Starker THC lässt Traum von Europa platzen

Blomberg. Es hat nicht sollen sein. Die HSG Blomberg-Lippe musste sich am Samstagnachmittag im Rückspiel der 3. Qualifikationsrunde der EHF European League Women deutlich mit 20:30 (12:15) gegen den Thüringer HC geschlagen geben. Trotz des starken 27:31-Hinspielserfolgs reichte es in der Addition der beiden Spiele somit nicht für den Einzug in die Gruppenphase.

Kamila Kordovská im Tiefflug. Foto: Matthias Wieking

„Auch wenn wir das Hinspiel gewonnen haben, sind wir nicht so vermessen zu sagen, dass wir nun als Favoriten in das Rückspiel gehen“, ordnete HSG-Trainer Steffen Birkner die Chancen seines Teams im Vorfeld realistisch ein. Dennoch standen die Vorzeichen nicht schlecht. Eine Woche zuvor begeisterten Marie Michalczik und Co. im Hinspiel beim Thüringer HC auf voller Linie und erkämpften sich einen kleinen Vier-Tore-Vorsprung für das Rückspiel. Zudem zeigten die Thüringerinnen auch unter der Woche im Ligaspiel gegen die TuS Metzingen, welches am Mittwochabend mit 34:32 verloren ging, noch einmal, dass sie derzeit verwundbar sind. Doch THC-Trainer Herbert Müller versprach schon vor der Begegnung: „Wir werden kämpfen bis zum Umfallen.“

Von Beginn an entwickelte sich am Samstag ein intensives Handballspiel, bei dem zu jeder Sekunde die besondere Bedeutung für beide Mannschaften spürbar war. Die HSG machte jedoch zunächst dort weiter, wo sie im Hinspiel aufgehört hatten. Nele Franz (21 Jahre), Ndidi Agwunedu (20 Jahre) und Ann Kynast (19 Jahre) sorgten dafür, dass die Blombergerinnen nach sechs gespielten Minuten mit 4:2 in Front lagen. Doch der THC präsentierte sich hochkonzentriert und wild entschlossen, den nun sechs Tore betragenden Vorsprung zu egalisieren. Die erneut glänzend aufgelegte THC-Spielmacherin Marketa Jerabkova sorgte mit ihrem Treffer zum 5:6 nach zehn Minuten für die erste Führung der Gäste. Die zunehmend hitziger werdende Begegnung kippte dann langsam in Richtung des THCs, welche ab der 20. Minuten leichte Unkonzentriertheiten der Lipperinnen eiskalt ausnutzten und ein 9:9 bis zur 25. Minute in ein 10:14 verwandelten. Mit 12:15 ging es schließlich in die Halbzeit.

Dass der Vorsprung aus dem Hinspiel schon zur Halbzeit nahezu egalisiert war, schien dem jungen Blomberger Team auch in der Pause nicht aus den Köpfen zu gehen. Mit vielen technischen Fehlern startete die HSG in den zweiten Abschnitt und musste zusehen, wie sich der THC Tor für Tor absetzte. Mit einem 8:0-Lauf setzte sich der siebenfache Deutsche Meister bis zur 41. Minute auf 12:23 ab. Quälend lange 12 Minuten dauerte es, bis der HSG durch Rechtsaußen Lisa Rajes der erste Treffer im zweiten Abschnitt gelang. Gegen eine starke und im Vergleich zum Hinspiel deutlich aggressiver agierende THC-Abwehr fand die HSG nun keine Lösungen mehr. Nur acht Treffer sollten den Schützlingen von Steffen Birkner in der zweiten Halbzeit gelingen. Mit 20:30 ging der Thüringer HC somit letztlich als verdienter Sieger aus Hin- und Rückspiel hervor und darf sich über den Einzug in die Gruppenphase der EHF European League Handball Women freuen.

Birkner zeigte sich nach dem Spiel gefasst: „Wir haben einfach nicht gut angegriffen. Acht Tore im zweiten Abschnitt sprechen für sich. Auch in der Abwehr haben wir keinen Zugriff gefunden und insgesamt zu viel mit verschiedenen Dingen gehadert. Wir wollten es vielleicht zu sehr und sind dann verkrampft. Ich kann meiner Mannschaft aber keinen großen Vorwurf machen. Wir haben alles gegeben und mussten heute gegen einen starken, international erfahrenen Gegner Lehrgeld zahlen. Das fühlt sich im ersten Moment beschissen an und tut definitiv weh, aber wir werden daraus lernen und können auch an solchen Spielen wachsen. Herzlichen Glückwunsch an den Thüringer HC zum verdienten Weiterkommen und viel Erfolg in der Gruppenphase.“

HSG-Torfrau Marie Andresen, welche ihr Team im zweiten Abschnitt mit starken Paraden über Wasser hielt, äußerte sich nach Spielende wie folgt: „Vielleicht waren wir noch nicht bereit für so ein wichtiges Spiel. Wir haben viele junge und unerfahrene Spielerinnen. Das ist unglaublich schade. Dennoch werden wir uns von dieser Niederlage nicht beirren lassen. Der Start war bislang richtig gut und wir werden den Fokus nun auf Liga und Pokal richten.“

Zeit zum Durchatmen hat die Mannschaft nun erstmal mehr als genug. Vom 3. bis 20. Dezember findet in Dänemark voraussichtlich die 14. Handball-Europameisterschaft der Frauen statt. Nach der EM-Pause geht es für die HSG voraussichtlich am 27. Dezember mit einem Heimspiel gegen die Neckarsulmer SU weiter.

Tore für den Thüringer HC: Scheffknecht 1, Iskit 3, Großmann 1, Kündig 4, Jakubisova 4, Neidhardt 8, Jerabkova 6, Huber 3.

Tore für die HSG: Rüffieux 1, Kynast 4, Rajes 1, Agwunedu 1, Franz 7, Michalczik 5, Schoenaker 1.