Liga-Auftakt missglückt: 26:30 gegen Gummersbach

Lemgo, 01. September 2022. „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu“, so oder so ähnlich ließe sich der Lemgoer Saisonauftakt vor 2590 Zuschauern in der Phoenix Contact-Arena zusammenfassen. Ein ums andere Mal dem Turnaround nahe, blieb dem TBV Lemgo Lippe beim 26:30 (12:13) gegen den VfL Gummersbach über die gesamte Spielzeit eine Führung verwehrt.

Tim Suton blieb ein Treffer im Spiel gegen Gummersbach verwehrt. Foto: Matthias Wieking

Zum Spiel: Pünktlich um 19.05 Uhr pfiff Schiedsrichter Christian vom Dorff in der Phoenix Contact-Arena die 40. Lemgoer Bundesliga-Saison in Folge an. Den besseren Start erwischten allerdings die Gäste aus Gummersbach, deren Anhang in der Kurve vom Anwurf an mächtig Rabatz machte. Den Bundesliga-Rückkehrer schien dies zusätzlich zu beflügeln, der mit einem Doppelpack von dessen Strippenzieher Dominik Mappes gleich mal vorlegte. TBV-Neuzugang Nils Versteijnen eröffnete im zweiten Anlauf zwar den Lemgoer Torreigen, doch aus dem Positionsspiel verliefen die meisten Angriffsvorträge der Lipper recht holperig. Klare Wurfchancen blieben zunächst Mangelware. Obwohl auf der Gegenseite ebenfalls nicht alles gelang, hatte der quirlig und beherzt aufspielende Aufsteiger auch das Abschlussglück zunächst auf seiner Seite. Sinnbild war das Tor von Gummersbachs Julian Köster, der in Minute 13 einen „Doppelpass“ mit dem Pfosten spielte und schließlich TBV-Keeper Urh Kastelic zum 5:7 überwand.

Nachdem Florian Kehrmann die erste Auszeit erbeten hatte, folgte die bis dato beste Phase: Erst verkürzte Emil Buhl Laerke mit Schmackes aus dem Rückraum, dann bewies TBV-Kreishüne Jan Brosch nach schönem Assist von Isaias Guardiola die nötige Kaltschnäuzigkeit und traf zum umjubelten 7:7 (16.). Nach einer Kastelic-Parade bot sich Gedeón Guardiola kurz darauf die große Chance zur ersten Führung, doch VfL-Schlussmann Tibor Ivansevic bekam den linken Oberschenkel dazwischen. Nachdem der Gummersbacher Shootingstar Miro Schluroff seinem Team erneut die Führung beschert hatte, hatten die in Unterzahl spielenden Lipper zunächst Glück, als Ivansevic das leere Tor verfehlte – zum 8:10 trafen die Gäste kurz darauf trotzdem.

Obwohl taktische Kniffe wie ein zweiter Kreisläufer oder einlaufende Außen die Gästeabwehr nicht in Verlegenheit bringen konnten, biss sich der TBV zusehends ins Spiel – auch dank eines nun überragend aufgelegten Kastelic. Leider traf auch der zweite Lemgoer Strafwurf in dieser Phase nicht ins Ziel. Aber der TBV war jetzt drin: I. Guardiola glich mit etwas Glück und Schlitzohrigkeit zum 12:12 aus. Obwohl der Lemgoer Innenblock um G. Guardiola und Brosch den Kreis kehrte, verschaffte sich Gummersbach zur Pause mit einem Tor Luft.

Nach der Pause bot sich den Lemgoer Fans ein unverändertes Bild: Gummersbach legte vor, der TBV versuchte nachzuziehen. Als Tom Jansen für den Aufsteiger die erste Drei-Tore-Führung markierte (14:17), entzündete Laerke mit einem Doppelpack zunächst „Danish Dynamite“, ehe Samuel Zehnder mit seinem zweiten Treffer den Anschluss herstellte. Doch wie schon im ersten Durchgang schlug das Pendel nicht in Gänze zugunsten der Lipper aus. Mindestens zwei Tore galt es über weite Strecken des zweiten Durchgangs aufzuholen – daran änderte leider auch die starke wie umjubelte Siebenmeter-Parade von Geburtstagskind Finn Zecher (22 Jahre) in der 49. Minute nichts.

Auch in der Crunchtime erwies sich auf drei Tore angewachsene Hypothek gegen den euphorisierten Aufsteiger als zu hoch. Als Gummersbachs Dominik Mappes fünf Minuten vor dem Ende zum 23:27 traf, glich dies der Vorentscheidung. Mit offener Manndeckung stemmten sich die Hausherren gegen die Niederlage, Zehnder stockte noch sein Torekonto auf. Doch spätestens, als Lukas Hutecek einen Lemgoer Ballgewinn nur an den Pfosten setzen konnte, wusste jeder um den Ausgang des Spiels.

TBV-Trainer Florian Kehrmann: „Die zwei Punkte gehen heute verdient an Gummersbach. Es fehlte von allem immer ein bisschen. Man könnte es an vielen Dingen festmachen. Man sieht aber auch, dass wir noch nicht die Automatismen und daher ein noch wackeliges Gebilde haben. Das wird uns erst einmal weiter begleiten. Wir werden hart arbeiten, das haben wir auch beim Euro-League-Spiel gesehen. Es gibt Phasen, wo wir den Gegner an die Wand spielen und tollen Handball spielen und dann auch wieder Phasen, wo wir einfache Fehler machen. Die müssen wir versuchen, möglichst klein zu halten. In der Bundesliga – das muss jedem klar sein – gibt es in diesem Jahr keinen klaren Absteiger und auch keinen, gegen den man nicht gewinnen kann. In jedem Spiel müssen wir unsere Leistung bringen. Heute war es nicht gut genug.“

TBV Lemgo Lippe: Zecher (3 Paraden), Kastelic (7 Paraden); Hutecek (2), Zehnder (6/2), Brosch (4), I. Guardiola (4), Simak, Laerke (3), Schagen (1), Blaauw, Schwarzer, Suton, Zerbe, Versteijnen (4), G. Guardiola (2)