Niederlage gegen den Meister! TBV verlangt dem SC Magdeburg alles ab

Lemgo. Nach fünf Siegen in Folge hat der TBV Lemgo Lippe am Samstagabend seine Erfolgsserie beenden müssen. Im Topspiel des 11. Spieltags der Opel Handball-Bundesliga unterlag die Mannschaft von Trainer Florian Kehrmann dem SC Magdeburg mit 28:31 (16:17). Vor ausverkaufter Kulisse in der Phoenix Contact-Arena boten die Lipper dem Ligaprimus bis in die Schlussphase leidenschaftlich Paroli, mussten sich dem amtierenden Meister am Ende jedoch knapp geschlagen geben.

Bildquelle: Cohen/TBV Lemgo Lippe
Der TBV musste sich vor 4.520 Fans knapp geschlagen geben.
 

Kehrmann konnte gegen Magdeburg auf den zurückgekehrten Niederländer Bobby Schagen bauen. In der Startformation vertraute er jedoch weiterhin Levin Wanner, der gemeinsam mit Constantin Möstl, Hendrik Wagner, Lukas Hutecek, Nicolai Theilinger und Joel Willecke begann.

Der SCM unterstrich bereits in den Anfangsminuten seine außergewöhnliche Qualität: Matthias Musche vollstreckte aus scheinbar aussichtslosem Winkel an Möstl vorbei, während Gísli Kristjánsson sich wiederholt gegen die Lemgoer Abwehr durchsetzte (6., 3:5). Offensiv hielten die Gastgeber jedoch stets dagegen. Insbesondere Hendrik Wagner, frischgebackener Vater, sorgte mit drei Treffern dafür, dass der TBV dem Favoriten auf Augenhöhe blieb (7., 5:6). Nach Samuel Zehnders zweitem verwandelten Siebenmeter in der 13. Minute stand SCM-Schlussmann Matej Mandic weiterhin ohne Parade da (8:9). Mit zunehmender Spieldauer geriet der TBV jedoch durch mehrere Zeitstrafen unter Druck. Magnus Saugstrup nutzte eine Überzahlsituation, um Magdeburg mit 8:11 (16.) in Führung zu bringen. Mit großer Emotionalität kämpften sich die Lemgoer anschließend zurück in die Partie: Lukas Hutecek traf wiederholt in entscheidenden Momenten und verkürzte in der 21. Minute auf 13:14. Obwohl der TBV nun deutlich besseren Zugriff fand, blieb Omar Ingi Magnusson kaum zu stoppen. Der Isländer erzielte seinen fünften Treffer zur 13:15-Führung (22.) und zwang Joel Willecke zudem zu seiner zweiten Zweiminutenstrafe. Die heimischen Fans reagierten darauf sichtbar empört – der Hexenkessel in der Phoenix Contact-Arena brannte nun noch stärker. Das Momentum schien erneut in Richtung der Gäste zu kippen, die durch Felix Claar mit 13:17 (25.) in Führung gingen. Doch Lenny Rubin und Levin Wanner hielten den TBV in dieser schwierigen Phase im Spiel. Dank ihrer Treffer gingen die Lipper mit einem nur knappen 16:17-Rückstand in die Kabine.

In einer extrem hitzigen Atmosphäre bewahrten die Magdeburger zunächst die Nerven und bauten ihre Führung weiter aus. Bis zur 47. Minute erspielten sich die Gäste eine 22:26-Führung. Doch die Lippern sollten in der Schlussphase ein weiteres Mal zurückkommen – maßgeblich getragen von einer außergewöhnlich lauten Halle. Dem TBV boten sich zweimal die Chance auf den Anschlusstreffer. In der 52. Minute verloren die Lemgoer den Ball jedoch fahrlässig. Als der stark aufspielende Ebner fünf Minuten vor dem Ende einen Siebenmeter parierte (55., 27:29), ergab sich zwei Minuten später die nächste Gelegenheit. Doch Kuzmanovic hielt dagegen und blieb auch gegen Zehnder Sieger. Im direkten Gegenzug setzte Felix Claar den Schlusspunkt und besiegelte die 28:31-Niederlage der Lemgoer. Bester Werfer des TBV war Samuel Zehnder mit sieben Toren, davon fünf vom Siebenmeterpunkt.

