TBV: Mit der zweiten Luft gelingt die Wende


Lemgo, 13. Juni 2021. Die Nummer sechs ist im Sack: Beim bereits feststehenden Absteiger HSC 2000 Coburg zogen die Lipper noch rechtzeitig den Kopf aus der Schlinge, bogen das Spiel nach gut 40 Minuten allmählich zu ihren Gunsten um und feierten durch das letztlich verdiente 27:23 (10:9) den sechsten Saisonsieg in der Fremde.

Fünfmal traf Freddy Simak im Spiel gegen Coburg.


Wie schon gegen den Bergischen HC durfte Marcel Timm auch gegen seine ehemaligen Teamkollegen von Beginn an ran. Die Rückraumachse bildeten Dani Baijens, Frederik Simak und Bobby Schagen. Lukas Zerbe startete auf rechts – und glich in der 3. Minute zum 1:1 aus. Doch fortan geriet bei den Lippern Sand ins Getriebe: In der Abwehr ließ man den Gastgeber ein ums andere Mal auf den Halbpositionen passieren, im Angriff fehlte es an Tiefe und Zweikampfführung. „Wir sind am Anfang überhaupt nicht ins Spiel gekommen. In der Abwehr fehlte uns die letzte Aggressivität, auch vorne haben wir uns sehr schwergetan“, begründete Florian Kehrmann nach dem Spiel die holprige Anfangsphase. Die Konsequenz: ein 3:6Rückstand, weshalb sich Lemgos Coach, der auf Kapitän Andrej Kogut und Andreas Cederholm verletzungsbedingt verzichten musste, nach zwölf Minuten dazu genötigt sah, seine Mannschaft wachzurütteln. Als das Zuspiel von Fynn Hangstein an den Kreis misslang, hatten Florian Billeks erfolgreicher Kopfleger über Peter Johannesson hinweg den höchsten Rückstand in Hälfte eins zur Folge.
Die erste Zeitstrafe gegen die Vestestädter nutzte Zerbe zu seinem 85. Saisontor, dann trat auch Bjarki Már Elísson erstmals in Erscheinung, als er vom Strich gewohnt nervenstark zum 6:8 verwandelte. Weitere Einschläge auf beiden Seiten wussten zunächst die Torhüter ein ums andere Mal zu verhindern. Den sechs Minuten anhaltenden Torlosbann vor den 500 Zuschauern in der HUK-Coburg-Arena durchbrach schließlich Gedeón Guardiolas 60. Saisontreffer zum 7:8. Bereits kurz darauf bot sich den roten Gästen nach 25 Minuten die Riesenchance auf den Ausgleich, doch diesmal scheiterte Lemgos spanischer Europameister im Gegenstoß nach schönem Zerbe-Steal frei an HSC-Keeper Konstantin Poltrum. Den Lemgoer 5:1-Lauf zum Ausgleich für den nun wesentlich zielstrebigeren TBV vollendete Elísson (26.). Coburg legte zwar wieder vor, doch die Zeitstrafe gegen Coburgs Drasko Nenadic spielte dem TBV in die Karten: Bobby Schagen und erneut Zerbe im Gegenstoß bestellten zwei Minuten später die erste Lemgoer Führung zum 10:9 – dann war Pause.
Den besseren Start erwischte wieder der Gastgeber, im zweiten Heimspiel vor Zuschauern sichtlich bemüht darum, sich erhobenen Hauptes aus der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga zu verabschieden. Eine doppelte Unterzahl der Lemgoer begünstigte das 10:12 durch Coburgs Kreishünen Stepan Zeman. „Auch da haben wir etwas Anlaufzeit gebraucht. Es war gut, dass wir in der Phase nicht zu viele einfache Tore bekommen haben und Coburg sich jedes Tor erarbeiten musste“, konstatierte Kehrmann. Wichtig die 41. Minute, als Lemgo in Unterzahl ein Steal gelang und Simak den 14:15-Anschluss herstellte. Einen Wimpernschlag später bediente Simak mustergültig Elísson, der ausglich.

Dann griff auch TBV-Dauerbrenner Jonathan Carlsbogård ins Geschehen ein – und gab nach abermaligem Zerbe-Steal den finalen Pass auf Simak, der mit seinem vierten Tor sein Team zurück in Führung brachte. Das Spiel nahm nun offensiv mehr Fahrt auf. „Hinten raus haben wir mit besserem Angriffs- und sehr gutem Gegenstoßspiel dann jeden Fehler von Coburg konsequent genutzt haben“, blickte Kehrmann zufrieden auf die gelungene Schlussviertelstunde.


Ein Elísson-Doppelpack bescherte den Pokalhelden nach 46 Minuten die allererste Zwei-Tore-Führung an diesem Nachmittag. Als Coburgs Paul Schikora kurz darauf nur die Unterkante der Latte traf, blieb der TBV in der ersten Welle: Der bereits am Kreis lauernde Gedeón Guardiola genoss alle Freiheiten und verwertete das Zuspiel von Carlsbogård – 20:17. Doch die Franken kämpften sich nochmals heran: Als sich wieder einmal Zeman durch den Lemgoer Mittelblock getankt hatte, war die Führung auf 21:20 geschmolzen. Nach der Auszeit bekam der TBV die zweite Luft – und tütete den 16. Auswärtspunkt endgültig ein: Als der einlaufende Zerbe wunderbar von Dani Baijens in Szene gesetzt wurde und dies mit seinem sechsten Tor zum 24:20 dankte, war das Spiel nach 57 Minuten so gut wie entschieden.


Carlsbogård, Baijens und Elísson sorgten mit ihren Treffern in den Schlussminuten dafür, dass der wettbewerbsübergreifend fünfte Sieg in Folge nicht mehr in Gefahr geriet. Kehrmann: „Ich bin sehr zufrieden, dass wir trotz ein paar Ausfällen hier in Coburg bestanden haben – und so werden wir bis zum Ende der Saison weitermachen.“


TBV Lemgo Lippe: Johannesson (9 Paraden), Zecher; Elísson (6/1), I. Guardiola (1), Simak (5), Carlsbogård (1), Schagen (2), Timm, Hangstein (1), Zerbe (6), G. Guardiola (3), Geis, Reimann, Baijens (2)