Tourismusbranche in OWL dramatisch eingebrochen

Präsentierten die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zur Tourismusbranche in Ostwestfalen: Burkhard Schmidt-Schönefeldt, Geschäftsführer RUF-Reisen und stellvertretender Vorsitzender des gemeinsamen Tourismusausschusses der IHKs Ostwestfalen zu Bielefeld und Lippe zu Detmold und IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke (v.l.).

OWL. Die von der Corona-Pandemie besonders stark betroffene Tourismusbranche in Ostwestfalen rechnet frühestens im zweiten Halbjahr 2021 mit einer Erholung ihrer wirtschaftlichen Situation. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK), an der sich insgesamt 126 Unternehmen aus dem Gastgewerbe – Beherbergungsbetriebe und Gastronomie – sowie der Reisebranche – Reisebüros, Reiseveranstalter und Omnibusunternehmen – beteiligt haben. Dies zeige auch der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die momentane wirtschaftliche Lage mit der zukünftig erwarteten in Relation setzt: Im Vergleich zum vergangenen Herbst rutschte der Klimaindex im Gastgewerbe von 121,8 auf 44,4 Prozent. Im Reisegewerbe sank der Wert innerhalb eines Jahres von 104,0 auf 23,1 Prozent. Beim Index-Wert von 100 halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage.
„Die wirtschaftliche Lage im Gastgewerbe hat sich im Vergleich zum vergangenen Herbst deutlich verschlechtert“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke. Mehr als zwei Drittel der Gastronomen (66,7 Prozent) und der Beherbergungsbetriebe (67,2 Prozent) bewerten ihre momentane Situation als schlecht. Vor einem Jahr gaben 80,0 Prozent der Unternehmen an, dass ihre wirtschaftliche Lage gut sei. Die momentan schlechte Stimmung ist laut IHK darauf zurückzuführen, dass die Mehrheit der Gastronomen und Hoteliers mit Umsatzrückgängen von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr rechnen. Die Umsatzentwicklung schlage sich auch in der aktuellen Finanzlage nieder. Mehr als 40 Prozent der Beherbergungsbetriebe und über ein Drittel der gastronomischen Betriebe verzeichnen aktuell Liquiditätsengpässe oder befinden sich in einer aktuellen Finanzkrise, auch die Eigenkapitalquote schrumpfe. Mit einer Rückkehr in den Normalzustand rechnen je knapp ein Drittel der Beherbergungsunternehmen und der gastronomischen Betriebe erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres. Über ein Viertel der befragten Gastronomen kann aktuell die weitere Entwicklung nicht einschätzen, im Beherbergungsgewerbe ist es annähernd ein Drittel. Die angespannte Wirtschaftssituation schlägt sich auch bei der Beschäftigung nieder. Über 40 Prozent aller befragten Unternehmen des Gastgewerbes wollen in den kommenden Monaten Stellen abbauen.
„Ohne Buchungen kein Umsatz“, fasst Burkhard Schmidt-Schönefeldt, Geschäftsführer RUF-Reisen und stellvertretender Vorsitzender des gemeinsamen Tourismusausschusses der IHKs Ostwestfalen zu Bielefeld und Lippe zu Detmold, das Ergebnis für das Reisegewerbe zusammen. 92,0 Prozent der Unternehmen bewerten ihre momentane wirtschaftliche Situation als schlecht. Reisebeschränkungen, aber auch die Verunsicherung der Reisenden vor möglichen Ansteckungsgefahren, zeigten ihre Wirkung beim Buchungsverhalten. Dies wiederum mache sich direkt in der Umsatzentwicklung der Reiseunternehmen bemerkbar. Verglichen mit dem Vorjahr rechnen rund 84 Prozent der Reiseunternehmen mit Umsatzrückgängen von über 50 Prozent. Knapp 60 Prozent geben an, dass sie sich in Liquiditätsengpässen befinden und ein Drittel müssten zunehmende Forderungsausfälle verkraften. Die Aussichten sind ebenfalls eingetrübt: Fast drei Viertel (72,9 Prozent) der Befragten geht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden sechs Monaten zu ihren Ungunsten entwickeln wird. Etwa 61 Prozent der Unternehmen wollen Personal abbauen. Rund ein Viertel der befragten Reiseunternehmen rechnet mit einer Rückkehr zur Normalität im zweiten Halbjahr 2021, über ein Drittel hingegen erst 2022. „Die Branche kämpft tagtäglich ums Überleben. Soforthilfen und Überbrückungskredite helfen, die Notsituation etwas abzufedern. Dies sollte dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die wirtschaftliche Lage mit jedem Tag, den die Pandemie andauert, verschlechtert“, ziehen Pigerl-Radtke und Schmidt-Schönefeldt gemeinsam Fazit.