Trotz der Niederlage bleibt der TBV Lemgo Lippe mit 14:8 Punkten vorerst auf dem vierten Tabellenplatz. Für die Lipper geht es erst am 11. November weiter: Nach der kurzen Nationalmannschaftspause empfängt der TBV im Achtelfinale des DHB-Pokals den THW Kiel. Anwurf in der Phoenix Contact-Arena ist um 19 Uhr. Bereits knapp 4.200 Tickets sind verkauft. Stehplatzkarten sind weiterhin an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie im Online-Ticketshop erhältlich.

Die Stimme zum Spiel von Florian Kehrmann: „Wir haben heute alles reingepackt. Magdeburg war einfach die Mannschaft, die das wie eine Maschine runterspielt hat und sich den Sieg verdient hat, dazu wirklich Glückwunsch. Es hat uns gefehlt, das Spiel einmal so richtig zu drehen. In der Phase, in der wir sie kriegen, mit diesen Fehlern, machen wir selbst ein, zwei Fehler im Gegenstoßspiel. Da können wir zur Halbzeit fast auf Unentschieden stellen. Nach der Pause kamen wir im Angriff nicht gut rein, während wir hinten weiterhin stabil verteidigt haben. Mit dem 7 gegen 6 haben wir uns zwar noch einmal Tore erarbeitet und konnten kurz dranbleiben, aber wenn man nur dran ist, muss in dieser Phase vorne alles sitzen. Dass wir in entscheidenden Momenten einen Siebenmeter und in Überzahl einen relativ freien Wurf vergeben, tut dann weh. Diese Aktionen hätten uns vielleicht zurück ins Spiel gebracht und aus dieser sensationellen Stimmung in der Halle noch mehr gemacht. Dafür hätten wir aber auf ein Unentschieden stellen müssen. Am Ende lag das Momentum wieder bei Magdeburg. Ich denke etwa an den Abschluss von Antonio Serradilla nach dem letzten Pass, der noch durchgeht. Genau solche Momente zeichnen eine absolute Spitzenmannschaft aus.

Trotzdem bin ich sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir haben den SCM heute wirklich gefordert, und das hat man ihnen auch angemerkt. Sie hatten am Ende jedoch auf unsere taktischen Maßnahmen immer wieder eine Antwort.

Natürlich ärgert es mich, dass wir verloren haben. Aber auf das, was heute in Lemgo in dieser Halle passiert ist, können wir sehr stolz sein. Jetzt kommt die Nationalmannschaftspause, danach wartet mit dem Pokalspiel gegen Kiel das nächste Highlight. Dafür brauchen wir genau diese Stimmung, wenn nicht noch mehr, um den THW Kiel unter Druck zu setzen. Wir werden alles daran setzen, über 60 Minuten voll dagegen zu halten.“

TBV Lemgo Lippe – SC Magdeburg 28:31 (16:17)

TBV Lemgo Lippe: Möstl (1 P.), Ebner (10 P.); Zehnder 7/5, Hutecek 5, Rubin 3, Versteijnen 3, Wagner 3, Wanner 3, O’Sullivan 2, Theilinger 1, Willecke 1, Schagen, Carstensen, Nyfjäll, Valkovskis

SC Magdeburg: Kuzmanovic (10 P./1), Mandic (1 P.); Magnusson 11/3, Kristjansson 7, Claar 5, Pettersson 3, Musche 2, Serradilla 1, Saugstrup 1, Elze, Rasmussen, Jónsson, Weber, Lagergren, Mertens, Bergendahl

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