
Lemgo. Die Mathematikerin Professorin Dr. Helene Dörksen hat gemeinsam mit ihrem Team vom Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe das von ihr weiterentwickelte Verfahren zur Geschlechtsbestimmung von Hühnerembryonen verbessert. Bei einer Treffergenauigkeit von 98 Prozent kann das Geschlecht nun ohne Beschädigung der Eischale bestimmt werden. Für die Embryonen fällt so ein Stressfaktor weg, für das Verfahren selbst ist es ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur industriellen Nutzung in Brütereien.
„Bisher mussten wir für den Einsatz der zeitaufgelösten laserinduzierten Fluoreszenzspektroskopie an einer kleinen Stelle des Eis den Kalk der Schale entfernen. Das war aufwendig und gleichzeitig ein erheblicher Stressfaktor für die Embryonen. Jetzt können wir die Eier mit unserer Methode unbeschädigt scannen“, so die Professorin. Noch stünden die Ergebnisse der Messreihen nicht endgültig fest. Doch vieles deute darauf hin, dass das verbesserte Verfahren ebenfalls sehr zuverlässige Daten liefere. „Damit kommen wir der industriellen Nutzung unseres Verfahrens einen entscheidenden Schritt näher“, sagt die Mathematikerin.
Verfahren nicht neu
Das Verfahren selbst ist nicht neu. Hochschulpräsident Professor Dr. Jürgen Krahl wandte die Messmethode für die Analyse von Kraftstoffen an. „In unserem Fall regt der Lichtstrahl geschlechtsspezifische Substanzen an, die anfangen zu leuchten. Und hier kommt die Mathematik ins Spiel. Über die von uns entwickelten Algorithmen können wir diese Reaktionen messen“, sagt Helene Dörksen.
Die frühzeitige Geschlechtsbestimmung ist für die Brütereien wichtig. Seit Anfang 2022 dürfen sie männliche Eintages-Küken nicht mehr töten. Das Verfahren erlaubt es den Betrieben, die männlichen Küken vor dem siebten Entwicklungstag im Ei auszusondern. So verlangt es das Gesetz. Ob die männlichen Küken dann getötet oder als zucht- und Masthähne genutzt werden, entscheidet der Betrieb.
Als nächsten Schritt plant Professorin Helene Dörksen mit ihrem Team ein größer angelegtes Forschungsprojekt, bei dem die Methode, für die sie längst ein Patent angemeldet hat, weiterentwickelt werden soll. Dafür will sie auch Fördergelder einwerben. Insgesamt, so schätzt sie, wird es wohl noch drei Jahre dauern, bis das Verfahren in den industriellen Brütereien flächendeckend eingesetzt werden kann.

