Bravouröse Fechtleistung

Erst Gegner auf der Fechtbahn - dann Freundschaft geschlossen: Olympiasiegerin 2016, Chloe Esposito (26/Australien/links) und Viktoria Ahaus (16/ TV Lemgo/rechts), die Siegerin in diesem Fecht-Zweikampf.
Erst Gegner auf der Fechtbahn – dann Freundschaft geschlossen: Olympiasiegerin 2016, Chloe Esposito (26/Australien/links) und Viktoria Ahaus (16/ TV Lemgo/rechts), die Siegerin in diesem Fecht-Zweikampf.

Drzonkow/Polen. Für die Moderne Fünfkämpferin Viktoria Ahaus (16/TV Lemgo) endete das Sportjahr 2017 mit besonderen Erfahrungen. Wenige Tage vor Weihnachten bestritt sie im polnischen Leistungszentrum Drzonkow ihren dritten Auslandswettkampf und traf dabei überraschend auf einen großen Teil der Damen-Fünfkampf-Weltelite, die diesen Wettkampf als Vorbereitung für die anstehenden Welt-Cups nutzten.

Im dem Feld von 41 ausnahmslos international erfahrenen und erfolgreichen sowie wesentlich älteren Fünfkämpferinnen, startete die 16-jährige Lipperin als “Underdog” , – jung, – international unerfahren und unbekannt. Erneut war es ihre große Qualität im Fechten und Reiten, die den Grundstein für ein besonderes Erfolgserlebnis legte. Der Status “unbekannt” änderte sich recht schnell, nachdem Viktoria Ahaus in der ersten Disziplin ‘Fechten’ gleich im ersten Gefecht die 10 Jahre ältere Olympiasiegerin (2016) aus Australien besiegt hatte und sich dann mit 24 weiteren Siegen, u.a. gegen die Europameisterin, die Weltrekordhalterin (M5K-Fechten), einige Olympiateilnehmer und weitere international erfolgreiche Damen, sensationell einen Platz unter den Top-Ten ( Platz 8 ) erfochten hatte. Nur zwei Stunden nach dem Fechtmarathon mit 37 Degen-Gefechten erfolgte bereits der Start über die anspruchsvolle 200 m Schwimmdistanz, bei der Ahaus mit einer neuen persönlichen Bestzeit aufwartete. Das folgende Reiten auf den fremden, zugelosten Pferden sorgte einige Stunden später für große Spannung : Die erfahrene Olympiasiegerin mußte im Springparcours gleich zwei Verweigerungen plus Abwurf , die Europameisterin sowie zwei weitere Olympiateilnehmerinnen nach einigen Fehlern sogar den Abbruch ihres Springdurchgangs hinnehmen. Trotz dieses Auftaktes und Ihrem ersten Reiteinsatz in einem “Senioren-Parcours”, behielt die junge Lemgoer Reiterin die Nerven und absolvierte die anspruchsvollen Aufgabe souverän. Ein Top-Reitergebnis mit 293 von 300 möglichen Punkten sicherten ihr vor der letzten Disziplin, dem Biathlon aus Laufen und Pistolenschießen, einen hervorragenden Platz 7, noch vor der Olympiasiegerin (Platz 8) und weit vor der Europameisterin (Platz 21).

 

Im finalen Rennen über 4 x 800m Laufen / 4 x Schießen zeigte sich dann aber der Altersunterschied und die vielen Jahre Trainingsvorsprung der Spitzenathletinnen. Olympiasiegerin Chloe Esposito (Australien) zeigte eine Weltklasseleistung im Laufen und Schießen, lief von Platz 8 auf 1 und damit als Gesamtsiegerin ins Ziel. Ahaus mobilisierte in dieser letzten Disziplin nochmals alle Kräfte und gab gegen die wesentlich ältere Elite nur noch drei Plätze ab. Erschöpft aber überglücklich kam sie auf dem hervorragenden 11. Platz ins Ziel, erstaunliche 7 Plätze vor der amtierenden Europameisterin (18.) und vor vielen “Internationalen”. Für die junge Lemgoerin der größte Erfolg ihrer jungen Sportkarriere und eine wichtige Erfahrung auf ihrem weiteren Weg.