Corona sorgt für Boom im Online – Lebensmittelhandel

Smartphones, Bücher und Bekleidung kaufen die Verbraucher in Deutschland schon lange im Online-Handel. Doch bei Lebensmitteln machten viele noch einen Bogen um das Internet. Die Corona-Krise dürfte das nachhaltig ändern. Allerdings gibt es einen Haken.

Rolf Vennenbernd
Ein Mitarbeiter von Rewe Online packt Kisten in einen Lieferwagen
Foto: picture alliance / dpa / Archivbild / Symbolbild

Die Angst vor dem neuartigen Coronavirus beschert den Online-Lieferdiensten von Rewe, Picnic, Getnow bis zu Amazon Fresh ungeahnte Wachstumsraten. Doch die Sache hat einen Haken. Wer heute Lebensmittel online bestellt, muss oft wochenlang auf die Lieferung warten.

Die Folge: Die Zustellslots sind mittlerweile 14 Tage im Voraus ausgebucht. «Wir können nur einen kleinen Teil der Nachfrage abarbeiten. Dabei sind wir immer auf Volllast», sagte Eder. Die Zahl der Bestellungen habe sich schlagartig verdoppelt. Die Zahl der Neukundenanmeldungen sei in einigen Städten um 500 Prozent gestiegen.

Dabei hatte der Online-Händler, der sich seine Ware bei der Metro beschafft, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die stationäre Konkurrenz. So waren Toilettenpapier, Nudeln und Konserven zeitweise ausverkauft. Doch inzwischen sei die Zeit der Hamsterkäufe vorbei, sagte Eder. Den Bestellern gehe es mittlerweile offenbar weniger ums Hamstern, als darum, beim Lebensmitteleinkauf Kontakt zu anderen Menschen möglichst zu vermeiden. «Das hören wir viel von den Kunden.»

Bei dm müssen die Kunden aktuell ebenfalls ziemlich lange auf ihre Bestellungen warten. Der Chef der Drogeriemarktkette, Christoph Werner, sagte dem «Handelsblatt»: «Wegen der enormen Nachfrage ist die Lieferzeit kurzzeitig von zwei bis drei Werktagen auf neun bis zwölf Werktage hochgeschnellt.» Einen Testlauf zur Abholung bestellter Waren in der Filiale habe man ausgesetzt, «weil die Mengen in den Märkten explodierten».

Selbst Rewe kann den Kundenansturm in seinem Online-Shop nur mühsam schultern. Lieferfristen von ein bis zwei Wochen seien mittlerweile nicht ungewöhnlich, berichtete ein Unternehmenssprecher. Dabei ist Rewe mit seinem in 75 Städten verfügbaren Lieferservice einer der führenden Online-Lebensmittelhändler in der Bundesrepublik.

Und auch der US-Internetgigant Amazon muss dem Kundenansturm Tribut zollen. Auf der Homepage seines Lebensmittel-Lieferdienstes Amazon Fresh warnt der Konzern unübersehbar: «Sortiment und Lieferung können aufgrund erhöhter Nachfrage vorübergehend eingeschränkt sein.»

Dabei hatten die Verbraucher in Deutschland vor der Corona-Krise wenig Interesse am Kauf von Lebensmitteln im Internet. Eine Umfrage im Auftrag der Unternehmensberatung AlixPartners ergab im vergangenen Jahr, dass nur jeder vierte Verbraucher schon einmal Lebensmittel online bestellt hat. Damit standen im Heimatland der Discounter und genossenschaftlich organisierten Supermärkte Lebensmittel als Produktkategorie ganz am Ende der Online-Wunschliste. Als Hauptgrund gaben 54 Prozent der Kunden ihre Bedenken bezüglich Qualität und Frische der Waren beim Online-Einkauf an.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Online-Händler ihr aktuell größtes Problem in den Griff kriegen: die langen Lieferzeiten. «Lieferfristen von bis zu 14 Tagen sind viel zu lang. Das mag jetzt in der Krise funktionieren, weil es vielen Verbraucher darum geht, möglichst jeden Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden. Aber auf Dauer sind solche Wartezeiten nicht tragbar», sagte Heckmann.

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