Nicht nur (Kenn)Zeichen der Heimatliebe

Lemgo. Im Rahmen der Verwaltungsreformen sind in den 70er Jahren viele Kennzeichen verschwunden. Gab es bis dahin kleine Regionen mit eigenem Kennzeichen, ging von nun an den Bürgern die Möglichkeit verloren, mit dem Nummernschild am Auto Flagge für ihren Heimatort zu zeigen. Seit 2012 gab es dann durch die damalige Kennzeichenliberalisierung die Möglichkeit, endlich wieder mit gewünschtem altem Kennzeichen durch die Lande zu fahren.

Vor sechs Jahren scheiterte die Lemgoer SPD mit Ihrem Antrag, die alten LE-Kennzeichen reaktivieren zu lassen – damals wies der ehemalige Landrat Heuwinkel den Antrag aus 2013 ab, da „LIP“ als Tourismusbestand gelte. Nun hat der AC Lemgo den Versuch nochmals gewagt und einen Antrag an Landrat Dr. Axel Lehmann übergeben.

Mit Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Kennzeichen nach den vier Besatzungszonen in Deutschland aufgeteilt. Zunächst gab es farbliche Unterscheidungen, später abgelöst durch nur zwei Buchstaben und vier Ziffern. So waren knapp 40.000 Kombinationen möglich und schnell wurde klar, dass diese Möglichkeit nicht lange reichen würde.

Schon 1956 folgte die Einführung von 486 neuen Autokennzeichen. Die Systematik der Kennzeichen hat sich seitdem grundsätzlich nicht mehr verändert, bestehend aus Ortsunterscheidung, Buchstaben und Nummern.

So blieb es lange Zeit. Erst mit den großen Gebietsreformen Anfang der 70er kamen große Veränderungen. Bis dahin kreisfreie Städte wurden in andere Kreise oder andere kreisfreie Städte eingegliedert, viele Autokennzeichen verschwanden. Mit nur noch 295 Kennzeichen war der niedrigste Stand erreicht. Aus LE wurde DT.

Durch die Wiedervereinigung kamen ab 1991 knapp 200 Kennzeichen aus der ehemaligen DDR dazu. Ein neuer Höchststand mit 492 Kennzeichen war erreicht. Es folgte eine neue Welle vom Markt zu nehmender Kennzeichen, neue Kennzeichen kamen dazu, so auch LIP.

In den folgenden Jahren habe sich immer wieder Bürger, Politiker und Kreise um die Wiedereinführung von Altkennzeichen bemüht. Im November 1972 wurde die Zulassungsverordnung geändert. Eine Befragung von mehr als 50.000 Personen in 200 deutschen Städten stimmten mit einer Quote von 72 Prozent für die Wiedereinführung von Altkennzeichen ab.

Oliver Welslau und Sven-Eric Bierhenke vom AC Lemgo setzen sich für die Wiedereinführung der LE-Kennzeichen ein.

Der jetzige Antrag des AC Lemgo steht in Lippe nicht allein da. Es schließt sich der Verein einer Detmolder Partei an, die ebenfalls einen Antrag in Bezug auf die DT-Nummernschilder gestellt hat.

Das Interesse der Lemgoer ist groß, viele wünschen sich ein Lemgoer Kennzeichen durch welches sie sich noch mehr zu ihrer Heimat verbunden fühlen. Durch eine Aufteilung der jetzigen LIP – Kennzeichen in LE und DT wird die Zahl möglicher Wunschkennzeichen wesentlich erhöht. Egal ob Geburts- Hochzeitstag- oder Hundename, viele möchten gern ein Teil ihres Lebens in eine Buchstaben-Zahlen-Kombination pressen. Sie geben damit viel mehr als ihren Wohnort preis, sie zeigen damit Persönlichkeit. Das Gegenargument, dass es immer nur die „Ewiggestrigen“ mit solchen Wünschen seien, zieht nicht. Einer Umfrage anderen Ortes zufolge wollten 92 Prozent der 16- bis 30-jährigen ihr altes Kennzeichen wieder haben. Mit dem Wunsch nach Heimatverbundenheit in der heute globalisierten Welt.

Bemerkenswert: während die Lippische Wochenschau das Foto von Bierhenkes altem Käfer mit LE-Kennzeichen auf dem Marktplatz machte, blieben viele jüngere Bürger stehen, um das alte Nummernschild zu bewundern. „Wo muss ich unterschreiben?“, „Wo kann ich so eins kaufen?“. Die Resonanz war durchweg positiv.

Kostentechnisch dürfte für den Kreis nichts gegen die Wiedereinführung sprechen. Im Gegenteil. Nur an der Software der Zulassungsstelle müsste etwas geändert werden, danach könnte jeder Fahrzeughalter bei der Anmeldung selbst entscheiden, welches Kennzeichen er gerne hätte. Die Kosten für eine Umänderung des aktuellen Kennzeichens würden ohnehin vom Halter getragen. Durch ein vermutlich reges Interesse dürfte dies sogar zu höheren Einnahmen führen. Zusätzlich würde eine Entlastung der Zulassungsstellen in Bad Salzuflen, Detmold und Barntrup entstehen, da es deutlich weniger – wenn überhaupt noch – Engpässe bei den verfügbaren Kennzeichenkombination geben würde.

Nun heißt es Daumendrücken. Ansprechpartner zu diesem Thema ist Sven-Eric Bierhenke als Clubmaster des AC Lemgo im ADAC e.V. errreichbar unter 05261 42 68 oder 0179 56 14 078