Rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich bei uns im Müll statt auf dem Tisch.

Verschwendung fängt auch in Lippe im Haushalt an –

Lemgo. Lebensmittelverschwendung ist nicht erst seit gestern ein großes Thema. Es landen bei uns jedes Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll statt auf dem Tisch. Kaum vorstellbare Mengen in einer Welt, in der nicht nur der allerärmste Hunger leidet. Als sichtbares Zeichen gegen das Wegschmeißen und somit zur Vermeidung der Verschwendung werden die Sammelcontainer bei den Supermärkten angesehen. Von hier aus gehen die Reste an gemeinnützige Institutionen und Verwerter wie Tafel und refood. Aber landet wirklich alles was übrig bleibt in den großen Behältern? Wir haben uns umgehört.

Fragt man die Supermärkte vor Ort, trifft man auf kein allzu großes Interesse an dem Thema. Die Discounter wollen keine Stellung nehmen, verweisen lapidar an ihre jeweiligen Zentralen. Die Märkte von Edeka und Rewe spenden laut eigener Angabe ihre Lebensmittel – Überschüsse an soziale Einrichtungen wie die Tafel. Für ein persönliches Gespräch zu diesem Thema stand man leider auch nicht zur Verfügung oder hatte kein Interesse an der Öffentlichkeitsarbeit.

Beim Denns Biomarkt will man möglichst wenig Ware dem Abfall zuführen. “Wir spenden an insgesamt drei Tafeln”, weiß Marktleiter Jens Hofmann zu berichten. Damit unterstützt Denns die Ausgabestellen der Tafeln in Dörentrup, Kalletal und Lemgo. Das ist für das Geschäft und die soziale Einrichtung eine win – win Situation. Denn was die Tafeln im Biomarkt abholen, muss der Konzern nicht selber entsorgen lassen. Das spart dem Markt bares Geld und sorgt für gute Stimmung, lässt der Markt doch zumindest einen Teil der überschüssigen Lebensmittel noch ihrer eigentlichen Bestimmung zukommen.

Einer der Gründe, warum es überhaupt zu vielen Überschüssen kommt, sieht Hofmann aber auch im Kaufverhalten der Verbraucher. Es werden Produkte mit einem kürzeren Mindesthaltbarkeitsdatum einfach verschmäht. Häufig wird in den hinteren Regalreihen nach Produkten mit einem längeren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gesucht. Läuft das bald ab, ist der Artikel für den Markt nur noch schwer verkäuflich.

Einige Märkte bieten ablaufende Waren zu Sonderpreisen an. Das ist unproblematisch, solange auf das abgelaufene MHD hingewiesen wird. Dass ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum aber nicht mit einem Verfallsdatum gleichzusetzen ist, scheint vielen Verbrauchern nicht bewusst zu sein. Bei vielen Verbrauchern sitzt noch das Bild fest, das abgelaufen gleich verdorben bedeutet. In Wirklichkeit schafft der Gesetzgeber damit aber nur einen rechtlichen Rahmen.

Trotz Kooperation mit sozialen Einrichtungen landet aber auch immer ein erheblicher Teil der Lebensmittel im Abfallcontainer. Waren, die mit einem Verfallsdatum ausgestattet sind – wie oft Fleisch und Wurstwaren – dürfen von den sozialen Einrichtungen nicht mehr weiterverwendet werden und landen im Müll. Genau wie alle anderen Waren, die tatsächlich verdorben sind. Alles wandert als Biomüll zu den Entsorgungsbetrieben.

Schade, wenn etwas im Abfall landet, das aufwendig und teuer für den Verbraucher produziert wurde. Die Schuld für die steigende Verschwendung liegt weniger an den Märkten als an den Verbrauchern. Mindestens die Hälfte der Verschwendung entsteht erst in den Privathaushalten. Um etwas gegen die Wegwerfmentalität zu unternehmen, muß jeder im eigenen Haushalt anfangen. Durch einen planvollen Einkauf und den Verzicht auf spontane Ramschkäufe ohne Sinn und Verstand.