Fremde Baumarten beeindrucken

Dr. Norbert Asche (l.) misst die Größe eines im Frühjahr 2018 gepflanzten Gebirgsmammutbaums.

Mitglieder des Forstvereins NRW besichtigten Versuchsflächen in Wäldern des Landesverbandes Lippe –

Detmold. Die Schreckensmeldungen über den Zustand des deutschen Waldes nach Hitzesommer, Dürre und Borkenkäferplage – sie sind nahezu täglich in den Medien präsent. Die mögliche Aufforstung mit Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen, die künftigen Wetterextremen vielleicht besser gewachsen sind, rückt dadurch in den Fokus der Öffentlichkeit. So machten sich jetzt auch Förster und Waldbesitzer aus Nordrhein-Westfalen über Alternativen schlau, und zwar in Lippe: Rund 30 Mitglieder des Forstvereins NRW kamen im Rahmen einer Tagung zum Thema „Waldumbau im Klimawandel am Beispiel des Landesverbandes Lippe“ in den Leistruper Wald, um Versuchsflächen, die der Landesbetrieb Wald und Holz und der Landesverband Lippe gemeinsam betreuen, kennenzulernen.
„Wir haben 2017 gemeinsam das dreijährige Forschungsprojekt ‚Erhalt bzw. Steigerung der nachhaltigen Holzproduktion unter Nutzung ausgewählter Baumarten aus anderen biogeografischen Regionen‘ initiiert – zu einem Zeitpunkt, als unsere Wälder noch nicht unter Hitze und Dürre litten“, erläuterte Hans-Ulrich Braun, Leiter der Forstabteilung des Landesverbandes Lippe. Es wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen des Förderprogramms Nachwachsende Rohstoffe über die Fachagentur nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Auf insgesamt gut 26 Hektar pflanzten die beiden Partner im Leistruper Wald, im Kalletal und im Arnsberger Wald elf nichtheimische Baumarten: Atlaszeder, Küstentanne, Araukarie, Westliche Hemlocktanne, Küstenmammutbaum, Gebirgsmammutbaum, Sicheltanne, Baumhasel, Esskastanie, Orientbuche und Platane. „Ziel war unter anderem, herauszufinden, welche dieser nichtheimischen Baumarten in
Nordrhein-Westfalen gut wachsen und nutzbares Holz liefern können, ohne dass sie Nachteile für die heimischen Waldgesellschaften mit sich bringen“, ergänzt Projektleiter Dr. Norbert Asche vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Im Verlauf der drei Jahren werden genaue Untersuchungen zum Standort und dem Anwuchsverhalten der Pflänzchen durchgeführt. Die Ergebnisse sollen bei einer Fachtagung zum Projektabschluss 2020 in Arnsberg vorgestellt werden.
„Aufgrund der aktuellen Probleme und Herausforderungen in unseren Wäldern, hat unser Projekt deutlich an Relevanz gewonnen. Denn die Versuchsflächen hier im Leistruper Wald zeigen, dass die jungen Atlaszedern, Küstentannen oder Gebirgsmammutbäumchen die Wetterextreme im vergangenen Jahr – Hitze und Dürre – und den bei weitem nicht ausreichenden Niederschlag in diesem Jahr gut bis sehr gut verkraftet haben. Sie sind gut angewachsen und haben z. T. ihre Größe im Vergleich zur Pflanzung im Frühjahr 2018 verdoppelt“, konstatierte
Asche bei der Begehung. Die Mitglieder des Forstvereins NRW zeigten sich von den jungen, vitalen Pflänzchen beeindruckt und tauschten sich intensiv mit Asche und Braun über die Boden-, Klima- und Niederschlagsverhältnisse im Leistruper Wald aus. Ob dem Versuchsanbau Erfolg beschieden ist und in den nächsten Jahren tatsächlich verstärkt mit nichtheimischen Baumarten aufgeforstet wird, stehe zwar erst in zwanzig, dreißig Jahren fest.
Doch für die Forstvereins-Mitglieder lag schon jetzt das Fazit auf der Hand: „Wir müssen offen sein für neue, nichtheimische Baumarten, die unsere Wälder aus heimischen Baumarten bereichern und stabilisieren können.
Denn der Klimawandel ist ein Fakt, den wir nicht wegdiskutieren können.“ Es gelte, den Generationen von Morgen keine Kahlflächen zu hinterlassen, sondern angepasste, stabile Mischwälder, die nutzbares Holz liefern, Erholungs- und Lebensraum bieten und hervorragende Luftfilter und Wasserspeicher sind.

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