Hannover. Mit diesem Auswärtssieg hatten nach 45 Minuten wohl nur noch die wenigsten gerechnet: Der TBV Lemgo Lippe drehte am Freitagabend einen zwischenzeitlichen 17:22-Rückstand und feierte in der Hannoveraner ZAG Arena letztlich einen verdienten 29:26 (12:15)-Erfolg. In der Schlussviertelstunde des 10. Spieltags der Opel Handball-Bundesliga steigerten sich die Lipper deutlich und nahmen beide Punkte mit nach Ostwestfalen-Lippe.
Bildquelle: Cohen/TBV Lemgo LippeTrainer Florian Kehrmann konnte im Vergleich zum Heimsieg gegen Göppingen auf einen unveränderten Kader zurückgreifen. Neben den Langzeitverletzten Jan Mudrow und Tim Suton fehlte auch Bobby Schagen. Mit Leve Carstensen und Domenico Ebner rotierte Kehrmann zwei neue Spieler in die Startsieben.
„Ein knappes Spiel“ hatte Kehrmann vor der Partie prognostiziert und sollte zunächst Recht behalten. Beide Teams fanden gut in die Begegnung. Auf Lemgoer Seite sorgte insbesondere Lukas Hutecek immer wieder für Unruhe in der Hannoveraner Abwehr und verschaffte seiner Mannschaft mehrere Siebenmeter sowie Zeitstrafen. Als Lukas Stutzke bereits nach acht Minuten seine zweite Zeitstrafe hinnehmen musste, verwandelte Samuel Zehnder vom Punkt zum 4:3. Mit breiter Brust spielten die Lipper anschließend befreit auf. Niels Versteijnen gelang per Durchbruch die 8:5-Führung (14. Minute), die zu diesem Zeitpunkt hochverdient war. Doch nach einem vergebenen Siebenmeter von Zehnder geriet Lemgo ins Wanken. Die Recken nutzten diese Schwächephase konsequent aus, glichen nicht nur aus, sondern zogen davon. Nach einem Ballverlust von Lukas Hutecek erhöhte August Pedersen auf 11:15 (29. Minute). Noch vor dem Halbzeitpfiff sorgte Niels Versteijnen mit seinem Anschlusstreffer zum 12:15 dafür, dass die Lipper mit einem überschaubaren Rückstand in die Kabine gingen.
Auch nach der Pause fand der TBV zunächst zu oft seinen Meister im stark aufspielenden Hannoveraner Schlussmann: Joel Willecke scheiterte frei vor dem Tor an Gade (36., 15:18). Doch auch Constantin Möstl, der zur zweiten Halbzeit ins Lemgoer Tor kam, fand gut in die Begegnung und hielt sein Team mit drei Paraden im Spiel (37., 16:18). Zu viele technische Fehler verhinderten jedoch zunächst, dass die Lipper aus Möstls Leistungen Kapital schlagen konnten. Stattdessen behielt erneut August Pedersen von der Siebenmetermarke die Nerven und erhöhte auf 17:22 (44.). Doch der TBV ist bekannt dafür, bis zur letzten Sekunde zu kämpfen und stellte diese Qualität auch in Hannover unter Beweis. In der 45. Minute tankte sich der Schweizer Lenny Rubin zum 18:22 durch und zwang Lukas Stutzke zu dessen dritter Zeitstrafe, die folgerichtig die rote Karte nach sich zog. Damit verloren die Recken, die im zweiten Durchgang zudem auf Vilhelm Poulsen verzichten mussten, nach und nach Optionen, und mit zunehmender Spieldauer auch die Kraft.
Immer mehr Fehler der Gastgeber ermöglichten dem TBV den Start der Aufholjagd. Nach einem Fehlwurf von Renars Uscins glich Versteijnen in der 56. Minute zum 24:24 aus. Die Lemgoer agierten nun insbesondere in der Abwehr deutlich aggressiver und zwangen Hannover regelmäßig zu schwierigen Abschlüssen und riskanten Aktionen. Den 6:0-Lauf der Lipper krönte schließlich der stark aufspielende Rubin mit seinem Treffer zum 27:24 – die Vorentscheidung. Mit sechs Toren war Rubin zudem bester Werfer des TBV beim 29:26-Auswärtssieg.
Durch den Erfolg bleibt der TBV Lemgo Lippe auf dem vierten Platz der Opel Handball-Bundesliga und weist nun 14:6 Punkte auf. Weiter geht es für die Lipper nächste Woche Samstag (31.10., 20 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den amtierenden Meister SC Magdeburg. Für die Partie sind derzeit nur noch wenige Stehplatzkarten verfügbar, sodass der TBV mit einer ausverkauften Kulisse rechnet.
Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Ich bin sehr, sehr glücklich mit dem Ergebnis. Wenn man hier gegen eine so heimstarke Mannschaft gewinnt, nehmen wir das natürlich gerne mit. Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, vor allem über eine wirklich gute Abwehr.
Nach der 8:5-Führung bringen wir Hannover dann aber wieder ins Spiel, weil wir unsicher werden und zwei, drei freie Bälle liegen lassen. Hannovers Abwehr setzt uns unter Druck, nutzt diese Fehler in dieser Phase eiskalt aus und dreht das Spiel. Vor der Halbzeit können wir froh sein, vielleicht nur mit drei Toren Rückstand in die Pause zu gehen. Das letzte Tor war da noch einmal wichtig.
In der zweiten Halbzeit bleibt es ein enges Spiel. Wir machen immer wieder ein, zwei kleine Fehler und kommen deshalb nicht näher heran. Wenn man in der 45. Minute mit fünf hinten liegt, dann muss alles funktionieren. Wir haben hinten Beton angerührt, auch weil wir in der ersten Halbzeit die Einsatzzeiten gut verteilt haben. Ein paar Spieler waren dann noch richtig frisch und konnten in der Abwehr noch einmal Power bringen. Wir konnten Lenny Rubin schonen und ihn in der entscheidenden Phase frisch bringen.
Taktisch hat uns das Sieben-gegen-Sechs ebenfalls geholfen. Zunächst machen wir ein, zwei Fehler, doch hinten raus treffen wir mit Niels auf der Mitte sehr gute Entscheidungen. Dann kippt das Momentum. Hannover tut sich in dieser Phase sichtlich schwer, unsere Abwehr zu knacken, und wir kommen Stück für Stück heran. Wichtig war, das Spiel nicht nur auszugleichen, sondern irgendwann auch in Führung zu gehen. Das ist uns gelungen.
Alles in allem bin ich überzeugt: Wir haben uns diesen Sieg über 60 Minuten verdient. Es war ein Spiel mit vielen Phasen und eine ganz tolle Leistung meiner Mannschaft.“
TSV Hannover-Burgdorf – TBV Lemgo Lippe 26:29 (15:12)
TSV Hannover-Burgdorf: Birlehm (1 P.), Gade (10/2 P.); Poulsen, Uscins 2, Heymann 1, Pedersen 8/5, Michalczik, Kothe, Edvardsson 4, Stutzke 1, Gudjonsson 5, Fischer 5, Feise, Weber
TBV Lemgo Lippe: Ebner (3 P.), Möstl (4 P.); Hutecek 1, Theilinger 2, Zehnder 3/2, O’Sullivan 1, Wanner 3, Carstensen, Nyfjäll, Willecke 4, Versteijnen 4, Valkovskis, Wagner 5, Rubin 6

