Mario Rakusa (links im Bild) und Joschka Jakobfeuerborn bringen das Museum ins Wohnzimmer.

Lippische Landesmuseum Detmold setzt in Zeiten der Pandemie auf innovative Art der Vermittlung –

Lipppe. Anfang November 2020 erlebten Kultureinrichtungen bundesweit ein unerfreuliches Déjà-Vu. Trotz der aufwändigen, kostspieligen und umfangreichen Hygiene-Maßnahmen die umgesetzt wurden, mussten auch Museen wieder die Türen für Besucher schließen. Dabei sind gerade Museen, wie der Deutsche Museumsbund feststellt, wichtige Erlebnis- und Bildungsorte, die für eine positive gesellschaftliche Entwicklung unverzichtbar sind. Es ist aber auch selbstverständlich, dass in der aktuellen Situation die Verringerung der Infektionszahlen und damit eine weitere Ausbreitung der Covid-19 Pandemie oberste Priorität hat.
Muss man also in dieser Zeit auf Museumsangebote gänzlich verzichten? Nein, den Glücklicherweise beweisen die Museen auch in schwierigen Zeiten ein hohes Maß an Kreativität.
Das Lippische Landesmuseum in Detmold versorgte seine Besucher schon während der ersten Schließung, im Frühjahr 2020, mit Kultur. Virtuell, digital und das ganze täglich! Dabei wurde auf eine innovative Art der Vermittlung gesetzt. Kurz-Führungen zu besonderen Objekten oder Themen wurden als Videos produziert. Diese konnte man sich zu Hause bequem und rund um die Uhr ansehen. Ein nachhaltiges Konzept überdies, denn die Landesmuseum-To-Go Angebote stehen mittlerweile den Besuchern auch in der Ausstellung zur Verfügung. Ein Angebot das sich großer Beliebtheit erfreut. Über QR-Codes lassen sich bereits 20 Kurz-Führungen abrufen. Besonders wichtig in diesen Zeiten: Kontaktlos, kostenlos und im sicheren Abstand.
„Es war für uns eine absolut neue und ungewohnte Situation. Wir waren genau 50 Tage geschlossen. Deshalb haben waren wir in den Sozialen-Medien praktisch dauerpräsent. Wir brachten täglich das Museum in die Wohnzimmer und erprobten neue Formate. Das Interesse an diesen Angeboten war wirklich groß, die Rückmeldungen und Kommentare überaus positiv. Das hat uns sehr gefreut und uns angeregt weitere Konzepte zu entwickeln“, erklärt Mario Rakuša, Pressesprecher im Lippischen Landesmuseum, der sich auch um die Online-Angebote kümmert.
Das Ergebnis ist eine neue, originelle Video-Reihe, die gerade dabei ist, zum viralen Erfolg zu werden. Die Rede ist von Fakt oder Fake! In diesen Clips stellen zwei Mitarbeiterinnen des Museums ungewöhnliche Objekte oder Ereignisse vor und erzählen dazu jeweils eine Geschichte. Aber: Nur eine davon ist richtig und historisch belegt, die zweite Erklärung ist kompletter Unsinn. Die Auflösung folgt in einem Video am nächsten Tag. „Mit der Reihe Fakt oder Fake können wir mit unseren Besucherinnen auch interagieren, wenn auch nur virtuell, denn sie können kommentieren und uns antworten, welche Story sie für die richtige halten. Mit der Antwort am nächsten Tag, haben wir nebenbei auch noch einen Cliffhanger, also etwas das die Neugier auf die Fortsetzung weckt“, freut sich der Pressesprecher.
Gemeinsam mit dem Gästeführer Joschka Jakobfeuerborn entwickelte Rakuša viele Episoden der erfolgreichen Reihe. Schon allein das Fabulieren der falschen Geschichten machte offensichtlich den beteiligten viel Spaß.
„Wir suchen uns Objekte und Themen, zu denen wir manchmal wirklich völlig absurde Geschichten konstruieren und versuchen diese glaubhaft vorzutragen. Da ist es manchmal schon schwierig beim Video-Dreh ernst zu bleiben. Es geht uns aber nicht darum, die Leute in die Irre zu führen, sondern dem Publikum die Exponate und die Geschichte dahinter kurzweilig näher zu bringen. Mit der Auflösung lernt man immer wieder etwas dazu“, erläutert Jakobfeuerborn die Idee des Konzepts. Erfreulicher Nebeneffekt in Zeiten in denen es keine Führungen im Museum gibt: Bei den Videos kommen die Gästeführer des Museums zum Einsatz. Ihre Kompetenz und das umfangreiche Wissen stellten sie immer wieder unter Beweis. Bei den ausgedachten Storys sehen Sie es als Herausforderung möglichst glaubhaft zu wirken.
„Natürlich ist da auch ein wenig Freude und Stolz, wenn man so überzeugend war, dass viele Menschen auf die falsche Geschichte reingefallen sind“, geben Jakobfeuerborn und Rakuša lächelnd zu.
So kommen die kurzen Storys jedenfalls nicht nur fundiert, sondern auch äußerst unterhaltsam daher. Ist dieses Format nun die Zukunft der Vermittlungsangebote im Museum?
„Mit Sicherheit nicht“, betont Rakuša, “Online-Angebote wollen und können einen Museumsbesuch nicht ersetzen. Sie sollen in erster Linie neugierig machen, die Planung eines Besuches vereinfachen und dazu anregen tatsächlich vorbei zu kommen, wenn wir wieder geöffnet haben. Denn nichts ist besser als das Original.“
Auch das neue Konzept wird nachhaltig sein, denn es gibt bereits die Idee Fakt oder Fake als Führungen anzubieten, sobald dies wieder möglich sein wird. Konzipiert als Familienführungen, bei denen Miträtseln nicht nur möglich, sondern erwünscht sein wird und immer nach dem Motto: Ist das nun Fakt oder Fake?
Bis es soweit ist, gibt es aber immerhin die originellen Filme. Übrigens: Alle Videos des Lippischen Landesmuseums sind untertitelt. So schaffen sie Barrieren ab und ermöglichen hörgeschädigten und gehörlosen Menschen Zugang zu den audiovisuellen Medien.

Die vielfältigen digitalen Angebote des Lippischen Landesmuseums sind stets aktuell und rund um die Uhr erreichbar: In den Sozialen-Medien, also bei Facebook, Instagram, Twitter und YouTube sowie auf der Seite lippisches-landesmuseum, unter Museum entdecken.
(Falls es möglich ist, bitte in den Infokasten den QR-Code einfügen)