Lemgo, 15. September 2022. Kaum einer glaubte noch an einen Punkterfolg. Dann wurde es wenige Minuten vor dem Ende doch noch einmal knapp. Beim Bergischen HC lief der TBV Lemgo Lippe am Donnerstagabend das gesamte Spiel über einem Rückstand hinterher und musste schlussendlich am 4. Spieltag der LIQUI MOLY Handball-Bundesliga in eine verdiente 28:32 (13:17)-Auswärtsniederlage einwilligen. „Der BHC hatte heute einfach mehr Wille, dieses Spiel gewinnen zu wollen“, konstatierte TBV-Coach Florian Kehrmann anschließend gewohnt realistisch und fair.

Kian Schwarzer und der TBV mussen in eine 28:32-Niederlage beim BHC einwilligen.

Zum Spielverlauf: Ein hohes Tempo und großer Energieaufwand prägten bereits die Anfangsphase der Partie. Der BHC stellte – mit einem gut aufgelegten Ex-Lemgoer Peter Johannesson im Rücken – eine sehr griffige und kompakte Defensivformation. Nach Ballgewinnen schalteten die Gastgeber gut um und kamen regelmäßig zu Toren aus der ersten und zweiten Welle. Auf Lemgoer Seite funktionierten offensiv zunächst vor allem Niels Versteijnen und Tim Suton, die immer wieder aus der zweiten Reihe erfolgreich waren und die Lipper mit insgesamt 7 Treffern in den ersten 30 Minuten im Spiel hielten. Mitte des ersten Durchgangs warfen sich die Bergischen Löwen dann auch über einen starken Tomas Babak (insgesamt 7 Treffer) einen 4-Tore-Vorsprung heraus. Lemgo kam zwar bis gut sechs Minuten vor der Pause noch einmal auf zwei Treffer heran (12:14), doch erlaubte sich das Team von Florian Kehrmann daraufhin ein, zwei Ungenauigkeiten zu viel und musste so mit einem 13:17 zur Halbzeit den Weg in Richtung Kabine antreten.

Der Lemgo-Trainer musste in der Halbzeitansprache die richtigen Worte gewählt haben, denn die Lipper erwischten einen guten Start in den zweiten Durchgang. Gedeón Gurdiola und Versteijnen brachten die Gäste mit zwei schnellen Treffern zum 15:17 wieder in Reichweite, kurz bevor Lukas Hutecek mit einem feinen Hüftwurf sogar den direkten Anschluss herstellte (33.). Es war der österreichische Regisseur, der im Lemgoer Angriff im zweiten Durchgang maßgeblich den Ton angeben sollte. Immer wieder übernahm Hutecek Verantwortung, traf zum Teil schwere Würfe unter starker Bedrängnis und setzte zudem noch gekonnt seine Mitspieler in Szene. Doch um ernsthaft für einen Auswärtssieg in Frage zu kommen, fehlten dem TBV in der Abwehr die entscheidenden Impulse. Zu selten schaffte es das Kehrmann-Team, die BHC-Offensive über einen längeren Zeitraum in Schach zu halten. Babak, Simen Schönningsen (4 Tore) oder auch BHC-Kreisläufer Frederik Ladef Blazejewicz (5 Tore) trafen aus allen Lagen – und auch das Spiel über die Außen funktionierte bei den Gastgebern gut.

Doch kampflos wollte Lemgo sich im vierten Saisonspiel auch in der Endphase nicht geschlagen geben. Fünf Minuten vor Schluss feierten beim scheinbar sicheren 25:29 wohl schon die ersten Fans des BHC in der Solinger Klingenhalle. Doch mit seinem siebten Torerfolg zum 27:29 ließ Hutecek die Halle noch einmal kurzzeitig ins Schwitzen kommen. Der TBV schaffte es mit einer engagierten Abwehrsequenz sogar, den darauffolgenden Angriff der Bergischen bis zum letzten Pass im Zeitspiel zu verteidigen. Doch aus schier unmöglicher Position fand BHC-Kapitän Linus Arnesson mit seinem Wurf doch noch den Weg ins Lemgoer Gehäuse, erstickte damit den letzten Funken Hoffnung und besiegelte mit dem 27:30 vorzeitig den ersten Heimerfolg seines Teams in dieser Saison. Schönningsen setzte dann den Schlusspunkt für die Gastgeber zum 28:32-Endstand.

TBV-Trainer Florian Kehrmann zum Spiel: „Der BHC ist heute einfach besser in die Zweikämpfe gegangen – vorne wie hinten. Daher kamen sie viel zu oft zu freien Würfen auf unser Tor und wir haben überhaupt nicht ins Gegenstoßspiel gefunden. Als wir es dann besser geschafft haben, sie vorne vor Probleme zu stellen, haben wir einfach viel zu viele freie Chancen liegen gelassen. Wir werden bis zum nächsten Spiel gut trainieren müssen, um dann wieder mehr zu investieren und den ersten Saisonsieg einzufahren“.

TBV Lemgo Lippe: Zecher, Kastelic; Hutecek (7), Zehnder (6/5), Brosch (1), I. Guardiola, Simak, Laerke, Schagen (1), Blaauw, Schwarzer, Suton (3), Zerbe, Versteijnen (7), G. Guardiola (3)