„Ukraine-Krieg, steigende Energie- und Rohstoffpreise, Sanktionen, Materialengpässe und höhere Leitzinsen: Die Unwägbarkeiten für die wirtschaftliche Entwick-lung in Deutschland sind immens. Gleichwohl sinken in Lippe die Arbeitslosenzahlen. Saisonal greift der Herbstaufschwung. Konjunkturell ist die Arbeitsmarktlage weiterhin robust,“ so die Septemberbilanz von Rainer Radler, Chef der Agentur für Arbeit Detmold. „Die Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent zeigt die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes aus Sicht der Bewerber im Kreis Lippe. Die Entwicklung von einem Arbeitgeber- zu einem Arbeitnehmermarkt und der damit verbundenen Notwendigkeit neue Strategien der Personalpolitik in den Betrieben umzusetzen setzt sich in unserem Agenturbezirk fort“, so Radler, der in diesem Zusammenhang für Qualifizierung wirbt. „Durch den steigenden Bedarf an Fachkräften und die Passung zwischen gemeldeten Bewerbern und verfügbaren Stellen ist vermehrte, ziel-gerichtete Qualifizierung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten notwendig.“

Arbeitslosigkeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Kreis Lippe im September gesunken. Insgesamt waren 9.776 Personen arbeitslos gemeldet. Verglichen mit den Zahlen des Vormo-nates sind dies 126 Personen oder 1,3 Prozent weniger. Im Vergleich zum September des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um zwei Personen, was 0,0 Pro-zent entspricht. Die Arbeitslosenquote beträgt im September 5,3 Prozent, wie im September des Vorjahres.

Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung – SGB III

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung wurden in diesem Monat 2.820 Personen gemeldet. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vormonat verringert um 133 Personen bzw. 4,5 Prozent. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Verringerung um 96 Personen oder 3,3 Prozent.

Entwicklung in der Grundsicherung – SGB II

In der Grundsicherung sind sieben Arbeitslose mehr als im Vormonat und 98 mehr als im Vorjahr zu verzeichnen. Im Verhältnis entspricht dies plus 0,1 Prozent zum Vormonat bzw. plus 1,4 Prozent zum Vorjahr. Insgesamt sind es 6.956 Personen und damit 71,2 Prozent aller Arbeitslosen, die zur Grundsicherung gemäß SGB II zählen.

Jugendarbeitslosigkeit

1.127 Arbeitslose sind im Berichtsmonat im Kreis Lippe unter 25 Jahre alt. Im Vormonat waren dies noch 104 mehr und im gleichen Monat des Vorjahres 137 weni-ger arbeitslose junge Menschen. Die prozentuale Veränderung beläuft sich somit auf minus 8,4 Prozent zum vorherigen Monat bzw. plus 13,8 Prozent im Vorjahres-vergleich.

Arbeitslose ab 50 Jahre

Die Anzahl arbeitsloser Personen ab 50 Jahre ist im Vergleich zum Vormonat gesunken (minus eine Person oder -0,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 109 Arbeitslose weniger (minus 3,3 Prozent). Insgesamt sind 3.160 Menschen ab 50 Jahre im Kreis Lippe betroffen.

Langzeitarbeitslose

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Lippe im Berichtsmonat gesunken. 4.239 Personen waren länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig be-schäftigt, darunter zählen 91,0 Prozent (3.856 Personen) zur Grundsicherung. Ver-glichen mit den Gesamtzahlen des Vormonates sind dies 50 Langzeitarbeitslose weniger. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Zahl dieser Arbeitslosen damit um 675 Personen oder um 13,7 Prozent.

Stellenangebot

Unternehmen aus dem Kreis haben in diesem Monat 622 Stellen gemeldet (plus 139 zum Vormonat). Im Bestand befanden sich insgesamt 3.504 offene Stellen, 86 mehr als im Vormonat und 175 mehr als im Vorjahresmonat.

