Zwischencheck bei den lippischen Fußball-Teams: VfL Lüerdissen

Steffen gibt Traineramt ab, bleibt dem Verein als Spieler aber erhalten

Lemgo/Lüerdissen (ruko). Gut, auch wenn am ersten Spieltag gleich eine 0:1-Niederlage beim TBV Lemgo II zu Buche stand, ist der VfL Lüerdissen in die Saison gestartet. Dannach folgten vier Siege in Folge. Am 6. Spieltag musste die Steffen-Elf in eine 1:2-Niederlage beim FC SSW einwilligen. Dennoch ist man beim VfL sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Saison, zumal die Lemgoer Vorstädter auf einem guten vierten Tabellenplatz überwintern. Lüerdissens Sportlicher Leiter Willi Wollbrink schaut auf die bisherige Spielzeit zurück.

Tim Steffen (links) wird die neue SG Lüerdissen/Entrup in der kommenden Saison nicht mehr trainieren, bleibt der Mannschaft aber als Spieler erhalten. Rechts Darvin Dreymann und Ferhat Havadir.

Wie bewertet ihr, aus eurer Sicht, den bisherigen Verlauf der Saison?


Wollbrink: Wir können insgesamt zufrieden sein mit dem Verlauf. Wir sind gut in die Serie gestartet, obwohl wir das erste Spiel in Lemgo mit 1:0 verloren haben (was mehr als unglücklich war). Bis zum 2. Oktober haben wir phasenweise richtig guten Fußball gespielt. Dann fahren wir nach Werl-Aspe zum Topspiel Zweiter gegen Dritten und kassieren in der zweiten Hälfte zwischen der 52. und 72. Minute fünf Gegentore und verlieren 6:0. Das darf so nicht passieren. Danach haben wir zuhause gegen Ben/Ho gewonnen, ein sehr wichtiger Sieg für die Moral der Mannschaft. Dieser Sieg lag sicher auch an der Erfahrenheit der Mannschaft. In Ahmsen durften wir aufgrund der Leistung nicht noch in der Nachspielzeit verlieren, konnten aber im letzten Spiel vor der Winterpause noch einen Sieg gegen SC Extertal einfahren, so dass wir aktuell mit einem Spiel weniger auf Platz 4 überwintern.

Was genau lief in der Mannschaft nicht so, wie ihr euch das vorgestellt habt. Woran muss gearbeitet werden?

Wollbrink: Die Auswärtsspiele und die Chancenverwertung. Wir haben einfach zu viele Punkte auswärts abgeben. Teilweise durch das Auslassen von Torchancen. Da müssen wir klarer bei den Chancen werden. Insgesamt könnten wir mehr Tore geschossen haben.

VfL mit den wenigsten Gegentreffern

 
Womit seid ihr bisher zufrieden, was lief gut und auf was lässt sich aufbauen?


Wollbrink: Die Heimbilanz. Wenn wir unser Nachholspiel gegen Schötmar gewinnen sollten, hätten wir die beste Heimbilanz in der A-Liga. Dazu kommt, dass wir trotz der 0:6-Niederlage in Werl-Aspe die wenigsten Gegentreffer haben. Wenn wir das mit in die Rückserie nehmen könnten und Auswärts etwas stabiler werden, kann es wieder eine richtig gute Saison für uns werden.

Wie haben sich die Neuzugänge bisher bei euch integriert?


Wollbrink: Darvin Dreymann hat sich nach kleinen Startschwierigkeiten zu einer festen Größe im Kader entwickelt. Keith Dreymann hat leider eine Knieverletzung, die ihn praktisch komplett aus der Hinserie rausgenommen hat, da muss man abwarten, wie sich das Ganze entwickelt.

Welche eurer Spieler haben den größten Sprung in ihrer Entwicklung gemacht?

  
Wollbrink: Hier möchte ich eigentlich keinen heraus nehmen. Die Mannschaft kommt nicht nur über einzelne Spieler mit ihrer individuellen Klasse, sondern über das Kollektiv und dem großen Zusammenhalt, aber Tim Plöger hat sich nach seiner schweren Schulterverletzung sehr gut eingefunden ins Team und hilft uns vorne im Sturm weiter. 

Sind Winterneuzugänge bei euch geplant?

Wollbrink: Nein, der Kader ist soweit ausreichend.

Ist die Trainerfrage für die kommende Saison schon entschieden?

Wollbrink: Nein. Sicher ist nur, dass Tim Steffen in der neuen SG kein Trainer mehr sein wird. Dies liegt nicht an dem Zusammenschluss Lüerdissen/Entrup oder der Mannschaft. Es liegt allein an der privaten Situation. Er kann einfach nicht mehr die Zeit investieren, die aus seiner Sicht für einen Trainerjob nötig ist. Er bleibt uns aber als Spieler erhalten, was für uns und die Mannschaft natürlich sehr wichtig ist. Wir müssen jetzt schauen, welcher Trainer am besten zu der Mannschaft passt und dementsprechend versuchen, eine gute Lösung zu finden.

Wie bewertet ihr die Zukunft des Amateurfußballs, gerade was die unteren Ligen betrifft?  

Wollbrink: Ich persönlich glaube, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis es fast nur noch Zusammenschlüsse der Dorfvereine geben wird. Ich glaube auch, dass nur noch die etwas größeren Dorfvereine bei uns eine einigermaßen gute Jugendabteilung haben werden, weil bestimmte Bedingungen wie Grundschule vor Ort, Kunstrasenplatz, Neubaugebiete, etc. vorhanden sind oder kommen. Dazu kommt, dass das Sportangebot immer größer wird, es Sportarten gibt, die man das ganze Jahr über betreiben kann und keine Verpflichtung gegenüber anderen Personen hat. Wir haben uns, seitdem ich in Lüerdissen bin, gegen all diese Umstände wie zum Beispiel den demografischen Wandel, kein Kunstrasenplatz, etc. wehren können, doch das war nun nicht nicht mehr möglich. Die Spielgemeinschaft mit dem FC Union Entrup ist für beide Vereine unumgänglich. Lässt dadurch beide Vereine nicht nur was die reine Erhöhung der Anzahl Spieler angeht, sondern auch sportlich in den kommenden Jahren in eine stabile Zukunft blicken.


Wer holt sich den Meistertitel in dieser Saison in der Lemgoer Kreisliga A?


Wollbrink: Es wird sich wahrscheinlich zwischen Ahmsen und Werl-Aspe entscheiden. Am Ende könnten die größere Erfahrung und die starke Offensive für Ahmsen sprechen.

Willi, wir danken für dieses Gespräch!