Weitere Vorwürfe im Missbrauchsfall Lügde

Erste Zeugenaussagen im Untersuchungsausschuss zum Kindesmissbrauch in Lügde haben weitreichende Defizite im Umgang mit dem Fall offenbart. Die Vorwürfe gegen lokale Behörden reißen nicht ab. Nun sind weitere Zeugen geladen.

Missbrauchsfall Lügde
Auf einem Campingplatz in Lügde steht der eingezäunte Campingwagen des mutmaßlichen Täters. Foto: Guido Kirchner/dpa/Archivbild

Düsseldorf (dpa/lnw)

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum langjährigen Kindesmissbrauch in Lügde setzt heute die Zeugenvernehmung fort. Geladen sind drei Zeugen, die mit der Betreuung eines Pflegekindes im Rahmen der sozialpädagogischen Familienhilfe von Oktober 2016 bis April 2018 betraut waren. 2019 war der Pflegevater und Haupttäter Andreas V. wegen hundertfachen schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt worden.

Zeugen hatten in bisherigen Ausschusssitzungen von ihrem frühen Verdacht auf Missbrauch des Pflegekindes berichtet. Doch sie waren mit ihren Warnungen bei den Behörden und der Polizei ins Leere gelaufen.

Während der Betreuung durch die Familienhilfe sollen die jetzt geladenen Zeugen den Pflegevater und das Kind zu Hause besucht haben, teilte der Ausschuss-Vorsitzende Martin Börschel mit. Im April 2018 soll einer der Mitarbeiter der Familienhilfe dem Jugendamt Hameln-Pyrmont eine Kindeswohlgefährdung gemeldet haben.

Entdeckt worden war der Missbrauchsfall aber erst Ende 2018. Der Ausschuss durchleuchtet, inwieweit der massenhafte und jahrelange Kindesmissbrauch durch Versäumnisse und Fehleinschätzungen von Regierungsstellen / Behörden begünstigt wurde.