Nullzinspolitik: Jährlicher Kaufkraftverlust in Deutschland beläuft sich auf ca. 37 Milliarden Euro

Andreas Trotz, Vorstandsmitglied der Sparkasse Paderborn-Detmold und Dr. Holger Bahr. Leiter Volkswirtschaft der Deka.

Paderborn. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt dafür, dass Sparer aus den Kreisen Paderborn, Lippe und Hochsauerland Jahr für Jahr real Geld auf ihrem Konto verlieren. Der jährliche Kaufkraftverlust je Einwohner summiert sich im Kreis Paderborn auf 357 Euro, im Kreis Lippe verlieren die Sparer 382 Euro aufgrund der Nullzinsen und im Hochsauerlandkreis sind es 398 Euro pro Jahr. Der NRW-Durchschnitt liegt bei 382 Euro je Einwohner. Insgesamt erfahren die Deutschen auf Jahressicht einen Kaufkraftverlust von rund 37 Milliarden Euro – bei einem Gesamtvermögen von 6.237 Milliarden Euro.
Zu diesem Ergebnis kommt das Deka Regio-Barometer, eine aktuelle Erhebung der DekaBank mit umfassenden regionalen Angaben zur Geldvermögensbildung, Wertpapierneigung und zum Anlageverhalten. Deren Ergebnisse stellte die Sparkasse Paderborn-Detmold heute gemeinsam mit der Deka vor.
„Die Höhe des Geldvermögens je Einwohner innerhalb der drei Landkreise liegt eng beisammen“, führt Vorstandsmitglied Andreas Trotz aus. Im Einzelnen: Die Einwohner aus dem Hochsauerlandkreis liegen mit rund 52.600 Euro ebenso über dem nordrheinwestfälischen Durchschnitt wie die Bewohner aus dem Kreis Lippe (50.000 Euro). Die Sparer aus dem Kreis Paderborn kommen auf einen Durchschnittswert von 46.100 Euro. Damit liegen sie etwas unter dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen (49.500 Euro). Insgesamt liegen die Gemeinden im Geschäftsgebiet der Sparkasse Paderborn-Detmold im guten Mittelfeld von Nordrhein-Westfalen.

Klassisch geparkt – null Aussicht auf Rendite Mit Blick auf die Anlagegewohnheiten haben die Bewohner der Kreise Paderborn, Lippe und Hochsauerlandkreis eine Gemeinsamkeit: Rund 50 Prozent des Geldvermögens wird vorwiegend auf Tagesgeld- oder Girokonten geparkt. „Das ist ein typisch deutsches Anlageverhalten“, erklärt Dr. Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft bei der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen. Gerade in Nullzinszeiten ist dies seiner Einschätzung nach keine sinnvolle Strategie. „Wir gehen davon aus, dass es bis mindestens 2025 keine positiven Zinsen geben wird“, verdeutlicht er.
„Die fehlenden Zinsen machen sich in den Geldbörsen unserer Kunden und Sparer bemerkbar“, erklärt Vorstandsmitglied Trotz. Wie das Deka Regio-Barometer weiter zeigt, verlieren die Einwohner der drei Kreise aufgrund des Niedrigzinses auf
Jahressicht zusammen rund 346 Millionen Euro an Kaufkraft (109,1 Mio. Euro / Kreis Paderborn, 133,3 Mio. Euro / Kreis Lippe, 104,2 Mio. Euro / Hochsauerlandkreis). „Nichtstun kostet Geld“, kommentiert Vorstandsmitglied Trotz diese Zahlen.
Interesse an Wertpapieren wächst „Das Interesse an Wertpapieren wächst zwar, allerdings hat sich ein verändertes Anlageverhalten noch nicht herausgebildet“, so Trotz. Insgesamt hat sich die Anzahl von Investmentfondsbesitzern in den zurückliegenden zwei Jahren erweitert. Im Kreis Paderborn besitzen 13,6 Prozent der Einwohner Investmentfonds, in Lippe 14,2 Prozent und im Hochsauerlandkreis 14,6 Prozent. Damit liegen die Kreise in etwa auf Landesdurchschnitt von 14,3 Prozent und unter dem Bundesdurchschnitt von 14,8 Prozent. „Nur jeder siebte in unserem Geschäftsgebiet legt in Fonds an. Im internationalen Vergleich hinken wir damit weit hinterher. Jeder zweite US-Amerikaner und jeder fünfte Brite oder Schweizer besitzt Aktien“, sagt Vorstand Trotz.
Hohes Sparpotential in der Region vorhanden Bei den Beträgen, die jedem Einwohner monatlich im Durchschnitt für die Geldanlage zur Verfügung stehen, liegen die drei Kreise nur geringfügig auseinander. Die Einwohner im Kreis Paderborn können im Schnitt 187 Euro monatlich zur Seite legen, während das Sparpotenzial im Kreis Lippe bei 191 Euro und im Hochsauerlandkreis bei 195 Euro liegt. Durchschnittlich können die Sparer in NRW 198 monatlich sparen. Im Bundesschnitt sind es 201 Euro.

„Unseren öffentlichen Auftrag, den Sparsinn der Bevölkerung zu pflegen, interpretieren wir als unsere Mission, den Menschen in der Region eine sinnvolle Geldanlage zu ermöglichen“, betont Trotz. Dies gilt auch oder gerade für kleinere Anlagesummen.
„Anleger müssen in der Zinswüste umdenken und sich die Wege zu Renditeoasen erschließen“, sagt Vorstand Trotz und meint damit die Kapitalmärkte. „Sparer sollten renditeträchtige Anlageformen wie Aktien in Erwägung ziehen und dabei die Kurzzeitorientierung aufgeben. Auch regelmäßiges Sparen mit einem Fondssparplan kann helfen, den Kaufkraftverlust zu vermeiden. An Wertpapieren geht, insbesondere bei dem langfristig verzichtbaren Teil des Vermögens, wirklich kein Weg mehr vorbei“, ergänzt Deka-Volkswirt Bahr.