Grüne fordern neue Diskussion um Lieme

Ausschnitt aus dem Plangebiet inkl. der gefährdeten Waldfläche.

Lemgoer Grüne lehnen Erweiterung des Industriegebietes Lieme ab –

Lemgo. Der Stadtentwicklungsausschuss hat gegen die Stimmen der Grünen die Erweiterung des Industriegebietes Lieme um knapp 9 Hektar beschlossen. 4,5 Hektar sollen effektiv bebaut werden. Der Vertagungsantrag der Grünen wurde abgelehnt.

In einer Pressemitteilung erklärt nun Fraktionsvorsitzender Dr. Burkhard Pohl:

„Artenschutz, Landwirtschaft und Anwohnerinteressen kommen zu kurz: Ohne weitere Diskussion haben Rat und Verwaltung die Erweiterung des Industriegebietes in die Hengstheide beschlossen. Damit wird ein Waldbiotop abgeholzt und fruchtbares Ackerland überbaut. Der Sicht- und Lärmschutz für die Anwohner der Hengstheide verschwindet im Tausch für wenige Hektar Gewerbegebiet. Außerdem wird der Boden für weiteren Zubau in Richtung Bad Salzuflen bereitet. Aus all diesen Gründen ist solch ein Beschluss nicht mehr zeitgemäß. Die Grüne Fraktion fordert eine Neudiskussion der Planung. Wir wissen immer mehr über das Artensterben und den Flächenschwund in der Landwirtschaft. Boden für Ackerbau und Natur ist nicht unendlich vorhanden – deshalb müssen wir ihn auch in Lemgo schützen. Der Waldstreifen an der Hengstheide wurde vor Jahren als Ausgleichsfläche und zum Anwohnerschutz geschaffen. Das wollen wir Grünen respektieren.Betroffen ist auch ein Habitat der Feldlerche. Die Feldlerche ist im Artenschutzkonzept des Kreises Lippe die Zielart Nr. 1. Ihr Erhalt soll Grundlage der Umweltpolitik sein. Der Lemgoer Beschluss schadet diesem lippeweiten Naturschutzziel. Auch die Hoffnung auf Arbeitsplätze für die Menschen in Lemgo ist überzogen. Die Stadt Lemgo kann nur 4,5 Hektar nutzen, ohne die Straßen bleiben 3,2 Hektar für die Unternehmen. Statt der gewünschten Industrieansiedlungen soll nun vor allem Gewerbe entstehen; dabei hat Lemgo weiterhin Gewerbeflächen an anderer Stelle. Wir Grünen fordern klare Informationen über vorhandene freie Gewerbeflächen und tatsächliche Bedarfe. Wir fordern die anderen Ratsparteien auf, die Kritik der Anwohnerinitiative und der Umweltverbände ernst zu nehmen. Wir Grünen fordern außerdem Rat und Verwaltung auf, die Pläne für ein weiteres interkommunales Gewerbegebiet aufzugeben. Jeder weitere Ausbau in Richtung Bad Salzuflen wäre verantwortungslos. Stattdessen braucht Lemgo eine aktive Grünflächenplanung. Natur und Umwelt haben einen eigenen volkswirtschaftlichen Wert“.