Spontaner Hilfstransport in die Ukraine

Unter anderen wurden FFP2-Masken, Hygienehandschuhe, Verbandsmaterialien, Rollstühle und Rollatoren für den Hilftransport organisiert.

Es war der 22. März, als Verwaltungspraktikantin Mareike Rezgaoui-Salomon auf die Mitarbeiter in der Verwaltung zuging und fragte, ob das Stift zu Wüsten sich mit ein paar Spenden an einem Hilfstransport in die Ukraine beteiligen möchte – und das ziemlich spontan, denn am 24. März sollte der Transport bereits starten.
Am 20. März erhielt der Vater von Mareike Rezgaoui-Salomon, Prof. Dr. Fred Salomon, eine E-Mail aus der Ukraine. „Heute ist Tag 25 des Krieges. Unsere Nachbarn und Freunde zogen in den Krieg. Unsere Bekannten im Norden, Osten und Süden sprechen über schreckliche Dinge. Wir haben hier in Dumanzy einen Wachposten errichtet, um unser Dorf zu schützen. Noch ist es recht ruhig, auch wenn oft die Sirenen ertönen. Von Zeit zu Zeit heben Abwehrraketen ab. Auch Militärflugzeuge und Helikopter fliegen.“ schreibt Igor, ein Pfarrer aus der ukrainischen Partnergemeinde von St. Nicolai in Lemgo.
Die Kirchengemeinde St. Nicolai Lemgo, in der Prof. Dr. Salomon Prädikant und Kirchenvorstandsmitglied ist, unterstützt seit 2004 ein Kinderheimprojekt im ukrainischen Dorf Dumanzy im Kreis-Tscherkasy, 200 Kilometer südlich von Kiew. Über 20 Waisenkinder und ihre Pflegeeltern leben dort ähnlich einem SOS-Kinderdorf. 2011 wurde das 4.000 qm umfassende Areal um eine Tischlerei und eine Schneiderei erweitert. Nun herrscht dort Krieg. Es werden verwundete Soldaten versorgt und Flüchtlinge aus den Kampgebieten werden im Dorf aufgenommen. Es fehlt an allem.
Die E-Mail ließ alle im Stift betroffen zurück, doch wenigstens wollte man kleines bisschen tun. Qualitätsbeauftragte Petra Hilgenböker und Hauswirtschaftsleitung Claudia Ferro begaben sich noch am gleichen Tag in die Keller- und Lagerräume, um alles was das Stift entbehren kann mit in die Ukraine zu geben. Neben Geschirr, Töpfen, Pfannen, Kleidung, Heizlüftern, Thermoboxen, Servier-Tabletts, Kugelschreiern und Blöcken werden auch zahlreiche FFP2-Masken, Hygienehandschuhe, Matratzen, Spritzen, Verbandsmaterialien, Vorlagen, Rollstühle und Rollatoren hervorgeholt.
Am Ende ist der Transporter, der von der Technischen Hochschule OWL kostenlos zur Verfügung gestellt wurde und mit Prof. Dr. Salomon und seiner Familie angereist ist, gut gefüllt. Man schaut trotz der schrecklichen Hintergründe für diesen Transport in lächelnde Gesichter.