Feuer-Spektakel in Lügde zieht jährlich Tausende an –

Schon seit Jahrhunderten rollen in der Osternacht große, mit brennendem Stroh gestopfte Eichen-Holzräder vom Lügder Osterberg ins Tal der Emmer.

Lügde. Lügde ist ein beschauliches Fachwerk-Städtchen im Kreis Ostwestfalen-Lippe. Sagen und Mythen spielen in dem Ort an der Deutschen Märchenstraße eine große Rolle. Viele der Geschichten ranken sich um einen spektakulären Brauch: Seit Jahrhunderten rollen in der Osternacht 1,70 Meter große, mit brennendem Stroh gestopfte Eichen-Holzräder vom Lügder Osterberg ins Tal der Emmer. Ausgerichtet wird das Brauchtum von lokalen Brauchtumswärtern, den „Dechen“. Das ganze Jahr über engagieren sie sich für den Erhalt des altehrwürdigen Brauchs. Am Ostersonntag, den 21. April 2019, werden wieder Tausende dabei sein, wenn das archaisch anmutende Schauspiel die „Stadt der Osterräder“ in das Licht der brennenden Räder taucht.
Dieses sicherlich alte Brauchtum gehört seit 2014 zum Inventar des Immateriellen Kulturerbes von Nordrhein-Westfalen und nun ist seit Ende 2018 der „Osterräderlauf in Lügde“ auch in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Traditionelle Bräuche rund um den Osterräderlauf

Die Vorbereitungen für den Räderlauf beschäftigen die Dechen das ganze Jahr: Im Herbst bringen sie die Saat für das langstielige Roggenstroh aus, mit dem sie die Räder stopfen. Die Ernte und das Dreschen besorgen sie mit alten Landmaschinen, die sie liebevoll pflegen. Vor dem Lauf wässern sie die gewaltigen Räder eine Woche lang in der Emmer: Von ihrer brennenden Fracht dürfen sie nicht beschädigt werden. Die Dechen kümmern sich um die Zäune und Hecken am Rande der Laufstrecke und schützen so Tausende von Besuchern vor der Gewalt der rasenden Feuerbälle.

Ablauf am Ostersamstag und Ostersonntag 2019

Die Lügder Altstadt ist beim Osterräderlauf stimmungsvoll beleuchtet.

Am Karsamstag, 20. April 2019, um 14 Uhr startet das Unterhaltungsprogramm mit Fahrgeschäften und Bewirtung im Emmerauenpark. Zwischen 16 und 18 Uhr spielt der Fanfarenzug aus Brake auf. Er ist auch dabei, wenn die Dechen die mächtigen Räder gegen 17 Uhr aus der Emmer holen und zum Marktplatz fahren.
Höhepunkt ist der Ostersonntag, der 2019 auf den 21. April fällt. Zwischen 13 und 14 Uhr spielt das Blasorchester der Stadt Lügde am Marktplatz auf. Ziel, des sich anschließenden Umzugs des Dechenvereins durch die geschmückte Fachwerk-Altstadt mit Räder-und Strohwagen, ist der Osterberg. Der Eintritt in den Emmerauenpark und der Zugang zur Laufstrecke der Räder kostet sechs Euro. Für Kinder unter zehn Jahren ist der Eintritt frei.
Kostenfreie Parkplätze in großer Zahl gibt es in Laufnähe zum Veranstaltungsort, siehe hier auch die Hinweise auf unserer Webseite.
Gegen 15 Uhr beginnt auf dem Osterberg das traditionelle Stopfen der Räder mit Roggenstroh. Das erfordert viel Kunstfertigkeit und dauert etwa vier Stunden. Gegen 20 Uhr entzünden die Dechen am Berg ein großes Osterfeuer.
Ab 21 Uhr werden die Räder nacheinander in Brand gesetzt und anschließend einzeln von erfahrenen Dechen ins Rollen gebracht. Das angestrahlte Kreuz erlischt. Feierlich setzt das Glockengeläut der Stadtkirche ein. Erst langsam, dann immer schneller rollt das Rad dem ersten Abhang zu, stürzt diesen hinab, gewinnt an Fahrt und Schwung, überspringt Wege, durchbricht Hecken und Zäune und zieht unbeirrbar und kraftvoll seine feurige Bahn ins Tal. Wo das Rad vom Tusch der Musikkapelle und dem Jubel der Besucher begrüßt wird.
In kurzen Abständen folgen noch weitere fünf Räder. Immer wieder dasselbe faszinierende Schauspiel. Laufen die Räder gut ins Tal, so wird es dem Volksglauben folgend, ein gutes Erntejahr geben.
Gegen 21:45 beschließt ein Hochfeuerwerk den Osterräderlauf.
Allmählich breitet sich die Dunkelheit im Tal aus. Noch lange ist der verglühende Strohfächer der sechs Feuerspuren der Räder in der Dunkelheit der Nacht am Osterberghang weithin sichtbar.