DER ARBEITSMARKT IN OSTWESTFALEN-LIPPE

Nach drei Monaten steigender Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen-Lippe geht diese, typisch für die Zeit nach der Sommerpause, nun wieder zurück. Aktuell sind 61.489 Personen arbeitslos gemeldet, das ist ein Minus zum Vormonat um 734 Menschen oder 1,2 Prozent. Im Vergleich zum September 2021 liegt die Arbeitslosigkeit dagegen um 1.576 Menschen oder 2,6 Prozent höher. Die Arbeitslosmeldungen im aktuellen Monat fallen mit 12.438 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat ebenso deutlich um 1.535 höher aus.
Auch im September sind weitere geflüchtete Menschen aus der Ukraine, die seit dem ersten Juni durch die Jobcenter betreut werden, dort als (erstmalig) arbeitslos erfasst worden. Dem folgend ist es nicht überraschend, dass sich die Arbeitslosigkeit der Ausländer im Monatsvergleich mit einem Plus von 0,3 Prozent (plus 70 Personen), entgegen der sinkenden Arbeitslosigkeit insgesamt, entwickelt.
Ohne den Zugang der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in die Arbeitslosigkeit wäre die Arbeitslosigkeit um etwa 900 Personen gesunken. Typisch für einen September ist in Ostwestfalen-Lippe ein deutlich stärkerer Rückgang der Arbeitslosigkeit, welcher in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich 2.570 Personen betrug. Der eher verhaltene Rückgang der Arbeitslosigkeit geht unter anderem auf das (weiterhin) vor-sichtige Einstellungsverhalten der Arbeitgeber zurück. Die Abgänge in Erwerbstätigkeit fallen in einem September eigentlich höher aus und spiegeln die aktuellen Sorgen der Arbeitgeber wider.

Zahl der Langzeitarbeitslosen ist wieder leicht zurückgegangen

In Ostwestfalen-Lippe sind aktuell etwa 5.430 ukrainische Staatbürger arbeitslos gemeldet, davon über 99 Prozent im Rechtskreis SGB II. Dies sind ca. 5.300 Personen mehr als im Februar 2022, dem Berichtsmonat vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist wieder leicht zurückgegangen. Im aktuellen Berichtsmonat sind 24.591 Personen länger als ein Jahr auf Arbeitssuche. Das sind 16,7 Prozent mehr als im September 2019, aber 10,3 Prozent weniger als zum September 2021. In den Septembermonaten der Jahre 2016 bis 2019 nahm die Lang-zeitarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahresmonat durchschnittlich um 6,8 Prozent ab. Der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen ist aktuell mit 40,0 Prozent weiterhin hoch (2021: 45,8 Prozent, 2020: 35,5 Prozent, 2019: 35,9 Prozent, jeweils September).
Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen, welche durch Jobcenter und Arbeitsagenturen in OWL angeboten werden können, geht aktuell weiter zurück und beträgt im Berichtsmonat 26.596 Stellen. Das ist aber immer noch ein Plus zum Vorjahresmonat um 2.186 Stellen oder 9,0 Prozent. Das Stellenangebot bewegt sich damit immer noch auf einem recht hohen Niveau. Im September 2022 wurden 4.045 freie Arbeitsstellen neu gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden damit 911 Stellen oder 18,4 Prozent weniger gemeldet. Damit zeigen sich unverändert die Auswirkungen der wirtschaftlichen Unsicherheiten mit Blick auf die Preissteigerungen und Energiekosten sowie Lieferengpässe. Arbeitgeber sind vorsichtig mit der Meldung neuer Arbeitsstellen und stellen weniger Arbeitskräfte neu ein. Dass gemeldete Arbeitsstellen jedoch zu einem großen Teil nicht zurückgezogen werden zeigt, dass Arbeitgeber trotz aller Risiken grundsätzlich an der Einstellung passender Kräfte, vor allem auf Fachkraftebene, interessiert sind.
Die niedrigste Arbeitslosenquote in unserer Region findet sich im Kreis Höxter (3,9 Prozent), gefolgt von den Kreisen Gütersloh (4,1 Prozent), Paderborn (5,1 Prozent), Lippe (5,3 Prozent), Herford (5,3 Prozent), Minden-Lübbecke (5,5 Prozent) und der Stadt Bielefeld (7,9 Prozent). Insgesamt hat Ostwestfalen-Lippe eine Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent (Vormonat 5,5 Prozent, Vorjahr 5,3 Prozent).