Gute Leistung, aber keine Punkte!

Vier Tore gelangen Christian Klimek im Spiel gegen Magdeburg.

Lemgo. Lange ist das Spiel sehr viel knapper gewesen als das Ergebnis vermuten lässt: Der TBV Lemgo Lippe verliert sein Heimspiel gegen den SC Magdeburg mit 24:32 (Halbzeitstand 15:12).


Lemgoer Heimspiele gegen Magdeburg waren in den letzten beiden Jahren nichts für schwache Nerven: Vorletzte Saison gab es ein Unentschieden, letzte Saison eine haarscharfe 22:23-Niederlage für den TBV und auch dieses Mal sollte es eine heiße Kiste werden. Der TBV Lemgo Lippe führte lange gegen die favorisierten Gäste aus Magdeburg und ging sogar mit einer 3-Tore-Führung in die Halbzeit. Am Ende aber hatte der SCM den längeren Atem und die geringere Fehlerquote.


Zum ersten TBV-Heimspiel in der LIQUIMOLY-Handball-Bundesliga-Saison 2019/2020 kamen 3652 Zuschauer in die Phoenix Contact Arena und die machten von Beginn an Stimmung. Aus dem Lemgoer Fan-Block kam lautstarkes Getrommel, weiß-blaue TBV-Fahnen wehten und aus dem Gästeblock schallten laute SCM-Rufe. Schon vor dem Anpfiff hielt es die meisten Zuschauer nicht auf ihren Sitzen. Die Lemgo-Fans begrüßten ihre Mannschaft mit Standing Ovations.


Auch die beiden Teams kamen schnell in Fahrt. Sowohl der TBV Lemgo Lippe als auch die Gäste aus Magdeburg gingen ein hohes Tempo, schalteten blitzschnell von Angriff auf Abwehr um und zwangen den Gegner ins Positionsspiel. Zu einfachen und schnellen Toren kam in der Anfangsphase keine der beiden Mannschaften. Der TBV startete mit Wyszomirski, Schagen, Cederholm, Baijens, van Olphen, Elísson und Klimek. Mit einer geschickten Drehung setzte sich TBV-Neuzugang Andreas Cederholm auf Halbrechts als Erster durch und machte das 1:0 für Lemgo. Lemgo setzte im Angriff auf viel Tempo, lief immer wieder Wechsel und brachte die Abwehr der Gäste ordentlich in Bewegung. Cederholm nutzte die Lücken, genauso wie van Olphen. Magdeburg dagegen vertraute auf seine Wurfgewalt aus dem Rückraum. Steinert, Bezjak und Damgaard taten sich zunächst schwer mit der Lemgoer Abwehr, fanden aber dennoch den Weg zum Tor. Nach knapp zehn Minuten lag der SCM mit 7:4 vorn. Die Lemgoer ließen sich davon wenig beeindrucken, ackerten weiter in der Deckung und spielten vorne weiter mit viel Bewegung. Klimek vom Kreis, Baijens mit einem beherzten Sprung durch die massive Magdeburger Deckung und Schagen per Gegenstoß machten mit ihren Treffern das Spiel wieder offen. Der TBV war beim 7:7 auf Augenhöhe. Baijens kassierte kurz darauf seine zweite 2-Minuten-Strafe, doch auch das steckten die Lemgoer gut weg. Magdeburg schaffte es in Überzahl und trotz einem Treffer ins leere Tor des TBV nicht sich abzusetzen.


Es waren die Lemgoer, die die Gunst der Stunde nutzten. Ein Doppelschlag der beiden Außen Schagen (per 7m) und Elísson sorgte für die erste zwei-Tore-Führung der Lipper. In Angriff und Abwehr lief es auf in dieser Phase für den TBV: Wyszomirski machte das Tor hinten dicht und vorne gelangen den Lemgoern jetzt die einfacheren Tore. Dazu fing Guardiola in der Abwehr noch den ein oder anderen Ball ab und stand es, zur Überraschung vieler Zuschauer, zur Halbzeit 15:12 für den TBV Lemgo Lippe.


Die Lemgoer Fans witterten eine Sensation und noch zu Beginn der zweiten Hälfte stand die Chance dafür sehr gut. Der TBV schaffte es noch lange die Gäste auf Abstand zu halten. Der SCM fand allerdings mehr und mehr zu seiner Form und holte langsam aber sicher Tor um Tor auf. Auf Lemgoer Seite häuften sich dagegen die Fehler, vor allem im Angriff. Hier ein Fehlpass, da ein Stürmerfoul und Magdeburg war wieder im Rennen. In der 44. Minute machte Kuzmanovski per Tempogegenstoß den Ausgleich für den SCM.


Was bei Magdeburg nun besser funktionierte, wollte bei Lemgo nicht mehr klappen. Sowohl im Angriff als auch in der Abwehr lief es nicht mehr rund bei den Hausherren. Der SCM eroberte die Führung und drehte das Spiel. Spätestens jetzt zeigten die Gäste, warum sie vor dem Spiel als Favorit galten. Das eingespielte Team der Magdeburger ließ vorne wie hinten nichts mehr anbrennen. Lemgo kämpfte dagegen mit Stürmerfouls und Pfostentreffern. Am Ende waren es ein paar Gegentreffer zu viel, der Sieg der Magdeburger aber ging völlig in Ordnung. SCM-Trainer Bennet Wiegert zollte den Lemgoern Respekt, lobte aber auch seine Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit nicht das Vertrauen in sich selbst verlor und das Spiel noch in dieser Höhe für sich entschied.


Für TBV-Trainer Florian Kehrmann fiel das Ergebnis etwas zu deutlich aus: „Unsere Leistung war nicht so schlecht, dass wir mit acht Toren verlieren mussten. Wir hatten uns gut auf Magdeburg eingestellt und sind mit einer 3-Tore-Führung in die Halbzeit gegangen. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel dann aus der Hand gegeben. Wir haben zu viele Fehler gemacht und waren dann zu unsicher. Aber wir können auf dieser Leistung aufbauen. Ich habe mich heute auch sehr über das Publikum gefreut, dass die Mannschaft so gut unterstützt hat.“


TBV Lemgo Lippe: Johannesson, Wyszomirski; Elísson (6), Guardiola (2), van Olphen (2), Theuerkauf (1), Schagen (4/2), Suton (1), Zerbe, Cederholm (2), Hangstein, Reimann, Klimek (4), Baijens (2)