
Jede Blüte zählt –
Lippe. Der aktuell starke Rückgang heimischer Wild- und Honigbienen stellt ein großes Problem für Mensch und Ökosystem da. Gerade wurde in zahlreichen Studien festgestellt, dass nicht nur die vielzitierte Verwendung von Pflanzenschutzmitteln zum Bienensterben beiträgt. Neben einigen Milbenarten, haufenweise Monokulturen in der Landwirtschaft sind ständig zunehmende Flächenversieglung echte Bienenkiller. Besonders aber der Mensch.
Im den Gärten geht der Trend hin zu englischem Rasen, möglichst ohne Kräuter und ohne Blüten. Rundherum tote Gewächse, wie künstlich gedrechselte Hecken aus Nadelhölzern säumen den Rasen. Gabionen, in Körben zu Mauern gehäufte graue Steine, liegen voll im Trend und zieren Vorgärten. Die sind zwar pflegeleicht – aber auch nicht lebendig. Toter geht’s nicht. Dabei lässt sich besonders hier einiges tun, um der angeschlagenen Bienenpopulation wieder auf die Beine zu helfen. Jede Blüte zählt und tote Gärten sind dabei wenig hilfreich.Warum sind Bienen überhaupt so wichtig? Begegnen viele Menschen den kleinen bunten Tieren doch mit einer gewissen Skepsis. Ein Bienenstich ist unangenehm und kann bei Allergie sogar gefährlich werden. Allerdings stechen Bienen nur im größten Notfall und sind im Grunde sehr friedlich. Viel wichtiger ist das, was die Bienen für den Menschen tun.
Bienen gelten für uns als die drittwichtigsten Nutztiere, gleich nach Schwein und Rind. Sie erhalten die Vielfalt der Pflanzen, 75 % aller Nutzpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen. Mittlerweile werden Bienen weltweit über Land gefahren und ausgeliehen, nur um Nutzpflanzen zu bestäuben. Ein Millionengeschäft.
Ironischerweise sind es besonders die gleichen Monokulturen, die zwar auf die Bestäubung durch die Bienen angewiesen sind, ihnen aber durch den erheblichen Flächenverbrauch gleichzeitig die Lebensgrundlage entziehen. Sowohl alle Menschen als auch Tiere, die sich pflanzlich ernähren, sind somit maßgeblich auf die Bienen angewiesen. Ein Aussterben wäre eine ökologische Katastrophe und würde die Menschheit an den Rand ihrer Existenz bringen.

Aber was kann der einzelne Mensch tun, um den Bienen unter die Flügel zu greifen? Jeder der über einen eigenen Garten verfügt, sollte diesen bienenfreundlich bepflanzen. Steingebilde, Gabionen, englischer Rasen und Gewächse ohne nennenswerte Blüten machen den Bienen das Leben schwer. Leider geht der Trend in der Gartengestaltung aber in die falsche Richtung. Warum also nicht mal auf den akkuraten Rasenschnitt verzichten und dafür Wildblumen wachsen lassen? Sie blühen lange und liefern Bienen und Hummeln reichlich Nektar zur Ernährung. Auch Schmucklauch, Seidenpflanzen und Lavendel sind gut für die Bienen und lassen den Garten bunt erstrahlen. Obstbäume sind ein wahres Paradies für Bienen. Küchenkräuter blühen lange und schmecken gut. Für Mensch und Biene eine Win/Win Situation. Generell sind Blumen mit ungefüllten Blüten besser für die Bienen zugänglich.Auch wer über keinen eigenen Garten verfügt, kann etwas tun. Auf dem Balkon lassen sich Sonnenblumen anpflanzen, Küchenkräuter wachsen auch hier. In Kästen auf der Fensterbank gedeihen Blumen. Mit relativ einfachen Mitteln kann man ein Hochbeet anlegen. Auf Freiflächen kann man Samenkugeln abwerfen. Diese bestehen zumeist aus Erde, Ton und dem Samen heimischer Pflanzen. Wildbienen leben meist nicht in Staaten, sondern alleine. Daher fehlt es ihnen oft an Nistplätzen, denn die hiesigen Wälder geben immer weniger Lebensraum her. Hier kann man mit kleinen und großen Insektenhotels Abhilfe schaffen und den Wildbienen einen Brutplatz geben. Bienen legen auf ihren Flügen unglaubliche Strecken zurück und müssen dabei trinken. In ganz flachen Gefäßen hingestelltes Wasser ist wie ein kleiner Swimmingpool für die Bienen, in dem sie sich stärken können. Es sollte natürlich so flach sein das die Insekten nicht darin ertrinken können. Am besten legt man kleine Moosinseln oder Steine als Landplätze in das Gefäß. Sogar entkräftete Bienen und Hummeln lassen sich mit einer Zuckerlösung wieder aufpäppeln und flugfähig machen. Träufelt man die Lösung neben das Insekt, saugt es diese meist von selber auf und holt sich Energie zurück. Dabei muss aber auf die Zusammensetzung geachtet werden. Auf jeden Fall sollte mit dem Einsatz jeglicher Pestizide im eigenen Garten sorgsam umgegangen werden. Auch der Kauf von Biolebensmitteln hilft den Bienen, denn diese dürfen nicht gespritzt werden. Honig sollte, wenn möglich, beim heimischen Imker gekauft werden. Das hilft nicht nur den Bienen in der Region.

