Stammbuch Engelbert Kaempfers erschienen

Stammbuch mit persischem Eintrag.

Kritische Edition und Kommentar –

Internationale Zusammenarbeit von mehr als 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern war nötig, um das anspruchsvolle Projekt zu stemmen: Soeben ist die kritische Edition des Stammbuchs von Engelbert Kaempfer erschienen.
Engelbert Kaempfer, geboren 1651 in Lemgo (Lippe), gestorben 1716 auf dem Steinhof in Lieme (bei Lemgo) war Arzt, Naturwissenschaftler und Gelehrter. Berühmt ist er noch heute für seine Forschungsreise nach Persien, Südostasien und Japan. Von dieser Reise brachte er viele Aufzeichnungen und Materialien mit. Doch zu seinen Lebzeiten gelang ihm nur ein einziges Buch, die Amoenitates exoticae, „Exotische Köstlichkeiten“, die 1712 erschienen. Der größte Teil seiner Forschungen und Erkenntnisse wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Sein epochemachendes Werk Heutiges Japan erschien 1727 auf englisch und zwei Jahre später auf französisch und niederländisch; erst 1777 auch auf deutsch. Es bestimmte das europäische Japanbild über mehr als ein Jahrhundert. Als Botaniker war Kaempfer so bekannt, dass der große Taxonom Carl von Linné eine ganze Gattung der Ingwergewächse nach ihm benannte.
Engelbert Kaempfer ist damit ohne Zweifel der wirkmächtigste Gelehrte, den die kleine Grafschaft Lippe hervorgebracht hat. Sein schriftlicher Nachlass wurde von den Erben verkauft und ist jetzt Teil der Sammlungen der British Libary in London – mit einer Ausnahme: sein Stammbuch. In dieses Erinnerungsbuch ließ Kaempfer sich Personen eintragen, denen er während seiner Studienzeit und auf seinen Reisen begegnete. Es befindet sich seit 1867 als Geschenk seiner Nachfahren in der Lippischen Landesbibliothek in Detmold.
Dieses Stammbuch ist ein kulturhistorisch einzigartiges Dokument: es enthält Einträge von 130 Personen, denen Kaempfer zwischen 1674 und 1694, zwischen Danzig und Nagasaki begegnete, in 26 verschiedenen Sprachen und Schriften, aus mindestens sechs verschiedenen Kalendersystemen.
Das neue Buch zeigt alle Einträge im Bild. Alle Texte werden entziffert und übersetzt. Dazu wurden Informationen zu den Einträgern und den Entstehungsumständen des jeweiligen Eintrags zusammengetragen. Die
vielfältigen Einträge zu entschlüsseln, erforderte die internationale Zusammenarbeit von mehr als 30 Beiträgern.
Das umfangreiche Buch ist nun im Verlag Olms/Weidmann als zweiter Band der Reihe Kaempferiana erschienen. Die Lippische Landesbibliothek freut sich bereits jetzt anzukündigen, dass sie das Werk in zwei Jahren in ihrem Portal „Digitale Sammlungen“ im Open Access frei online zugänglich machen wird.