TBV Lemgo ringt auch Kiel einen Punkt ab

Lemgo. Das war nichts für schwache Nerven! In einer bis zur Schlusssekunde spannenden Begegnung, belohnte sich der TBV Lemgo Lippe erneut mit einem Punktgewinn! Beim 23:23 (10:9) gegen den THW Kiel lieferten sich beide Mannschaften eine intensive Abwehrschlacht und trennten sich letztendlich mit einem nicht unverdienten Unentschieden. Damit beendet der TBV die Hinrunde nach 17 Spielen mindestens auf Rang 3.

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Freude beim TBV über den Punktgewinn gegen den Rekordmeister.

„Eine Kopie des Flensburg-Spiels wird es nicht geben“, Kehrmann war sich vor dem Duell bewusst, dass der TBV erneut neue Lösungen und Wege finden musste, um dem nächsten Team aus dem Norden die Stirn zu bieten. Anders als die SG-Spieler, zeigten sich die THW-Handballer von der ersten Sekunde an hochfokussiert und hellwach. Vor allem einer hatte scheinbar keine Lust, sich in die Reihe der Spitzenteams einzureihen, die zuletzt gegen den TBV gestrauchelt sind: Andi Wolff. Der deutsche Nationalkeeper präsentierte sich in den ersten Minuten als absoluter Stimmungskiller und sollte bereits nach sechs Minuten vier Paraden aufweisen (6., 2:1).

Immer wieder mühten sich die Lemgoer im Angriff an der körperlich starken Kieler Abwehr auf, während Reinkind die THW-Überzahl nutzte, um auf 3:6 davonzuziehen (12.). Möstl war es, der in dieser Phase schlimmeres verhinderte und sowohl gegen Dahmke als auch gegen Skipagötu den TBV im Rennen hielt (15., 3:6). Doch in der Folge kämpften sich die Lipper auch offensiv immer besser in die Begegnung und ließen den THW durch eine unfassbare Abwehrarbeit verzweifeln. Als Schagen – nach Einwechselung gegen Faust – Hutecek per Kempa bediente und dieser zum 9:9-Unentschieden traf, bebte die Halle (28.). Als dann auch noch Zerbe an alter Wirkungsstätte den Siebenmeter nur an die Latte setzte, sorgte Zehnder für die 10:9-Halbzeitführung.

Im zweiten Durchgang erwischte der TBV einen Start nach Maß und zog dem THW davon. Auch dank eines immer stärker werdenden Möstls, der mit seiner zehnten Parade mit Wolff gleichzog (42., 15:11), . Doch der THW kämpfte sich immer wieder heran, auch als Hutecek mit einem wuchtigen Wurf aus dem Rückraum zum 20:17 (51.) traf. Denn durch einfache Fehler ebnete der TBV den Zebras den Weg zurück in die Begegnung – und die nahmen dankend an: Dahmke glich nach 54 Minuten zum 20:20 aus. In den Schlussminuten war es dann einmal mehr Wolff, der sein Team im Spiel hielt und am Ende 15 Paraden beitragen sollte. Niels Versteijnen sollte jedoch in einer hitzigen Crunchtime die Nerven behalten und 15 Sekunden vor dem Ende den 23:23-Ausgleich erzielen. Einem letzten Angriff der Zebras hielt die bärenstarke TBV-Abwehr stand. Bester Lemgoer Werfer war am Sonntagnachmittag Samuel Zehnder mit acht Toren.

Durch den Punktgewinn steht der TBV zur Saisonhalbzeit mindestens auf Rang 3 – kann vielleicht sogar auf Platz 2 der Hinrunden-Tabelle abschließen, sollte Berlin gegen die Löwen patzen. Der Fokus richtet sich jedoch unmittelbar auf das wichtige Pokalviertelfinale gegen den SC DHfK Leipzig am kommenden Mittwoch (17.Dez. um19 Uhr). Dann möchte der TBV erneut alles reinwerfen, um den Einzug in das Lidl Final4 perfekt zu machen.

Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Das war ein sehr, sehr intensives Spiel mit zwei Abwehrreihen, die, glaube ich, alles auf dem Spielfeld gelassen haben. Wir haben in den ersten 15–20 Minuten einfach drei, vier, fünf freie Bälle im Durchbruch liegen lassen und sind dann immer hinten dran. Wir kämpfen uns dann über eine wirklich sehr, sehr gute Abwehrleistung ins Spiel, schaffen es auch im 7-gegen-6 ein paar Tore zu machen und können halbzeitübergreifend in den Minuten von der 20. bis zur 40. das Spiel in unsere Richtung lenken. Dann führen wir mit drei, vier Toren. Entscheidend war in der Phase, in der wir mit dreien führen, dass wir zwei einfache Fehler machen und Kiel so ein bisschen einladen, wieder ins Spiel zu kommen. Dann ist es ein Spiel Spitz auf Knopf, beide Mannschaften mussten sich die Tore wirklich erarbeiten – ob im 7-gegen-6 oder im 6-gegen-6. Hinten raus entscheiden Kleinigkeiten, eine Parade, ein Tor, ein Fehler, wie das Spiel ausgeht. Insgesamt haben wir den Punkt auf jeden Fall verdient. In der Phase 50./51. Minute mussten wir das Spiel eigentlich vielleicht sogar zumachen. Da machen wir ein, zwei Fehler, die uns in der Phase vielleicht nicht passieren dürfen, aber auch daraus werden wir lernen,. Ich werde den Teufel tun, der Mannschaft heute einen Vorwurf zu machen. Wir kamen am Mittwoch aus Göppingen in der Nacht nach einem tollen Spiel zurück und schaffen es, heute wieder den Fokus zu haben – das ist sensationell. Da hilft auch, und das möchte ich noch mal erwähnen, diese Stimmung hier in ausverkaufter Halle, das ist Wahnsinn. Man kommt als Trainer eine Dreiviertelstunde, halbe Stunde vor dem Spiel in die Halle, bekommt das erste Mal Gänsehaut, da hat sich in den letzten Wochen wirklich einiges entwickelt. Ich freue mich schon auf das nächste Heimspiel am 26. gegen Wetzlar. Wir werden uns jetzt erstmal schnell durchschütteln, gut regenerieren. Am Mittwoch können wir ein Highlight setzen; das wird eine ganz schwere Aufgabe in Dresden gegen Leipzig, und da wollen wir unbedingt ins Lidl Final4 einziehen – das ist jetzt der Fokus. Wir werden das Spiel nun schnell abhaken, werden uns auf Leipzig vorbereiten und wieder Vollgas geben.“

TBV Lemgo Lippe – THW Kiel 23:23 (10:9)

TBV Lemgo Lippe: Möstl (13 P.), Kastelic; Hutecek 4, Theilinger, Zehnder 8/2, Mudrow, Simak 1, Schagen 1, Carstensen, Suton, Willecke, Versteijnen, Wagner, Faust

THW Kiel: de Vargas, Wolff (15 P.); Duvnjak 2, Reinkind 2, Landin, J. Dahmke, Laube, Johansson 5, Ankermann, R. Dahmke 1, Zerbe 5/2, Bilyk, Pekeler, a Skipagötu 6, Nacinovic 2

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