Lemgo, 30. Oktober 2022. Intensive 60 Minuten mit vielen schönen Treffern und ebenso vielen strittigen Situationen münden am Ende in der zweiten Heimniederlage: Mit 28:32 (13:13) unterliegt der TBV Lemgo Lippe dem HSV Hamburg.

Geknickt zeigten sich die Lemgoer Akteure nach der Heimniederlage gegen Hamburg. Foto: Matthais Wieking

Vor 3588 Zuschauern in der Phoenix Contact-Arena lieferten sich beide Mannschaften von Anfang an einen höchst unterhaltsamen Schlagabtausch, in dem beide Teams auch so manches Mal die Grenze des Erlaubten überschritten. Allein im ersten Durchgang verteilten die Unparteiischen Julian Fedtke und Niels Wienrich acht Zeitstrafen, wovon fünf die Hamburger einstrichen. Dennoch mangelte es der Partie keinesfalls an spielerischen Glanzpunkten, so beispielsweise nach fünf Minuten, als TBV-Kreisläufer Jan Brosch ein sehenswertes Suton-Zuspiel auf der Sechsmeter-Kante zum 3:3-Ausgleich veredelte. Zuvor hatte auf Seiten der Gäste ausgerechnet der Ex-Lemgoer Dani Baijens mehrmals Unruhe gestiftet und die Hamburger mit einem Hattrick jeweils in Führung gebracht. Groß war der Jubel, als Lukas Zerbe einen langen Ball von Brosch zum 4:4 erhechtete.

Nachdem Jogi Bitter kurz darauf den erneuten Ausgleich durch Lemgos Nationalspieler so gerade mit dem rechten Arm vereitelte, zogen die Norddeutschen durch einen verwandelten Strafwurf von Casper Mortensen erstmals auf zwei Tore davon (4:6, 14.). Seinen Vorsprung konnte Hamburg zunächst halten, doch als die leidenschaftlich verteidigende TBV-Deckung rechtzeitig die Finger dazwischen bekam, verkürzte Samuel Zehnder mit dem ersten Lemgoer Strafwurf auf 7:8. Zwei Zeitstrafen später – Gedeón Guardiola und Nicolai Theilinger mussten vom Feld – traf Zerbe zunächst den Pfosten, ehe er einen Expresspass von Tim Suton in vorbildlicher Kreisläufer-Manier zum erneuten Anschluss vollendete.

Als Hamburgs darauffolgender Angriffsversuch im Seitenaus landete, nutzte Zehnder den nächsten Strafwurf zum umjubelten 10:10-Ausgleich in der 26. Minute. Und als die Lemgoer 6:0 wieder zur Stelle war, traf Zerbe im Eilverfahren zur ersten TBV-Führung (11:10). Den Vorsprung konnten die Lipper allerdings nicht bis zum Pausenpfiff halten: Hamburgs Linksaußen Mortensen blieb mit der Halbzeitsirene vom Punkt der 13:13-Ausgleichstreffer vergönnt.

Nach dem Seitenwechsel legten die Gäste los wie die Feuerwehr: Auf einer bärenstarken Abwehr aufbauend, eilte der TBV durch mitunter kongenialem Tempospiel durch G. Guardiola, Nils Versteijnen und Zehnder per 3:0-Lauf auf 18:15 davon (36.). Doch weil die Lipper ihre Angriffe fortan etwas zu schnell über die Torlinie bringen wollten und sich drei Fehlwürfe hintereinander leisteten, zog ein schnell umschaltendes Hamburg im Eilverfahren wieder gleich. Als die Gäste wieder mit einem Tor vorne lagen (18:19), glich Zehnder abermals vom Strich aus.

Lemgo stemmte sich in dieser Phase mit einem 7:6 gegen den offensiven Negativlauf, doch Bobby Schagen scheiterte kurz darauf an Bitter – und Baijens traf ins leere Tor zum 19:21. Zehn Minuten lief nicht allzu viel im Lemgoer Spiel zusammen, Hamburg nutzte die Schwächephase und setzte sich mit vier Treffern ab. Als Zehnder sieben Minuten vor dem Ende frei an Bitter scheiterte, glich dies bereits einer Vorentscheidung. Doch Lemgo blieb am Drücker: G. Guardiola stellte per Gegenstoß auf 26:29, einen weiteren Mortensen-Heber vom Punkt konterte Schagen mit dem 27:30. Nach einer Zecher-Parade bot sich Zerbe in der 56. Minute die Riesenchance aufs 28:30 – doch das Abschlussglück ging dem TBV im Laufe der zweiten Halbzeit schlichtweg abhanden. Hamburg vollendete den Gegenangriff zum 27:31. Und als Zehnders sechster Strafwurf auch noch in Bitters Händen landete, wusste jeder im aufgeheizten Lemgoer Hexenkessel um den Ausgang des Spiels.

TBV-Trainer Florian Kehrmann: „Wir haben ein intensives Spiel gesehen. In der entscheidenden Phase war Jogi Bitter der Faktor. Wir haben uns auch in der zweiten Halbzeit viele Chancen herausgespielt, aber sind immer dann mit freien Würfen gescheitert, als wir das Spiel zu unseren Gunsten hätten drehen können. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen und konsequenter sein. Wenn wir uns die Chancen schon herausarbeiten, müssen wir das besser nutzen. In den letzten zehn Minuten haben wir es dann nicht mehr geschafft, Ballgewinne zu erzwingen und bekommen dann Gegentore, bei denen der letzte Schritt von uns fehlte.“

TBV Lemgo Lippe: Zecher (9 Paraden), Goldbecker; Hutecek (2), Zehnder (5/5), Brosch (3), I. Guardiola, Simak (2), Laerke (1), Schagen (2), Blaauw, Schwarzer (1), Suton, Zerbe (5), Versteijnen (4), G. Guardiola (3)