30:35 in Lissabon: Zu oft fehlt der letzte Zugriff


Lissabon, 15. Februar 2022. Nach einem lange Zeit völlig offenen Schlagabtausch verkauft sich der TBV Lemgo Lippe im zweiten Durchgang etwas unter Wert: Bei Benfica Lissabon lassen sich bis dato offensiv gefällige Lipper in der letzten Viertelstunde den Schneid abkaufen und müssen in eine 30:35 (15:15)-Niederlage einwilligen.

Mit 30:35 (15:15)-Toren unterlag der TBV ein Lissabon. Hier eine Szene aus dem Hinspiel in Lemgo.

Obwohl seine Mannschaft zum Ende hin beste Chancen ausließ, lag für TBV-Trainer Florian Kehrmann das große Problem an diesem Abend in der Deckung: „Der letzte Zugriff hat heute einfach gefehlt. Wir haben es nicht geschafft, um den großen Kreisläufer zu arbeiten und so letztendlich verdient verloren.“
Beide Teams, die vor diesem Duell jeweils Prestigeerfolge im Ligabetrieb feiern konnten, lieferten sich von Minute eins an ein munteres Scheibenschießen auf Augenhöhe. Gegenüber dem Lübbecke-Spiel konnte Kehrmann auf sein wiedergenesenes Kreisläuferduo um Gedeón Guardiola und Michel Reitemann zurückgreifen, das anfangs jedoch erst einmal auf der Bank platznahm. Frederik Simak vertrat das Gespann vor allem im Angriff zunächst vorzüglich: In der 6. Minute bescherte er mit seinem bereits dritten Treffer die erste Zwei-Tore-Führung zum 5:3. Zwar hatten die im weiß-blauen Auswärtsdress spielenden Lipper die stets lauernden Schwergewichte am Kreis zunächst im Griff, verpassten stattdessen aber oftmals den Moment, die portugiesischen Rückraumschützen rechtzeitig unter Druck zu setzen. So kam Benficas Peter Djordjic, mit vier Toren bester Schütze seines Teams in Hälfte eins, zum 6:6-Ausgleich. Dennoch blieb der deutsche Pokalsieger dran: Nach Simaks viertem Tor verfehlte zunächst Benficas eingelaufener Linksaußen Jonas Källmann per Dreher den Lemgoer Kasten, sodass Jonathan Carlsbogård per Sprungwurf nach 13 Minuten erneut auf plus zwei stellte (9:7).


Obwohl Peter Johannesson gleich zweimal seinen Kasten sensationell gegen Källmann verriegelte, kamen die Hausherren abermals zum Ausgleich. Um die Kräfte bestmöglich zu verteilen, ließ Kehrmann schon früh rotieren: Neben Gedeón und Isaias Guardiola verschaffte auch Niko Blaauw TBV-Dauerbrenner Carlsbogård im Angriff kleinere Verschnaufpausen. Im Innenblock hatten Lemgos schwedischer Goldmedaillengewinner und Gedeón Guardiola gegen Benficas eingewechselten Rogeiro Moares derweil Schwerstarbeit zu vollrichten. Dem Ausgleich zum 10:10 ging dennoch ein grenzwertiger Einsatz gegen Bobby Schagen voraus. Trotz Unterzahl markierte der Gastgeber in der 23. Minute erstmals die Führung. Den langen Ball Johannessons in Richtung des verwaisten Tores wusste Benficas Demis Grigoras kurz darauf nur mit einem regelwidrigen Absprung im Kreis zu verhindern. Elísson verwandelte den fälligen Strafwurf zum 12:12. Mit einem Remis ging es auch leistungsgerecht in die Halbzeit: Tim Suton hatte das letzte Wort für die Lipper.


Nach dem Seitenwechsel brachten zunächst Cederholm und Carlsbogård den TBV mit jeweils einem Tor zunächst in Front. Trotzdem fanden die Portugiesen zunehmend besser ins Spiel: Einen 3:0-Lauf vollendete Ole Rahmel zum 17:19. Als dem TBV das Spiel aus der Hand zu gleiten schien, kam Finn Zechers starke Einstandsparade gegen Alexis Borgis gerade recht. Die Gäste schöpften neuen Mut: Gedeón Guardiola veredelte die erste Welle zunächst zum 24:24 in der 43. Minute. Nach Sutons wuchtigem Ausgleich zum 25:25 brach die Schlussviertelstunde an, in der die Lipper Benfica-Keeper Sergey Ferrer zum Helden des Abends warfen. Nachdem der TBV die Chance verpasst hatte, nach aussichtsreicher Situation ein drittes Mal auszugleichen und im Gegenzug das 25:27 kassierten, eilte Benfica Lissabon in den Schlussminuten uneinholbar davon. Florian Kehrmann fasste die vorentscheidende Phase in der mit 250 Zuschauern spärlich besetzten Pavilhão da Luz nach Spielende so zusammen: „Wir haben grundsätzlich gut Angriff gespielt, leider Gottes in der zweiten Halbzeit viel zu viele freie Bälle verworfen und so eigentlich dann auch keine Chance gehabt, das Spiel zu gewinnen.“


Sein nächstes Spiel in der European League hat der TBV in exakt einer Woche, am 22. Februar, zu bestreiten: Dann gastiert der französische Spitzenklub und Gruppendritte HBC Nantes in der Phoenix Contact-Arena, der sein Heimspiel am Abend gegen die Riihimäki Cocks mühelos mit 36:25 gewann.


TBV Lemgo Lippe: Johannesson, Zecher; Elísson (9/3), Kogut (1), I. Guardiola, Simak (4), Carlsbogård (7), Schagen, Schwarzer, Suton (6), Zerbe, G. Guardiola (1), Cederholm (2), Reitemann, Blaauw