauarbeiten werden Erschütterungsmessungen durchgeführt. Besonders wichtig ist der Schutz von Arbeitern und Anwohnern: deshalb wird die Konzentration der Schadstoffe in der Luft laufend überwacht und kontrolliert. Die in nächster Nachbarschaft der Baustelle wohnenden Haushalte sind mit einem Informationsschreiben über die Maßnahmen informiert worden.
Zur Beantwortung von Fragestellungen aller Art im Zusammenhang mit der Baustelle wurde ein „Baubüro“ eingerichtet, in dem unter Beachtung der bestehenden Hygienevorschriften als Ansprechperson Petra Günther vom Ingenieurbüro IFUA-Projekt-GmbH zur Verfügung steht. Die Öffnungszeiten des Baubüros sind in der Regel:

Dienstag von 10:00 – 13:00 Uhr und

Mittwoch von 15:30 – 18:30 Uhr

Hintergrund

Am Standort in der Neuen Torstraße wurde von 1909 bis 2003 eine Wäscherei und Reinigung betrieben. An dem eigentlichen Betriebsstandort sowie über ein rund 100 Meter langes Teilstück des sogenannten Alten Wallkanals, über den bis in die 1970er Jahre die Entwässerung des Standorts erfolgte, wurden leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe in den Untergrund freigesetzt. Der Wallkanal ist im Bereich des verlandeten alten Wallgrabens verlegt, der Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung der Stadt Lemgo war. Die Untersuchungen des Untergrunds haben gezeigt, dass sich überwiegende Teile der Bodenverunreinigung in der Zone des sogenannten Hochflutlehms befinden, der sich vermutlich durch die Verlandung des alten Wallgrabens gebildet hat und der bis in eine Tiefe von rund 4 Metern unter der Geländeoberkante anzutreffen ist. Weitere Schadstoff-Anteile sind auch in tieferen Bodenschichten zu finden. Untersuchungen des Grundwassers haben gezeigt, dass vom Standort eine Verunreinigung des Grundwassers ausgeht, die sich in südwestliche Richtung erstreckt.