Lemgo. Der TBV Lemgo Lippe hat das Derby gegen GWD Minden am Freitagabend mit 28:32 (8:15) verloren. Nach einer schwachen ersten Halbzeit lief der TBV vor 4.520 Zuschauern in der erneut ausverkauften Phoenix Contact-Arena lange einem deutlichen Rückstand hinterher und konnte die Partie trotz einer starken Aufholjagd im zweiten Durchgang nicht mehr drehen.

TBV-Trainer Florian Kehrmann musste auch am 30. Spieltag auf den österreichischen Spielmacher Lukas Hutecek sowie Jan Mudrow verzichten und berief dafür erneut Len Kehrmann sowie Sadik Herseklioglu in den Bundesliga-Kader.
Schon vor dem Anwurf sorgten die Fans für eine stimmungsvolle Derbykulisse, doch die Euphorie erhielt früh einen Dämpfer. Der TBV tat sich in der Anfangsphase schwer und leistete sich im Angriffsspiel zahlreiche technische Fehler. GWD nutzte diese Unsicherheiten konsequent aus und setzte sich durch den Treffer von Philipp Vorlicek bereits nach sieben Minuten auf 1:5 ab. Zwar keimte beim 4:6 nach zehn Minuten kurz Hoffnung auf, doch die Lemgoer fanden offensiv weiterhin zu selten Lösungen. Bis zur Pause kam der TBV lediglich auf eine Wurfquote von 40 Prozent. Wenn sich dennoch Chancen ergaben, war Torhüter Malte Semisch zur Stelle. Die Gäste bauten ihren Vorsprung Tor um Tor aus, nach 27 Minuten stellte Hempel Jensen auf 7:14. Kurz vor der Pause schwächten sich die Mindener dann selbst: Nach einem harten Foul an Niels Versteijnen sah Karolis Antanavicius die Rote Karte (28.). Dass es zur Halbzeit „nur“ 8:15 stand, hatte der TBV auch einem gut aufgelegten Urh Kastelic zu verdanken, der mehrfach stark parierte.
Mit viel Einsatz und sichtbar mehr Emotionen kam der TBV aus der Kabine. Kehrmann versuchte mit einem Torhüterwechsel neue Impulse zu setzen und brachte Möstl für Kastelic. Zunächst verteidigte Minden den komfortablen Vorsprung jedoch weiter robust und erhöhte per Siebenmeter auf 14:21 (41.). Dann aber kämpfte sich Lemgo mit großer Entschlossenheit zurück ins Spiel. Angetrieben von der lautstarken Halle arbeitete sich der TBV Schritt für Schritt heran. Nach einem Ballgewinn von Tim Suton verkürzte Hendrik Wagner in der 43. Minute auf 17:21, wenig später brachte Leve Carstensen mit einem 4:0-Lauf die Arena endgültig wieder zum Beben und stellte auf 18:21 (46.). Der Glaube war zurück, und Lemgo war nun sichtbar am Drücker. Versteijnen verkürzte zehn Minuten vor dem Ende auf 21:23 und brachte die Hausherren noch einmal in Schlagdistanz. Doch Minden blieb in der entscheidenden Phase stabil. Ein weiterer unnötiger Fehler im Lemgoer Aufbauspiel leitete die vorentscheidende Phase ein: Hempel Jensen stellte auf 21:25 (52.). Zwar verkürzte Tim Suton noch einmal auf 24:26 (55.), doch Alexander Weck antwortete im Zeitspiel mit dem Treffer zum 24:27 und sorgte damit für die Vorentscheidung. In der hitzigen Schlussphase sahen auch Wagner und Daniel Astrup Pedersen noch die Rote Karte. Am Ausgang der Partie änderte das nichts mehr. Leve Carstensen markierte mit seinem sechsten Tor den 28:32-Endstand. Bester Lemgoer Werfer war Niels Versteijnen mit sieben Treffern.
Trotz der Niederlage bleibt der TBV nach 30 Spieltagen auf Tabellenplatz sechs und steht nun bei 36:24 Punkten. Weiter geht es für die Lipper am Samstag, 9. Mai, mit dem Auswärtsspiel bei der SG Flensburg-Handewitt.
Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Ich glaube, wir sind heute nicht so ins Spiel gegangen, um dieses Spiel erfolgreich gestalten zu können. Es gab Zeitstrafen und intensive Szenen, aber wir haben letztlich den einen Schritt zu wenig gemacht. Nach einer Viertelstunde haben wir dann gemerkt: Wir müssen vielleicht ein bisschen mehr investieren. Beim Stand von 4:6 hätten wir das Spiel eigentlich wieder in unsere Richtung lenken können. Dann machen wir in Überzahl ein, zwei Fehler, verteidigen hinten nicht konsequent genug, Minden zieht davon und gewinnt dadurch viel Selbstvertrauen.
Trotzdem schaffen wir es, in der zweiten Halbzeit ruhig zu bleiben und uns immer wieder heran zu kämpfen. In solchen Spielen muss am Ende aber einfach alles passen. Fünf Minuten vor dem Ende steht es dann beim letzten Pass minus zwei. Wenn wir den Ball da noch einmal bekommen, öffnet sich vielleicht noch einmal die Tür, aber dafür muss hinten raus wirklich alles stimmen. Wir haben es dann auch noch einmal mit Manndeckung und allem probiert, aber letztendlich war es ein verdienter Sieg für Minden. Wir werden das jetzt weiter aufarbeiten und gehen ins nächste Bundesligaspiel. Diese Saison werden wir so weitermachen, die für uns trotzdem weiterhin sensationell gut verläuft.“
TBV Lemgo Lippe – GWD Minden 28:32 (8:15)
TBV Lemgo Lippe: Möstl (3 P.), Kastelic (6 P.); Theilinger, S. Zehnder, Simak 1, Schagen 1, L. Carstensen 6, Nyfjäll 2, Suton 5, Willecke 2, Versteijnen 7/4, Wagner 3, Faust, Herseklioglu, L. Kehrmann 1
GWD Minden: Semisch (8 P.), Ivanisevic (2/1 P.); Astrup 2, Kranzmann, Antanavicius 1, Hempel 6, Korte 6/4, Weber 4, Sterba 1, Sajenev, Vorlicek 7, Heitkamp, Staar 1, Donker 1, Weck 3

