Berlin, 20. November 2022. Eine Dreiviertelstunde lang war der TBV Lemgo Lippe dicht dran, die makellose Heimbilanz der Hauptstädter zu brechen, doch nach dem Seitenwechsel bewiesen die Füchse Berlin mehr Biss – auch weil die Lipper in Keeper Dejan Milosavljev in der entscheidenden Phase des Spiels ihren Meister fanden. Am Ende unterliegt der TBV dem Hauptstadt-Klub mit 26:32 (13:12).

Sechs Treffer gelangen Samuel Zehnder in Berlin.

Ohne die verletzten Isaias Guardiola und Ex-Fuchs Frederik Simak galt es für den TBV Lemgo Lippe in der mit 8768 Zuschauern gewohnt stimmungsvollen Max-Schmeling-Halle zu bestehen. Gegenüber der Niederlage in Mannheim rotierten Lukas Zerbe und Samuel Zehnder zurück in die Anfangssieben, die Jan Brosch am Kreis sowie die Rückraumachse um Lukas Hutecek, Niels Versteijnen und Tim Suton komplettierten.

Von Beginn an dominierte gute Deckungsarbeit auf beiden Seiten das Geschehen. Zwar legten die Hauptstädter in den ersten zehn Minuten stets ein Tor vor, doch der TBV war zu keinem Zeitpunkt um eine Antwort verlegen. Nachdem Lukas Zerbe den Tempogegenstoß zum 3:3 gelaufenen war, sahen sich die Lipper erstmals in Unterzahl. Niels Versteijnen hatte den stets das Eins-gegen-eins suchenden Doppeltorschützen Jacob Holm am Trikot festgehalten. Doch der Favorit konnte hieraus keinen merklichen Profit schlagen, denn Lemgos glänzend aufgelegter Spielmacher Hutecek egalisierte erneut die Führung.

Und hinten? Rührten die Lipper gegen immer wieder zentral attackierende Füchse zunehmend mehr Beton an: Erst scheiterte Berlins Lasse Andersson mit seinem Wurf an der Deckung und schließlich an der Unterkante der Latte. Die anschließende Zeitstrafe gegen Berlins Marko Kopljar nutzte der TBV zum vorläufigen Turnaround: Erst glich Zehnder vom Punkt aus, kurz darauf klaute Finn Zecher dem heranstürmenden Andersson im Gegenstoß ein sicher geglaubtes Tor. Im Gegenzug markierte Hutecek mit purer Entschlossenheit die erste Lemgoer Führung. Und es kam noch besser: Nach einem Berliner Offensivfoul schickte der Österreicher Lukas Zerbe auf die Reise zum 7:5. Lemgo hatte Blut geleckt, hielt auch nach der ersten Berliner Auszeit leidenschaftlich dagegen und ließ kaum freie Durchbrüche zu. Stark auch, wie Zecher mit dem linken Arm gegen Mijajlo Marsenic parierte – und so den Weg zur Lemgoer Drei-Tore-Führung durch Tim Suton ebnete. Nur fünf Berliner Treffer in der Anfangsviertelstunde spiegelten die bärenstarke Abwehr wider.

Doch Berlin erhöhte nun das Tempo – und schaffte es, seine Außen mehr ins Spiel einzubinden. Als Tim Freihöfer in der 20. Minute den Anschluss hergestellt hatte, bat auch Florian Kehrmann erstmals zur Auszeit. Die Lemgoer waren nun aufgefordert, dem gestiegenen Stresslevel standzuhalten und die Angriffe wieder breit zu fächern. In dieser Phase hatte der Tabellen-13. Auch das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite: Mit der Zeit im Nacken suchte Suton den Wurf aus schwierigem Winkel, der Block landete bei Gedeón Guardiola, der frei zum 11:9 traf. Nach einem technischen Fehler erlief der pfeilschnelle Samuel Zehnder sogar noch das 12:9 (24.). Dann ließ Finn Zecher sogar Berlins angehenden Rekord-Goalgetter Hans Lindberg sowohl vom Punkt als auch im Nachsetzen scheitern. Vorne musste Lemgo mehr Aufwand betreiben, um in gute Wurfpositionen zu kommen. Das gelang nicht in den Schlussminuten nicht immer, so richtete es Lukas Hutecek kurz vor der Halbzeit im Alleingang – und erspielte sich eine knappe, aber verdiente Halbzeitführung.

Nach dem Seitenwechsel deutete vieles auf einen echten Krimi hin. Obwohl sich die Füchse Feldvorteile erspielten, mangelte es ihnen noch an Souveränität. Etwas mehr als 40 Minuten waren von der Uhr, als Zecher gegen den frei auftauchenden Max Darj parierte. Doch Berlin blieb am Ball und zog ein Foulspiel, woraufhin Tim Suton eine Zeitstrafe sah. Lindberg brachte Berlin mit 18:19 in Führung. Hierauf folgte die Schlüsselphase: Erst ließ G. Guardiola in Unterzahl die Chance auf den erneuten Ausgleich auf dem Silbertablett liegen, stattdessen traf Milosavljev ins verwaiste Lemgoer Tor. Im nächsten Angriff fand Huteceks Pass keinen Abnehmer – und Andersson erhöhte auf 19:21.

Kehrmann nahm die Auszeit, seine Botschaft: nicht den Kopf verlieren und wieder in die Abwehr kommen. Zwei Minuten waren zwischen dieser und der letzten Lemgoer Auszeit vergangen – weil der TBV nun das Spiel herzuschenken drohte. Ein Pass ins Nichts begünstigte den Berliner Vier-Tore-Vorsprung durch den immer stärker werdenden Paul Drux. Lemgo ging nun zwar konsequent ins 7:6, fand zu selten Lösungen gegen die gut postierte und griffige Füchse-Abwehr, wodurch die Hausherren nun vermehrt zu einfachen Toren kamen. Und so war im Fuchsbau von Berlin zum Ende hin frühzeitig klar, dass dieser für den TBV Lemgo Lippe auch an diesem Nachmittag uneinnehmbar bleiben wird.

TBV-Trainer Florian Kehrmann: „Wir haben eine wirklich gute erste Halbzeit gespielt, hatten eine sehr gut funktionierende Abwehr, die sich sehr viel geholfen hat und viele Ballgewinne erzwang. Leider haben wir es nicht geschafft, mit einem etwas größeren Vorsprung in die Halbzeit zu gehen. Danach bleibt es erst eng, aber dann leisten wir uns ein, zwei Fehlwürfe zu viel und dann bringt uns eine Zeitstrafe ein bisschen aus dem Konzept. Dann war das Spiel mit drei, vier Toren auch relativ schnell weg, wodurch Berlin mehr Lockerheit bekommen hat und wir nicht mehr rangekommen sind. Trotzdem war das eine gute Leistung der Jungs und darauf müssen wir aufbauen“.

TBV Lemgo Lippe: Zecher (12 Paraden), Ristovski; Hutecek (6), Zehnder (6/1), Brosch, Laerke, Schagen (1), Blaauw, Schwarzer, Suton (5), Zerbe (3), Versteijnen (3), G. Guardiola (2)