Lemgo. Ein Derby ist bekanntlich kein Spiel wie jedes andere – erst recht nicht, wenn allein die Vorbereitung auf das traditionsreiche OWL-Duell mit GWD Minden (Sonntag, 16 Uhr, Sky Sport 6 HD) ihresgleichen sucht. Nach mehr als zwei Wochen Mannschaftstrainings- und Wettkampfpause heißt es für den TBV Lemgo Lippe vor dem 55. Kräftevergleich mit Grün-Weiß deshalb, noch enger zusammenzurücken. „Es ist ein Derby, das birgt immer viele Emotionen. In unserer Situation wird das eine echte Herkulesaufgabe“, weiß auch TBV-Trainer Florian Kehrmann. Weil aber schon andere Teams einen vergleichbaren Kaltstart hinlegen mussten, „sollten auch wir nicht jammern, sondern nach vorne blicken“.

TBV-Coach Florian Kehrmann und sein Team treten am Sonntag daheim gegen GWD Minden an.


Die coronabedingt eher trüben Aussichten aufs Spieltagsaufgebot bereiten Kehrmann keinesfalls schlaflose Nächte. Im Gegenteil: „Die Mannschaft hat zuletzt bewiesen, dass jeder versucht, diese zwei, drei Prozentpunkte draufzupacken, um Ausfälle zu kompensieren.“ Bei der 23:28-Hinspielniederlage im Dezember hatten die Lipper nicht ihren besten Tag erwischt. Auf eigenem Parkett in der Phoenix Contact-Arena ist also Wiedergutmachung angesagt. Geht man vom Trend der jüngeren Derbygeschichte aus, darf man sich auf lippischer Seite zumindest berechtigte Hoffnung auf Punkte machen. Schließlich ist es keinem der beiden Teams seit 2014 mehr gelungen, das OWL-Derby zweimal in Folge für sich zu entscheiden. Zuletzt war das noch dem TBV vergönnt.

Fakt ist aber auch: „Wir haben mit Minden eine sehr kampfstarke Mannschaft zu Gast, die uns in ihrer sehr flexiblen 6:0-Abwehr versuchen wird, vor schwere Aufgaben zu stellen und unter Druck zu setzen“, sagt Florian Kehrmann vor seinem elften OWL-Derby (vier Siege, zwei Remis) als Trainer. Ganz besonders drei Akteure dürften seine Abwehrspezialisten am Sonntag nicht zur Entfaltung kommen lassen: Mit Christoffer Rambo, Juri Knorr und Doruk Pehlivan, hinter dessen Einsatz nach Vereinsangaben noch ein Fragezeichen stehe, lauert ein immens torgefährliches Trio im Rückraum des Tabellen-15. auf, das fast die Hälfte der Mindener Tore selbst erzielt hat. Auch die Tempogegenstöße des Gegners gilt es im Vergleich zum Hinspiel durch gutes Rückzugsverhalten diesmal öfter zu unterbinden.
Während die Lipper vor ihrer Zwangspause drei Siege am Stück bejubeln konnten, wartet der OWL-Nachbar seit nunmehr drei Spielen auf ein Erfolgserlebnis. Auch das letzte Pflichtspiel der Gäste liegt coronabedingt – das Heimspiel gegen die Recken aus Hannover wurde wegen eines positiven Tests bei den Niedersachsen verschoben – bereits einige Tage zurück. Am 1. April unterlag die Mannschaft von Frank Carstens bei Aufsteiger TuSEM Essen mit 20:29. Auswärts ist bei Grün-Weiß generell noch vieles Stückwerk, nur ein Sieg – ein 28:24 Ende Februar bei Tabellenschlusslicht Coburg – sprang bislang heraus, zweimal gab es in der Fremde immerhin einen Zähler. Dem gegenüber stehen zehn Niederlagen.


Aber: In einem Derby spielt die Vergangenheit ohnehin keine Rolle, ein jeder weiß: Derbysiege sind nun mal die schönsten Siege. Aus diesem Grund blickt auch Florian Kehrmann der Partie mit Freude entgegen: „Die Aufgabe verspricht sehr viel Spannung und sehr viele Überraschungen. Die zwei Punkte wollen wir mit geballter Kraft hierbehalten.“


Das Schiedsrichtergespann bilden Stefan Schneider und Colin Hartmann. Sky zeigt die Partie gewohnt live in der Konferenz (ab 15.25 Uhr auf Sky Sport 2 HD) und als Einzelspiel (ab 15.55 Uhr auf Sky Sport 6 HD).