Weitere Turnierüberraschung: Humbert schlägt Zverev

Viertelfinale auch für Sebastian Korda, Lloyd Harris sowie Nikoloz Basilashvili

HalleWestfalen. Alexander Zverev (ATP 6) hat seine Titelträume bei den 28. NOVENTI OPEN begraben müssen: In einem spannungsgeladenen Centre Court-Duell unterlag der deutsche Spitzenspieler dem herausragend auftrumpfenden Franzosen Ugo Humbert (ATP 31) mit 6:7 (4:7), 6:3 und 3:6 und musste seine Hoffnungen auf einen Pokalgewinn bei einem seiner erklärten Lieblingsturniere zunächst vertagen. Auch ein Feuerwerk von 20 Assen reichte nicht, um den glänzend aufgelegten Humbert zu erschüttern – auch auf dem Tennis-Spielfeld hatte Frankreich gegen Deutschland die Nase knapp vorn. „Ich konnte nicht viel besser machen gegen ihn. Er hat mich am Ende wirklich ausgespielt, das war unglaublich von ihm“, sagte der 24-jährige Hamburger, der ankündigte, noch für ein paar Trainingstage in HalleWestfalen bleiben zu wollen: „Danach werde ich direkt nach Wimbledon fliegen.“

Sebastian Korda, Sohn des früherem Australian Open –Champions Petr Korda, sicherte sich durch einen kämpferischen Sieg gegen Japans Ass Kei Nishikori einen Platz in der Runde der letzten Acht. © NOVENTI OPEN/Mathias Schulz

Zverev kämpfte, rackerte, probierte alles, vollführte sogar mehrere Hechtsprünge a la Boris Becker, doch die Niederlage konnten die artistischen Einlagen und ein kraftvolles Aufbäumen nach dem verlorenen Auftaktsatz nicht verhindern. „Es war sicher eins meiner besten Spiele jemals auf Rasen. Ich habe mit dem nötigen Selbstbewusstsein und guten Nerven gespielt“, sagte Humbert, der nun im Viertelfinale auf den 20-jährigen US-Amerikaner Sebastian Korda trifft. Der Sohn des früheren Australian Open-Champions Petr Korda setzte sich in einer verbissen geführten Centre Court-Auftaktpartie am Donnerstag mit 2:6, 6:3 und 7:5 gegen Japans Ass Kei Nishikori durch. Ins Viertelfinale rückte auch der Südafrikaner Lloyd Harris (ATP 51) vor, der Qualifikant Lukas Lacko (Slowakei/ATP 214) mit 6:3 und 7:6 (10:8) bezwang. Harris bekommt es in der Runde der letzten Acht nun mit dem Georgier Nikoloz Basilashvili (ATP 30) zu tun, der in der letzten Centre Court-Partie des Donnerstags den Franzosen Arthur Rinderknech (ATP 119) mit 6:2 und 7:5 schlug.

Die Partie zwischen Zverev und Humbert war geprägt von typischem Rasentennis – mit starken Aufschlägen von beiden Akteuren, auch Humbert landete zehn Asse. Und mit schnellen, unbarmherzigen Grundlinienduellen, bei denen der Franzose ein ums andere Mal das bessere Ende für sich hatte. Zverev, der 24-jährige Hamburger, schüttelte oft verblüfft den Kopf. Es war auch kaum zu glauben, aus welchen Winkeln und mit welcher Wucht Humbert Siegpunkte von seinem Racket zauberte. So eng verlief das Geschehen, dass sich die erste Breakchance erst nach 51 Minuten für einen der beiden Spieler bot – in diesem Fall für Zverev, der sich damit die 2:0-Führung im zweiten Satz verschaffte. Der Deutsche, der vor dem Turnier gesagt hatte, er wolle hier „unbedingt wenigstens ein Mal in meiner Karriere gewinnen“, konnte dann auch zum 1:1 nach Sätzen ausgleichen – der verlorene Tiebreak-Auftaktdurchgang war damit wettgemacht.

Aber wie in jenem Satz hatte Zverev auch im dritten und letzten Akt wieder den Führungen von Humbert hinterher zu laufen – und stand dabei permanent unter größerem Druck. Bei einem 1:2-Rückstand und nach 92 Minuten Spielzeit musste der Weltranglisten-Sechste den ersten Breakball gegen sich zulassen, und die Chance ließ sich Humbert nicht entgehen. Es stand 1:3 aus Zverevs Sicht, und dieses Defizit konnte er nicht mehr ausgleichen, trotz aller Bemühungen, trotz aller Leidenschaft. Bevor Humbert bei 5:3-Vorsprung zum Matchgewinn servierte, hatten beide Spieler genau 84 Punkte gewonnen – Indiz dafür, wie knapp es auf dem hitzedurchfluteten Centre Court bei weit über 30 Grad zuging. Nach einer Stunde und 51 Minuten verwandelte Humbert schließlich den ersten Matchball und ging als verdienter Sieger vom Platz. „Ich habe kein Problem damit, diese Niederlage zu akzeptieren. Das ging einfach okay so“, sagte Zverev.