Lemgo. Nur hauchdünn ist der TBV Lemgo Lippe an einer weiteren Sensation gegen die Füchse Berlin vorbeigeschrammt. Nach dem spektakulären 34:33-Auswärtssieg in der Hinrunde, musste sich das Team von Trainer Florian Kehrmann am 28. Spieltag diesmal mit 33:34 (15:17) geschlagen geben. Vor ausverkauftem Haus verlangten die Lipper dem amtierenden Meister alles ab – ehe Welthandballer Mathias Gidsel in letzter Sekunde den Sieg für die Berliner sicherte.
Bildquelle: TBV Lemgo LippeErfreuliche Nachrichten gab es vor dem Anpfiff: Torhüter Urh Kastelic kehrte nach erfolgreicher Handoperation zurück ins Aufgebot. Nicht rechtzeitig fit wurde hingegen Lukas Hutecek, der weiterhin von Rückenproblemen geplagt wird. Seinen Platz nahm Debütant Len Kehrmann ein.
Die Hauptstädter erwischten den klar besseren Start und nutzten die anfängliche Unordnung in der Lemgoer Defensive eiskalt aus. Nach nur vier Minuten führten die Füchse bereits mit 1:4. Doch der TBV ließ sich nicht entmutigen, fand über Kampfgeist und Leidenschaft ins Spiel zurück und glich durch einen 3:0-Lauf zum 5:5 aus (9.). Samuel Zehnder verwandelte dabei zweimal sicher vom Siebenmeterpunkt, während Constantin Möstl im Tor glänzte und in der ersten Viertelstunde bereits sechs Paraden verzeichnete.
Eine umkämpfte Phase folgte, in der die Hausherren mit einigen unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen haderten. Berlin nutzte die kurze Unruhe und setzte sich durch Gidsels ersten Treffer auf 9:12 ab (20.). Zwar hätte Tim Freihöfer den Vorsprung von der Siebenmetermarke weiter ausbauen können, scheiterte jedoch an der Latte (28.). Der TBV antwortete postwendend mit schnellen Treffern zum 14:15-Anschluss, bevor Hákon West av Teigum für die Gäste mit der Pausensirene zum 15:17 traf.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie hochklassig und offen. Direkt nach Wiederanpfiff verkürzte Jan Mudrow sehenswert per Stemmwurf auf 16:17, verletzte sich dabei jedoch am Knie und musste humpelnd vom Feld. Seine Teamkollegen ließen sich davon nicht beirren und kämpften weiter auf Augenhöhe. Als Berlin nach 42 Minuten bereits auf 22:25 davonzuziehen schien, konterte Lemgo erneut mit einem 3:0-Lauf und stellte auf 25:25 (44.). In Führung ging der TBV kurz darauf durch Kapitän Tim Suton, der auch insgesamt mit sieben Treffern bester Lemgoer Werfer war.
In einer packenden Schlussphase schenkten sich beide Teams nichts. Zehn Sekunden vor Ablauf der Uhr stellte Hendrik Wagner per Siebenmeter auf 33:33. Füchse-Coach Nicolej Krickau nahm sofort die Auszeit und zeichnete den letzten Angriff auf. Mit dem letzten Wurf sorgte Gidsel schließlich für den entscheidenden Berliner Treffer – und vereitelte damit die Träume der Lipper auf einen erneuten Coup.
Trotz der knappen Niederlage behauptet sich der TBV Lemgo Lippe mit nun 35:21 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz. Die Konzentration richtet sich nun auf das große Wiedersehen mit den Füchsen: Am kommenden Samstag (18. April, 15:45 Uhr) trifft das Kehrmann-Team im Halbfinale des Lidl Final4 in der Kölner Lanxess Arena erneut auf den Meister – mit dem klaren Ziel, diesmal das bessere Ende für sich zu erzwingen.
Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Ich glaube, alle Zuschauer, die heute in die Halle gekommen sind und die am Bildschirm waren, haben gesehen, was Handball ausmacht: unglaublichen Kampf, unglaublichen Willen. Ich bin sehr stolz auf die Leistung meiner Mannschaft.
Wir haben nicht nur vor dem Spiel, sondern auch im Spiel ein paar Rückschläge wegstecken müssen. Und wie wir dann damit umgehen, wie wir das Publikum mitnehmen und um jeden letzten Zentimeter kämpfen, das macht mich heute ein bisschen traurig, weil ich glaube, heute war auf jeden Fall ein Punkt verdient. Mehr möchte ich zum Spiel nicht sagen.
Das Einzige, was ich noch sagen möchte: Wir freuen uns jetzt sehr auf Köln, und ich glaube, diese Leistung heute gibt uns ein gutes Gefühl. Wir werden auch dort wieder 60 Minuten auf der Platte alles lassen, wir werden sie vor Aufgaben stellen, und dann schauen wir, dass wir dieses kleine bisschen vielleicht auf unserer Seite haben.“
TBV Lemgo Lippe – Füchse Berlin 33:34 (15:17)
TBV Lemgo Lippe: Möstl (14 P.), Kastelic; Theilinger, Zehnder 2/2, Mudrow 2, Simak, Schagen, Carstensen 4, Nyfjäll 2, Suton 7, Willecke 3, Versteijnen 6, Wagner 4, Faust 3, Kehrmann
Füchse Berlin: Milosavljev (8 P.), Ludwig (3 P.); Darj 1, Prantner, Andersson 10, Arino, Gröndahl, Lichtlein 2, Gidsel 6, Freihöfer 7/6, Cehte 1, Pichiri, Langhoff 2, Herburger, West av Teigum 3, Marsenic 2





