Flensburg. Der TBV Lemgo Lippe musste sich am Samstagabend beim Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt mit 30:38 (17:21) geschlagen geben und trat die Heimreise ohne Zählbares an. Nach einem überzeugenden Beginn der Lipper nutzten die Gastgeber im weiteren Spielverlauf nahezu jeden Fehler konsequent aus und ließen sich auch von einer zwischenzeitlichen Aufholjagd des TBV nicht aus dem Konzept bringen.
Bildquelle: RedaktionPersonell gab es vor der Partie Licht und Schatten: Bobby Schagen fiel nach einer im Training erlittenen Verletzung aus, während Lukas Hutecek nach Rückenproblemen wieder zum Kader gehörte, zunächst jedoch auf der Bank Platz nahm. Erstmals stand zudem der 17-jährige Anton Kracht aus dem Team HandbALL im Aufgebot. Auch Sadik Herseklioglu und Len Kehrmann waren erneut Teil des Kaders.
Bei bestem Sommerwetter schien die SG zunächst noch nicht bereit für den nächsten Ligakampf. Sowohl auf der Tribüne als auch auf dem Feld dominierten die Lemgoer. Vor zahlreichen freien Plätzen in der ausverkauften GP Joule Arena ging Kapitän Tim Suton voran und ebnete mit zwei schnellen Toren den Weg zur frühen 3:1-Führung der Lemgoer (6.). Auch in der Abwehr bekam der TBV die Offensivmaschine Flensburg-Handewitt gut in den Griff: Constantin Möstl starte mit zwei Paraden stark in die Begegnung. Doch die Lipper verpassten es noch mehr Profit aus der schläfrigen Anfangsphase der Hausherren zu ziehen. Niels Versteijnen trat bei seinem Wurfversuch in den Kreis, Leve Carstensen unterlief ein unnötiges Offensivfoul. Nach einer fragwürdigen Zeitstrafe gegen Frederik Simak, der unglücklich mit SG-Spieler Blagotinsek zusammengestoßen war, kam die SG in Überzahl stattdessen zum 3:3-Ausgleich (8.). In der Folge verlor der TBV die Geduld der Anfangsphase und musste mit ansehen, wie die SG jeden noch so kleinen Fehler eiskalt bestrafte. Mit einem 4:0-Lauf erkämpften sich die Flensburger die Führung zurück (17., 9:11). TBV-Trainer Florian Kehrmann reagierte mit einer Auszeit und half seinem Team vorerst wieder in die Spur. Zwar fehlte den Lippern hinten weiterhin der Zugriff der ersten zehn Minuten, im Angriff hatten sie jedoch immer die passende Antwort parat: Adam Nyfjäll war es, der das Spiel nach 23 Minuten wieder zum Unentschieden traf (14:14). Doch die Begegnung kippte nun zusehends in die Hände der Hausherren, die längst voll im Spiel angekommen waren und das Tempo vor der Pause noch einmal gnadenlos erhöhten. Mit einem 3:0-Lauf schraubte Emil Jakobsen das Ergebnis mit einem weiteren Tempotor zum 15:19 (26.) in die Höhe. Der stark aufspielende Simon Pytlick erhöhte 30 Sekunden vor der Pause sogar auf fünf Tore (29., 16:21), Carstensen konnte jedoch vor der Halbzeitsirene noch einmal verkürzen.
Mit einer Vier-Tore-Hypothek und dem Gefühl, dass dieses Ergebnis bislang zu hoch ausfiel, startete der TBV in Abschnitt zwei. Urh Kastelic, der für den glücklosen Möstl ins Spiel gekommen war, fügte sich mit zwei starken Paraden ein.
Drei Willecke-Tore in Folge ließen beim TBV früh wieder Hoffnung aufkeimen (35., 20:22). Als Hendrik Wagner nach sechs Minuten im zweiten Abschnitt zum 22:22-Ausgleich traf und Willecke mit einem weiteren Treffer sogar für die Führung sorgte (39., 23:22), verstummte die GP Joule Arena vorübergehend. Was zu diesem Zeitpunkt niemand ahnte: Es folgten elf lange torlose Minuten für den TBV Lemgo Lippe. Erst nach 50 Minuten war es Niels Versteijnen, der den 7:0-Lauf der Nordlichter beendete und im Sieben-gegen-Sechs zum 24:29 traf. Doch die SG hatte auch auf diese Lemgoer Variante stets die passende Antwort und schraubte die Führung mit Toren ins leere Gehäuse der Lipper weiter in die Höhe (53., 26:33). Der TBV versuchte weiterhin viel, scheiterte jedoch immer häufiger am stark aufgelegten SG-Keeper Benjamin Buric, der 13 Paraden und eine Quote von 45% gehaltenen Bällen zum verdienten, wenngleich auch in der Höhe nicht ganz dem Spielverlauf entsprechenden, 30:38-Heimsieg der Flensburger beitragen sollte. Bester Lemgoer Werfer war mit neun Toren Tim Suton.
In der Tabelle stehen die Lemgoer dank des besseren Torverhältnisses nun punktgleich (36:26) mit der MT Melsungen auf Rang 6. Für den TBV geht es nach der Nationalmannschaftspause am 22. Mai (19 Uhr) mit einem Auswärtsspiel beim ThSV Eisenach weiter, bevor am 3. Juni der SC DHfK Leipzig zum letzten Heimspiel der Saison in der Phoenix Contact-Arena gastiert.
Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Wir haben heute in meinen Augen alles reingepackt beim schweren Auswärtsspiel in Flensburg. Wir hatten Anfang der ersten Halbzeit und der zweiten Halbzeit wirklich sehr gute Phasen, wo wir Flensburg vor viele Probleme gestellt haben. Aber leider muss in so einem Spiel auswärts bei einem Topverein immer alles passen. Dann machen wir ein paar Fehler zu viel, dann fehlt hinten vielleicht auch ein bisschen die Kraft. Trotzdem glaube ich, dass die Niederlage vom Ergebnis ein bisschen zu hoch ausfällt. Die Leistung war wirklich zufriedenstellend, und darauf werden wir weiter aufbauen. Jetzt gilt es, einmal durchzuschnaufen in der Nationalmannschaftspause, und dann werden wir mit Vollgas in die letzten drei Bundesliga-Spiele gehen.“
SG Flensburg-Handewitt – TBV Lemgo Lippe 38:30 (21:17)
SG Flensburg-Handewitt: Buric (13 P.), Möller K. (2 P.); Pytlick 8, Golla 5, Kirkelökke 5, Grgic, Faljic, Tönnesen, Horgen, Volz 1, Jakobsen 6/2, Knutzen, Blagotinsek, Novak 6, Möller L. 7
TBV Lemgo Lippe: Möstl (3 P.), Kastelic (5 P.); Hutecek, Theilinger, S. Zehnder 1/1, Simak, Carstensen 1, Nyfjäll 1, Suton 9, Willecke 4, Versteijnen 7, Wagner 5, Faust 2, Herseklioglu, Kehrmann, Kracht


